Sexismus-Debatte: Sind diese Berufe schon im Jahr 2018 angekommen?

Hannah Sommer
Freie Autorin für Yahoo Style
In einem aktuellen Zeitungsartikel spricht eine Hostess anonym über Sexismus in ihrem Job. (Bild: AP Photo)

Sexismus im Job wird mehr denn je öffentlich diskutiert. Während sich einige Branchen bereits im Wandel befinden, machen anderen Bereiche immer noch mit unreflektierten Bedingungen für Frauen von sich reden.

Der Job als Hostess ist besonders beliebt bei jungen Studentinnen, die sich abseits vom Unicampus noch etwas dazuverdienen wollen. Doch der wird offensichtlich von der Reduzierung auf das Äußere dominiert. In „Zeit Campus“ schrieb eine Studentin, die seit Jahren als Hostess arbeitet, anonym über ihre Erfahrungen und bestätigte den Sexismus in der Branche.

„Gut aussehen ist das Wichtigste im Job. Wer attraktiv ist, bekommt die gut bezahlten Jobs. Wer zu dick ist, wird aussortiert“, stellte sie klar. Hinzu kommen unangenehme Situationen mit Männern, die sich lauthals über den Körper der Frauen unterhalten oder sie sogar begrapschen. Und trotzdem lautet das Credo einer Hostess, immer höflich zu bleiben.

Wenn man sich die Kommentare zum Artikel durchliest, scheint dies gang und gäbe zu sein – in unterschiedlichen Formen auch an anderen Arbeitsplätzen. Sowohl bei Profitänzerinnen als auch bei Eiskunstläuferinnen ist es ganz normal, dass sie kurze, glitzernde Kleider tragen müssen, während ihre männlichen Partner mit Hemden, eventuell Blazern und langen Hosen glänzen können. Auch die Trikots von professionellen Beachvolleyballerinnen könnten kaum knapper ausfallen. Das ist völlig legitim, wenn es sich um den persönlichen Geschmack der Damen handelt. Geht es aber nur um Standards, Tradition und darum, die Zuschauer optisch zu bespaßen, ist es fraglich.

Viele Airlines geben auch heute noch ihren Flugbegleiterinnen vor, wie sie Make-up und Haare zu tragen haben. Es gibt Styleguides, die genau festhalten, wie viel Schminke sie mindestens auftragen müssen. Ähnlich verhält es sich auch in einigen Drogerie- und Kosmetikfachgeschäften. Die Verkäuferinnen sollen selbst ein Aushängeschild für die zu verkaufenden Waren sein. Kompetenz bei der Beratung allein scheint einigen Filialchefs nicht zu genügen.

Die Formel 1 wird Grid Girls ab kommender Saison abschaffen. (Bild: AP Photo)

Zusätzlich ist das Auge der Öffentlichkeit auf sie gerichtet – manche Medien nutzen das aus. Da kann es schon mal passieren, dass bei einem Outfit-Fauxpas Artikel über das verrutschte Oberteil einer Tänzerin die Zeitungen füllen. Der Sport rückt dann völlig in den Hintergrund. So auch bei der Olympia-Teilnehmerin Gabriella Papadakis, deren Pailletten-Kostüm während ihres letzten Eiskunstlaufs riss. Jetzt muss sie Phrasen wie „sie gewährte ungewohnte Einblicke“ und „gab später kurz eine Brust frei“ über sich lesen.

Besonders auf der Rennstrecke wurden Frauen jahrelang auf ihr Aussehen reduziert und als Objekte gefeiert. Profifahrer in Ganzkörperanzügen ließen sich von sogenannten „Grid Girls“ oder „Boxenludern“ in knapper Kleidung anfeuern.

Doch die Branche ging nun mit einem guten Beispiel voran. Anfang des Jahres teilte Marketingchef Sean Bratches mit, dass bei der Formel 1 künftig auf Nummern-Girls in der Startaufstellung verzichtet wird. Dies begründete er mit dem Wandel der Gesellschaft und erklärte, dass er diesen Brauch weder „passend“ noch „bedeutend“ findet. Man(n) bzw. Frau darf gespannt sein, welche weiteren Entwicklungen die Zukunft mit sich bringt.