Eine Serie wie eine Überdosis: "How To Sell Drugs Online (Fast)" ist wieder da

·Lesedauer: 3 Min.
Lisa (Lena Klenke) und Moritz (Maximilian Mundt) sind zwar kein Paar mehr, verstehen sich aber noch gut. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)
Lisa (Lena Klenke) und Moritz (Maximilian Mundt) sind zwar kein Paar mehr, verstehen sich aber noch gut. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)

In Rinseln steht die große Abi-Party an, doch Online-Drogenbaron Moritz (Maximilian Mundt) hat ganz andere Probleme. In der chaotischen dritten Staffel des deutschen Netflix-Hits "How To Sell Drugs Online (Fast)" machen die holländischen Geschäftspartner Stress und obendrein droht Moritz aufzufliegen.

Drogen und Netflix - das passt einfach zusammen. Als der Streamingdienst im September 2014 in Deutschland seinen Siegeszug antrat, berauschten sich Zuschauer an der phänomenalen AMC-Serie "Breaking Bad", später nahm das Netflix-Original "Narcos" nicht weniger überzeugend Pablo Escobar ins Visier. Und auch hierzulande luden die Serienmacher Matthias Murmann und Philipp Käßbohrer in "How To Sell Drugs Online (Fast)" 2019 erstmals auf einen Trip in die Welt der Rauschmittel ein. Die Geschichte um Kinderzimmer-Dealer Moritz (Maximilian Mundt) spinnt Netflix ab 27. Juli in der mittlerweile dritten Staffel weiter - stets am Rande der erzählerischen Überdosis.

Zu Beginn der sechs neuen Episoden liegt für den Druglord so einiges im Argen. Zur Erinnerung: Staffel zwei endete damit, dass Moritz' einst bester Freund Lenny (Danilo Kamperidis) nicht nur den Online-Shop zu MyDrugs offline nahm, sondern auch sämtliche Bitcoins löschte. Nun heißt es für Moritz, den Scherbenhaufen zusammenzukehren und mit einem Relaunch wie Phoenix aus der Asche aufzusteigen - so zumindest sein ambitionierter Plan.

Dieser geht jedoch nur bedingt auf, weil Egomane Moritz nach dem Streit mit Lenny und Dan (Damian Hardung) einerseits ganz auf sich alleine gestellt ist, andererseits weil die knüppelharten niederländischen Geschäftspartner Druck machen. Als wäre das nicht genug der Aufregung, wären da noch der Trubel rund um das Abitur, Moritz' neugierige Ex-Freundin Lisa (Lena Klenke), die ihren ganz eigenen Plan verfolgt, und Lennys zunehmend schlechter Gesundheitszustand. Und die Polizei ist auch nicht untätig ...

Für Moritz (Maximilian Mundt, Bild) wird es in der dritten Staffel von "How To Sell Drugs Online (Fast)" gefährlich. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)
Für Moritz (Maximilian Mundt, Bild) wird es in der dritten Staffel von "How To Sell Drugs Online (Fast)" gefährlich. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)

Moritz alleine auf weiter Flur

Die dritte Staffel von "How To Sell Drugs Online (Fast)" braucht ein wenig, um in Gang zu kommen. Das liegt vor allem daran, dass das Dreamteam um Moritz, Lenny und Dan zu Beginn gesprengt ist. Alleine funktioniert Moritz nur halb so gut - sowohl als Programmierer, CEO und Drogenverkäufer als auch in seiner Wirkung auf das Streaming-Publikum. Dazu zerfasert die Handlung zunehmend in Nebenkriegsschauplätze, was der Serie nicht immer zuträglich ist.

Trotzdem: Die Macher der Drogen-Coming-of-Age-Comedy verstehen es erneut, aktuelle Trends aus der digitalen Sphäre und die Funktionsweise sozialer Medien gewinnbringend einzubauen. Dass der gutaussehende, aber nicht unbedingt clevere Dan seinen Waschbrettbauch auf Only Fans monetarisiert, ist nicht nur witzig, sondern spiegelt auch die gegenwärtige Digitalkultur wider.

Lenny (Danilo Kamperidis, links) und Dan (Damian Hardung, rechts) wollen nichts mehr von Moritz (Maximilian Mundt) wissen. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)
Lenny (Danilo Kamperidis, links) und Dan (Damian Hardung, rechts) wollen nichts mehr von Moritz (Maximilian Mundt) wissen. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)

Situationskomik trifft True Crime

Dazu bietet die Serienfortsetzung einmal mehr grandiose Situationskomik - etwa bei einer Polizeikontrolle auf der Autobahn, bei der sich nicht nur Zuschauerinnen und Zuschauer vor Lachen bepinkeln. Auftritte zwischen Fremdschämen und Lachanfall verbucht derweil der Lehrer Kowinski (Bastian Reiber) für sich. Der selbsternannte "360-Grad-Pädagoge" inszeniert sich als berufsjugendlicher Kumpellehrer samt pseudocoolen Sprüchen ("Dicke Luft in Buddyhausen?").

Auch die TV- und Medienbranche wird durch den Kakao gezogen. In einer lustigen Anspielung auf die TV-Sendung "Undercover Boss" durchlebt Moritz einen Albtraum, und Katharina Witt ruft in einer Gastrolle als TV-Moderatorin einer Sendung à la "Aktenzeichen XY" zur Fahndung nach dem unbekannten Online-Drogendealer auf. Nicht zuletzt wird "How To Sell Drugs Online (Fast)" mit selbstironischen und dokumentarisch anmutenden Interviewsequenzen mit Moritz ein True-Crime-Handlungsrahmen übergestülpt. Das kommt übrigens nicht von ungefähr: Schließlich ist die Serie inspiriert von einem wahren Kriminalfall, der ab 3. August in der Doku "Shiny_Flakes: The Teenage Drug Lord" aufgerollt wird.

Ist sein Sohn ein Drogenbaron im Internet? Jens (Roland Riebeling) will davon nichts wissen. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)
Ist sein Sohn ein Drogenbaron im Internet? Jens (Roland Riebeling) will davon nichts wissen. (Bild: Netflix / Bernd Spauke)
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