"Der September ist kein schlechter Monat für eine Hochzeit"

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Seit 1998 arbeitet Dr. Katja Horneffer beim ZDF. Im Januar 2020 übernahm sie dort schließlich die Leitung des Wetterteams. (Bild: ZDF / Torsten Silz)
Seit 1998 arbeitet Dr. Katja Horneffer beim ZDF. Im Januar 2020 übernahm sie dort schließlich die Leitung des Wetterteams. (Bild: ZDF / Torsten Silz)

In Sachen Wetter macht ihr so schnell keiner was vor: Seit über 20 Jahren ist Dr. Katja Horneffer fester Bestandteil der ZDF-Wetterredaktion im ZDF, seit 2020 leitet sie das Team. Im Interview verrät die Meteorologin, woher ihre unstillbare Leidenschaft fürs Wetter kommt.

Seit mittlerweile 23 Jahren, knapp einem Vierteljahrhundert, ist Dr. Katja Horneffer fester Teil der ZDF-Wetterredaktion. Seitdem hat sich so einiges getan in der Welt der Wetterberichte, wie die 53-Jährige im Interview zu erklären weiß. Inzwischen leitet sie das Wetterteam des ZDF und ist gern gesehener Gast bei Talkshows wie zuletzt "maybrit illner" und "3nach9". Kein Wunder, immerhin hat die promovierte Meteorologin so einiges zu erzählen - zum Beispiel, wann der taktisch klügste Zeitpunkt ist, eine Hochzeit zu feiern.

teleschau: Frau Dr. Horneffer, das Wetter ist häufig Small-Talk-Thema Nummer 1. Wie oft plaudert man mit Ihnen über das Wetter?

Katja Horneffer: Ich sage immer, das ist nicht Small-, sondern Big-Talk (lacht)! Natürlich gibt es immer Menschen, die mich darauf ansprechen. Besonders momentan, in Hinblick auf das Extremwetter, werde ich öfter gefragt, was das mit dem Klimawandel zu tun hat und wie ich das einschätze. Das sind ja auch spannende Themen! Für mich ist das etwas, das uns alle betrifft, und wenn nach meiner Meinung gefragt wird, teile ich die sehr gerne. Es ist also keineswegs so, dass ich dann zum Beispiel lieber übers Backen sprechen würde.

teleschau: Woher kommt diese Leidenschaft für das Wetter?

Horneffer: Als ich ein Kind war, waren wir in den Ferien sehr oft in den Alpen unterwegs. Dort gibt es Gewitter mit Blitzen, die sich zwischen einer Wolke und den Berggipfeln entladen. Das fand ich als Norddeutsche absolut spannend. Die Natur hat mich schon immer fasziniert. In den Alpen prasseln ja zum Beispiel auch ganz andere Regenmengen herunter. Nachdem ich als Kind einen Fotoapparat geschenkt bekommen hatte, habe ich dann auch immer Wetterfotos gemacht. Eigentlich war das also schon immer genau mein Ding.

Im Interview erzählt Dr. Katja Horneffer, was sich seit ihrem Berufseinstieg als Wetterredakteurin verändert hat. "Was die Arbeitsweise angeht, hat sich in den letzten Jahren viel getan", so die Meteorologin. (Bild: ZDF / Torsten Silz)
Im Interview erzählt Dr. Katja Horneffer, was sich seit ihrem Berufseinstieg als Wetterredakteurin verändert hat. "Was die Arbeitsweise angeht, hat sich in den letzten Jahren viel getan", so die Meteorologin. (Bild: ZDF / Torsten Silz)

"Was die Arbeitsweise angeht, hat sich in den letzten Jahren viel getan"

teleschau: Wussten Sie damals bereits, dass in Ihnen eine geborene Meteorologin steckt?

Horneffer: Nicht ganz. Wenn mich jemand fragte, was ich nach dem Schulabschluss machen möchte, wusste ich zunächst nie so recht eine Antwort. Das hat sich geändert, nachdem ich ein Buch gelesen hatte, in dem ein Meteorologe vorkam, der sogenannte Radiosonden-Aufstiege durchführte.

teleschau: Radiosonden-Aufstiege?

Horneffer: Radiosonden sind Messinstrumente, die die Atmosphäre durchmessen. In die Luft werden die mithilfe von großen, bunten Ballons befördert. Die Vorstellung, später mal mit diesen Ballons arbeiten zu dürfen, fand ich irgendwie cool.

teleschau: Von da an stand Ihr Berufswunsch also fest?

Horneffer: Durch die Geschichte mit den Radiosonden-Aufstiegen wusste ich zumindest, was ich auf die Frage, als was ich später arbeiten will, antworten kann: Meteorologin. Irgendwann hatte ich dann mein Abitur in der Tasche und es stellte sich tatsächlich die Frage: Was mache ich denn nun? Nachdem ich naturwissenschaftlich interessiert war und ohnehin immer erzählt hatte, Meteorologin werden zu wollen, habe ich mich dann für das Studium entschieden.

teleschau: Mittlerweile sind Sie seit über 20 Jahren Teil der ZDF-Wetterredaktion. Wie sehr hat sich Ihr Beruf in den letzten Jahren verändert?

Horneffer: Was die Arbeitsweise angeht, hat sich in den letzten Jahren viel getan. Ein Beispiel: Wenn wir früher Wetterkarten machten, hatten wir noch so eine Art Tableau und einen Stift, der mit dem Rechner verbunden war. Indem man damit dann etwa auf eine Wolke klickte, setzte man diese Wolke auf eine Wetterkarte. Heutzutage macht man das natürlich alles per Computer. Das hat sich wirklich komplett verändert.

"Wetter, das mir schlechte Laune macht? So was gibt es nicht", erklärt Dr. Katja Horneffer im Interview. (Bild: ZDF / Rico Rossival )
"Wetter, das mir schlechte Laune macht? So was gibt es nicht", erklärt Dr. Katja Horneffer im Interview. (Bild: ZDF / Rico Rossival )

"Wetter, das mir schlechte Laune macht? So was gibt es nicht"

teleschau: Haben sich in diesem Zeitraum auch die Reaktionen des Publikums gewandelt?

Horneffer: Das, was bei mir ankommt, ist nicht wirklich anders. Dass sich Menschen darüber beschweren, dass unsere Prognose falsch ist, kommt allerdings selten bis gar nicht mehr vor.

teleschau: Wieso? Irren Sie sich nicht mehr?

Horneffer: Es liegt sicherlich daran, dass wir in den letzten 20 Jahren immer besser geworden sind. Außerdem glaube ich, dass sich die meisten Menschen nicht nur im TV über das Wetter der nächsten Tage informieren. Viele nutzen Apps, Radio und Zeitungen. Deshalb sehe ich unsere Aufgabe mehr darin, zu erklären, wie die Wetterlage ist und worauf man sich insgesamt einstellen muss. Ich muss mir also überlegen: Was ist die wichtigste Aussage, die mein Publikum unbedingt mitnehmen soll? Darunter fallen dann eher so Dinge wie "Achtung vor Sturmböen" oder "Die Waldbrandgefahr am Mittelmeer geht zurück".

teleschau: Über was beschweren sich Zuschauerinnen und Zuschauer heutzutage?

Horneffer: Manchmal berichten wir "zu positiv". Wenn wir uns zum Beispiel nach vielen Tagen Regen sichtlich darüber freuen, Sonnenschein und Wärme zu verkünden, stößt das manchen Menschen sauer auf. Mit einer Pollenallergie ist man eben nicht glücklich über Sonne und hohe Temperaturen. Auch Kleingärtnerinnen und -gärtner jubeln nicht gerade, wenn es zehn Tage am Stück sonnig, heiß und trocken ist. Wir wissen natürlich, dass unser Publikum ganz unterschiedliche Ansprüche an das Wetter hat und versuchen deshalb, nicht zu werten.

teleschau: Gibt es denn auch Wetterlagen, die Sie selbst unglücklich machen?

Horneffer: Nicht wirklich. Ich mag strahlenden Sonnenschein, ich mag Gewitter, ich finde sogar graues Nebelwetter schön. Ich bin einfach sehr gerne in der Natur unterwegs und das bei fast jeder Temperatur. Insofern gibt es eigentlich nichts, das mir aufs Gemüt schlägt. Wetter, das mir schlechte Laune macht? So was gibt es nicht.

"Die Natur hat mich schon immer fasziniert", erzählt Dr. Katja Horneffer im Interview. Das habe sich seit ihre Kinderheit nicht geändert. (Bild: ZDF / Rico Rossival )
"Die Natur hat mich schon immer fasziniert", erzählt Dr. Katja Horneffer im Interview. Das habe sich seit ihre Kinderheit nicht geändert. (Bild: ZDF / Rico Rossival )

"Es ist taktisch weniger klug, Anfang Juni zu heiraten"

teleschau: Trotzdem bereitet das derzeitige Wetter vielen Menschen große Sorgen. Erwarten uns in Zukunft häufiger starke Unwetter?

Horneffer: Im Allgemeinen ist davon auszugehen, dass wir in Zukunft in kürzerer Abfolge größere Wetterextreme haben werden. Wie es konkret im Herbst oder im Winter sein wird, kann man jetzt aber noch nicht sagen.

teleschau: Sind Langzeitprognosen überhaupt verlässlich?

Horneffer: Jetzt zu sagen, wie das Wetter in den kommenden Monaten wird, ist absolute Kaffeesatzleserei. Das kann im Moment kein Mensch wissen. Tatsächlich prognostizieren lässt sich ungefähr ein Zehn-Tages-Trend. Bei einem total stabilen Hoch könnte man vielleicht noch einen Ausblick in die nächsten zwei oder drei Wochen wagen. Ansonsten ist das äußerst unseriös. Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Menschen mich im März fragen, wie das Wetter im September wird, zum Beispiel für die Hochzeitsplanung.

teleschau: Wie reagieren Sie darauf?

Horneffer: Ich finde es jedes Mal aufs Neue lustig! So nach dem Motto: An welchem Wochenende im September wird das Wetter am besten sein? (lacht) Natürlich kann einem das kein Mensch vorhersagen. Ich habe aber tatsächlich schon Hochzeitswetterprognosen gegeben.

teleschau: Und wie?

Horneffer: Man will ja wahrscheinlich nicht nur die Hochzeit feiern, sondern auch jährlich das Jubiläum. Wenn man bedenkt, dass Leute oft 20, 30 Jahre lang verheiratet sind, kann man dann also sehr wohl einen Ausblick geben. Zum Beispiel: Normalerweise hat man im September häufiger stabiles Wetter. Wer also an einem Septemberwochenende heiratet, hat voraussichtlich das Glück, den Jahrestag immer mal wieder bei Sonnenschein feiern zu können. Taktisch weniger klug ist es hingegen, bei der Schafskälte Anfang Juni zu heiraten. Da kann man davon ausgehen, dass man in den darauffolgenden Jahren sehr oft eher kaltes und ungemütliches Wetter haben wird.

teleschau: Sie sagen also: Lieber im September als im Juni heiraten?

Horneffer: Ja, zum Beispiel. Der September ist auf jeden Fall kein schlechter Monat für eine Hochzeit!

Wie das Wetter im Winter wird? Das kann nicht einmal Dr. Katja Horneffer beantworten: "Jetzt zu sagen, wie das Wetter in den kommenden Monaten wird, ist absolute Kaffeesatzleserei." (Bild: ZDF / Torsten Silz)
Wie das Wetter im Winter wird? Das kann nicht einmal Dr. Katja Horneffer beantworten: "Jetzt zu sagen, wie das Wetter in den kommenden Monaten wird, ist absolute Kaffeesatzleserei." (Bild: ZDF / Torsten Silz)
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