Separatisten kontrollieren Jemens Interimshauptstadt Aden

Kämpfer in Aden

Die südjemenitischen Separatisten haben am Dienstag die Interimshauptstadt des Landes erobert. Die Rebellen kontrollierten sieben von acht Stadtteilen Adens und hatten den Präsidentenpalast umzingelt, wie ein hochrangiger Militärvertreter sagte. Wegen der Kämpfe stellte die Hilfsorganisation Save the Children ihre Arbeit in der Stadt ein.

Die südjemenitische Hafenstadt Aden ist der provisorische Sitz der Regierung des international anerkannten Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi. Hadi selbst hält sich in Saudi-Arabien auf. Die Kämpfe zwischen seinen Truppen und den südjemenitischen Separatisten waren am Sonntag eskaliert, nach Angaben des Roten Kreuzes starben dabei seitdem mindestens 36 Menschen.

Tamer Kirolos, Leiter von Save the Children im Jemen, sagte, die Mitarbeiter suchten zu Hause oder in Bunkern Schutz vor den Feuergefechten in der Stadt. Aden sei ein vergleichsweise sicherer Rückzugsort im Jemen gewesen, "aber jetzt ist auch das zerstört", sagte Kirolos.

Hadis Streitkräfte kontrollierten am Dienstag nur noch den nördlichen Stadtteil Dar Saad, während Regierungsmitglieder, darunter Regierungschef Ahmed bin Dahger, im umzingelten Präsidentenpalast ausharrten. Die Rebellen "kontrollieren nun den Hauptzugang, und die Menschen drinnen sind de facto unter Hausarrest", sagte der Militärvertreter. Rebellenkommandeur Saleh al-Sejjad sagte, seine Kräfte hätten die Präsidentengarde in Aden unter ihre Kontrolle gebracht.

Die Kämpfe in Aden fügen dem ohnehin schon verfahrenen Bürgerkrieg im Jemen eine neue Dimension hinzu. In dem arabischen Land kämpfen schiitische Huthi-Rebellen seit Jahren gegen die Regierung von Präsident Hadi. Die Frontstellung in dem Konflikt in Aden ist eine andere: Hier kämpfen die Truppen des Präsidenten gegen Separatisten, die eine Rückkehr zu einem unabhängigen Staat Südjemen anstreben, wie er bereits vor der jemenitischen Vereinigung 1990 bestanden hatte.

Hadi hatte Aden als Hauptquartier seiner Regierung ausgewählt, nachdem ihn die Huthi-Rebellen 2014 aus der Hauptstadt Sanaa vertrieben hatten. Die Separatisten unterstützten die sunnitischen Hadi-Einheiten zeitweise gegen die Huthi-Rebellen.

Der Südjemen blickt auf eine eigene historische Tradition zurück: Nach dem Ende der britischen Kolonialherrschaft wurde das Land 1967 eine unabhängige, marxistisch orientierte Volksrepublik mit der Hauptstadt Aden. Der Nordjemen war bereits seit 1918 ein unabhängiger, muslimisch-konservativer Staat mit der Hauptstadt Sanaa, der aus dem Osmanischen Reich hervorgegangen war. 1990 vereinigten sich beide Staaten, wobei der Nordjemen die dominierende Kraft war.

Jemens Präsident bat derweil die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition, die ihn im Kampf mit den Huthi-Rebellen unterstützt, um Hilfe. Die Koalition versicherte, sie werde "alle nötigen Schritte" unternehmen, um die Sicherheit wiederherzustellen. Einen konkreten Einsatz in Aden kündigte sie jedoch nicht an.