Sender verraten: Das passiert mit den übriggebliebenen Gerichten aus Kochshows!

·Lesedauer: 7 Min.

 Regional, saisonal und bloß nicht zu verschwenderisch: Auch in der Küche wird Nachhaltigkeit zu einem immer wichtigeren Thema. Wie gehen Fernsehkochshows mit der besonderen Verantwortung um? Zum Staffelstart von "Das große Backen" haben wir bei SAT.1, VOX und dem ZDF nachgefragt.

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Bei "The Taste" bekommen Juroren wie Frank Rosin das zu bewertende Gericht auf einem einzigen Gourmetlöffel serviert. Doch was passiert eigentlich mit dem Rest der Sushirolle aus dem Finale der letzten Staffel? (Bild: SAT.1 / Jens Hartmann)

Die Aufgaben lesen sich bisweilen abenteuerlich: 100 gleichmäßige Eclairs, je 25 für Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sollten die Finalteams der zweiten Staffel von "Das große Backen - Die Profis" 2020 auf SAT.1 kreieren. Doch auch in der TV-Show "Das große Backen", wo jährlich zehn Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker um den Goldenen Cupcake, 10.000 Euro sowie ein eigenes Backbuch konkurrieren, kommen mitunter zehn Torten oder 30 Krapfen pro Aufgabe zusammen. 

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Angesichts dieser exorbitanten Menge stellt sich vor allem eine Frage: Was passiert mit all den Schleckereien? Zum Start der neunten Staffel von "Das große Backen" (acht Folgen ab Sonntag, 31. Oktober, 17.30 Uhr, auf SAT.1) haben wir bei den Verantwortlichen der Sendung und weiteren Kochformaten nachgefragt.

Kuchen, Törtchen oder Muffins: Bei
Kuchen, Törtchen oder Muffins: Bei "Das große Backen" mit Christian Hümbs, Enie van de Meiklokjes (Mitte) und Bettina Schliephake-Burchardt stehen die süßen Genüsse im Zentrum. (Bild: SAT.1 / Claudius Pflug)

Bei "Das große Backen" geht es für die Kandidatinnen und Kandidaten darum, die Jury aus Bettina Schliephake-Burchardt und Christian Hümbs von der eigenen Backkunst zu überzeugen. Bei der Bewertung reichen der Konditormeisterin und dem Konditor meist wenige Bissen. Landet der Rest nach Ende der Aufzeichnungen womöglich im Müll? "Auf gar keinen Fall", beruhigt eine Sprecherin von SAT.1 auf Anfrage: "Das wäre doch schade! Die Kuchen und Torten werden direkt am Set nach Drehschluss von allen Kandidat:innen sowie vom Produktionsteam verspeist."

Reste-Smoothie bei "Das große Backen"

Überhaupt werde bei der Produktion darauf geachtet, möglichst keine Lebensmittel unnötig zu verschwenden: Übriggebliebene Zutaten wie Mehl, Zucker oder Schokolade würden in weiteren Aufgaben verwendet. Verderbliche Lebensmittel wie Obst oder auch Teigreste hingegen würden zu Kuchen, Quiches oder Smoothies verarbeitet und anschließend an das Team verteilt, heißt es seitens des Senders weiter.

"Auf die Plätzchen, fertig, los!": Auch in der neunten Staffel der SAT.1-Sendung "Das große Backen" treten zehn Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker im Kampf um 10.000 Euro gegeneinander an. (Bild: SAT.1 / Claudius Pflug)
"Auf die Plätzchen, fertig, los!": Auch in der neunten Staffel der SAT.1-Sendung "Das große Backen" treten zehn Hobbybäckerinnen und Hobbybäcker im Kampf um 10.000 Euro gegeneinander an. (Bild: SAT.1 / Claudius Pflug)

 Auch die immer wichtiger werdenden Fragen nach Regionalität, Saisonalität und tatsächlich benötigter Menge behalten die Verantwortlichen im Sinne der Nachhaltigkeit ihrer Sendung nach eigener Auskunft stets im Blick: "Jede Aufgabe und Zutat wird im Vorfeld mit den Kandidaten besprochen und somit nur in der Menge eingekauft, die die Kandidaten auch tatsächlich maximal benötigen", erklärt die SAT.1-Sprecherin. "Wir achten, so weit möglich, auf Regionalität und heimische Produkte - auch in Bio-Qualität." Beim diesjährigen Staffel-Thema "Weltreise" sei dies natürlich etwas anders, gesteht sie: Hier kämen auch "viele extravagante Aromen und Zutaten zum Tragen".

"Es ist klar, dass eine Tomate im Dezember nicht schmecken kann wie im Juli"

Ähnlich sieht es bei dem Kochwettbewerb "The Taste" aus, dessen neunte Staffel kürzlich auf SAT.1 zu Ende ging: Im vergangenen Jahr drehten die Verantwortlichen sogar einen kurzen Film, der über Herkunft, Aufbewahrung und Weiterverarbeitung der verwendeten Produkte aufklärt (zu sehen unter https://www.sat1.de/tv/the-taste/news/the-taste-2020-das-passiert-mit-den-uebrigen-lebensmitteln-100378). Ein Problem, das dabei zur Sprache kommt, ist die Frage nach der Saisonalität: "Es ist klar, dass eine Tomate im Dezember nicht schmecken kann wie im Juli", erklärt der für den Einkauf zuständige Mitarbeiter. Dennoch müssten die Lebensmittel ganzjährig und in guter Qualität herangeschafft werden.

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Bei "Grill den Henssler" (sechs Folgen, ab Sonntag, 31. Oktober, wöchentlich, um 20.15 Uhr, auf VOX) müssen Promis wie die "Let's Dance"-Jurorin Motsi Mabuse ihr Talent am Herd beweisen. (Bild: RTL / Frank. W. Hempel)

 Was die Menge der benötigten Zutaten angeht, so versucht auch das Produktionsteam von "The Taste" möglichst wenig zu verschwenden: Trockene Zutaten wie Nüsse oder Rosinen sind praktisch in Portionsgrößen verpackt. Dies produziert am Ende zwar etwas mehr Müll, verhindert aber, dass man "zu große Säcke aufreißen" muss, wie Coach Alex Kumptner in dem Video erklärt. Und was passiert mit den Zutaten, die nicht mehr gebraucht werden? "Alles, was offen ist, bekommt das Team", heißt es. Original verpacktes Fleisch, ganze Fische sowie Obst und Gemüse werden an die Münchner Tafel und damit an Bedürftige gespendet.

Praktische Portionsgrößen bei "The Taste"

Die wohl spannendste Frage hinsichtlich der Nachhaltigkeit von "The Taste" ist aber wohl die nach dem Verbleib der zubereiteten Speisen. Schließlich gilt es in dem Format, die Jury mittels eines einzigen gefüllten Gourmetlöffels von sich zu überzeugen. Alles, was nicht auf den Löffel passt, wird nach der Aufzeichnung vom "The Taste"-Team verspeist, wie eine Sprecherin von SAT.1 bestätigt.

Auch im ZDF-Format
Auch im ZDF-Format "Die Küchenschlacht" (im Bild Kandidatin Lara Maria Klewin) kommen viele frische Zutaten zum Einsatz. Aber was passiert am Ende mit den Gerichten? Hier wird es verraten! (Bild: ZDF / Norman Kalle)

Und wie handhaben andere Sender die Frage nach der Nachhaltigkeit von Kochshows? Das ZDF sendet seit nunmehr 13 Jahren die Kochsendung "Die Küchenschlacht" (derzeit montags bis freitags, 14.15 Uhr). Dabei treten pro Woche sechs Hobbyköche und -köchinnen gegeneinander an. Am Ende wird ein Wochensieger gekürt. "Wir zeichnen einmal monatlich an fünf aufeinanderfolgenden Tagen 20 Folgen 'Küchenschlacht' auf - jeweils vier Sendungen pro Tag und immer abwechselnd mit zwei Köchen und ihren Kandidaten", erklärt eine ZDF-Sprecherin auf Anfrage der teleschau. "Durch diesen Aufzeichnungsmodus ist eine Wiederverwertung der in einer Sendung übrig gebliebenen Zutaten ohne Probleme möglich."

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Was dennoch übrig bleibt, wird wie bei "The Taste" gespendet: "Wir arbeiten von Beginn an mit Vereinen zusammen, die Lebensmittel für hilfsbedürftige Menschen sammeln. In den Anfangszeiten mit der Hamburger Tafel, seit einigen Jahren mit Alimaus - einem in Hamburg ansässigen Verein." Lebensmittel, die nicht an den Verein weitergegeben werden dürfen, bekommt die Studiocrew als "Restetüte". "Haltbare Lebensmittel werden für die nächste Aufzeichnungsstaffel aufbewahrt", fügt die Sprecherin hinzu.

Zusammenarbeit mit regionalen Händlern

Zubereitete Speisen dürfen gesetzlich nicht an gemeinnützige Organisationen gespendet werden, erklärt sie weiter. Vor der Pandemie wurden die Gerichte nach Aufzeichnungsende vom circa 100-köpfigen Studiopublikum sowie den Kandidatinnen und Kandidaten verzehrt. Seit Corona-bedingt kein Publikum mehr vor Ort ist, bleibt die Verkostung den an den Aufzeichnungen beteiligten Personen vor und hinter der Kamera vorbehalten: "Wenn jemand etwas essen möchte, geschieht dies freiwillig", betont die Sprecherin.

Und wie viel Wert legt der Mainzer Sender auf Saisonalität und Regionalität? Man arbeite eng mit lokalen Fisch-, Fleisch- und Gemüsehändlern zusammen, heißt es auf teleschau-Anfrage. Außerdem werde darauf geachtet, dass der wöchentliche Motto-Tag und die von den Kandidatinnen und Kandidaten eingereichten Gerichte möglichst saisonal seien. Da die Aufzeichnung allerdings oft Wochen vor der Ausstrahlung erfolgt, kann es passieren, dass zum Beginn der Spargelsaison auch einmal Spargel aus den Niederlanden verwendet werden muss.

"Grill den Henssler": Corona verhindert Resteessen

Die letzte Kochshow, die für den Artikel betrachtet werden soll, ist "Grill den Henssler" (sechs neue Folgen ab Sonntag, 31. Oktober, wöchentlich, um 20.15 Uhr, auf VOX). In dem Format mit Steffen Henssler wird das Thema Nachhaltigkeit ähnlich behandelt wie in den vorherigen Beispielen: "Auf Grundlage der Promi-Rezepte werden die Lebensmittel für die Sendung in den erforderlichen Mengen bereitgestellt", heißt es auf Anfrage, "außerdem gibt es einen gewissen Grundstock an Zutaten, die während des gesamten Produktionszeitraumes genutzt werden können." Alle übriggebliebenen Nahrungsmittel werden nach Beendigung der Aufzeichnungen innerhalb des Teams aufgeteilt und verschenkt. "Fertigzubereitete Gerichte können aufgrund der aktuellen Corona-Lage leider nicht von anderen Personen aufgegessen werden", teilte eine Sprecherin mit.

Es zeigt sich deutlich, dass Themen wie Lebensmittelverschwendung und Nachhaltigkeit auch den Verantwortlichen von großen TV-Shows durchaus bewusst sind. Die Lösungsansätze sind vielerorts ähnlich, hier und da allerdings noch etwas ausbaubar. Wer weiß, vielleicht eröffnen sich hierbei nach Ende der Pandemie noch weitere neue Möglichkeiten.

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