Selenskyj: Russische Großoffensive in der Ostukraine hat begonnen

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Ukrainische Kämpfer in Bunker nahe Popasna (AFP/RONALDO SCHEMIDT) (RONALDO SCHEMIDT)

Die seit Wochen erwartete russische Großoffensive im Osten der Ukraine hat begonnen: Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte am Montagabend, "dass die russischen Truppen den Kampf um den Donbass begonnen haben". Zuvor hatte Russland seine Angriffe auch im Westen des Landes wieder verstärkt. Bei Raketenangriffen auf Lwiw, wo sich viele Flüchtlinge aufhalten, wurden nach ukrainischen Angaben mindestens sieben Menschen getötet.

"Ein sehr großer Teil der ganzen russischen Armee wird nun für diese Offensive verwendet", sagte Selenskyj im Messengerdienst Telegram mit Blick auf die Ostukraine. "Egal, wieviele russische Soldaten dorthin gebracht wurden, wir werden kämpfen. Wir werden verteidigen", kündigte der ukrainische Staatschef an.

Bereits zuvor hatte der Gouverneur der Region Luhansk, Serhij Hajdaj, im Onlinenetzwerk Facebook erklärt: "Es ist die Hölle. Die Offensive, von der wir seit Wochen sprechen, hat begonnen". Es gebe Kämpfe in Rubischne und Popasna und "unaufhörlich Kämpfe in anderen friedlichen Städten".

Kurz zuvor hatte der Gouverneur die Einnahme der Kleinstadt Kreminna durch die russische Armee bekanntgegeben. "Kreminna ist leider unter Kontrolle der Orks", sagte Hajdaj unter Verwendung einer abschätzigen Bezeichnung für die russischen Truppen. Der ukrainische Präsidentenberater Oleksij Arestowytsch sagte hingegen dem Fernsehsender Ukraina 24, Kreminna sei "noch nicht von den russischen Besatzern erobert".

Bei dem Versuch, aus Kreminna zu fliehen, wurden laut Hajdaj vier Zivilisten von russischen Soldaten getötet. Vier weitere Zivilisten seien rund 20 Kilometer östlich von Kreminna in der Region Donezk getötet worden, teilte der Regionalgouverneur Pawlo Kyrylenko auf Telegram mit.

Das Kampfgeschehen im Ukraine-Krieg hat sich seit dem Rückzug der russischen Streitkräfte aus dem Großraum Kiew zunehmend auf die Ostukraine verlagert. Angesichts der befürchteten Großoffensive in den Regionen Luhansk und Donezk riefen die ukrainischen Behörden die dortigen Bewohner seit Tagen zur Flucht auf. Geplante Fluchtrouten blieben allerdings am Sonntag und Montag aus Sicherheitsgründen geschlossen. Vize-Regierungschefin Iryna Wereschtschuk warf Russland vor, immer wieder Fluchtkorridore zu blockieren und anzugreifen.

In der Nähe der westukrainischen Stadt Lwiw zerstörte die russische Armee nach eigenen Angaben ein großes Waffendepot, in dem aus dem Westen gelieferte Waffen gelagert worden sein sollen. Russische Flugzeuge hätten am Montagmorgen einen Angriff auf ein Logistikzentrum der ukrainischen Streitkräfte ausgeführt, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Moskau, Igor Konaschenkow.

Das Logistikzentrum sowie dort gelagerte "große Chargen ausländischer Waffen, die in den vergangenen sechs Tagen von den USA und europäischen Staaten in die Ukraine geliefert wurden", seien bei den Angriffen mit "hochpräzisen Raketen" zerstört worden, sagte Konaschenkow weiter.

Die Ukraine meldete mindestens sieben Tote durch russische Raketenangriffe in Lwiw. Die Stadt nahe der polnischen Grenze war seit Beginn der russischen Offensive am 24. Februar nur selten bombardiert worden.

Die Angriffe auf Lwiw und andere Städte der Westukraine verdeutlichten, "dass kein Teil des Landes von den sinnlosen Angriffen des Kreml verschont bleibt", erklärte der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell.

Von heftigen Explosionen erschüttert wurde auch Charkiw. Am Sonntag wurden in der zweitgrößten Stadt der Ukraine nach Behördenangaben sechs Menschen durch russischen Beschuss getötet, drei weitere Menschen starben demnach am Montag bei russischen Angriffen.

Unterdessen verlieh Russlands Präsident Wladimir Putin jener Brigade, der die Ukraine "Kriegsverbrechen" und massenhafte Tötungen in der Stadt Butscha vorgeworfen hat, einen Ehrentitel.

Putin unterzeichnete nach Angaben des Kreml ein Dekret, mit dem die 64. motorisierte Infanteriebrigade den Ehrentitel einer "Garde" erhält. Die Auszeichnung wird mit "Heldentum und Tapferkeit, Entschlossenheit und Mut" der Mitglieder begründet. Die Ukraine hatte der russischen Armee und vor allem der 64. Brigade vorgeworfen, in der Stadt Butscha nahe Kiew ein Massaker an Zivilisten verübt zu haben.

ck/dja

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