Werbung

Selenskyj fordert Waffen als Antwort auf russische Raketenangriffe

KIEW (dpa-AFX) -Nach den jüngsten russischen Raketenangriffen auf Wohnhäuser in der Stadt Uman hat der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mehr Waffen zum Schutz des Landes gefordert. "Flugabwehr, eine moderne Luftwaffe, ohne die eine effektive Luftraumverteidigung unmöglich ist, Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge. Alles, was notwendig ist, um unseren Städten, unseren Dörfern Sicherheit zu bieten, sowohl im Hinterland als auch an der Front", sagte der 45-Jährige am Freitag in seiner täglichen Videoansprache. Daneben kritisierte er auch die Importverbote für ukrainisches Getreide in einigen EU-Ländern als gefährlich. Erst am Freitagabend meldete die EU-Kommission, dass in der Frage ein Kompromiss gefunden worden sei.

Selenskyj erinnerte in seiner Rede daran, dass durch den russischen Raketenangriff in der Stadt Uman mindestens 23 Menschen, darunter 4 Kinder, ums Leben gekommen sind. Auch im Gebiet Dnipropetrowsk seien eine Mutter und ihre dreijährige Tochter durch russischen Beschuss getötet worden. Dabei habe die ukrainische Flugabwehr eine weit höhere Anzahl ziviler Opfer verhindert, indem sie 21 von 23 Raketen abfing. "Nur das absolut Böse kann einen solchen Terror gegen die Ukraine entfesseln", sagte Selenskyj. Er sei froh, dass Einigkeit bezüglich einer Bestrafung der Verantwortlichen in Europa herrsche.

Zugleich übte er jedoch auch Kritik an den EU-Nachbarn. Die Blockade ukrainischer Agrarprodukte durch europäische Nachbarländer sende das gefährliche Signal bröckelnder Solidarität. "Nun, wo Russland die Handelsfreiheit verletzend versucht, die Lieferung landwirtschaftlicher Produkte auf den Weltmarkt zu blockieren, ist es definitiv nicht die Zeit für irgendjemanden, dem bösen Staat zu folgen und etwas Ähnliches zu tun", monierte Selenskyj. Stattdessen müsse eine konstruktive Lösung im Sinne aller gefunden werden. Er habe darüber auch mit dem Präsidenten des Europäischen Rats, Charles Michel, gesprochen. Am Abend meldete die EU eine Einigung.

Hintergrund der Kritik war der Streit um Getreidelieferungen aus der Ukraine. Russland hatte monatelang die Lieferungen über See blockiert und droht auch das mühsam ausgehandelte Abkommen ab Mitte Mai nicht mehr zu verlängern. Zugleich hatten Polen, Bulgarien, die Slowakei und Ungarn vorübergehend Beschränkungen für ukrainische Agrarimporte verhängt, weil sie Verzerrungen auf dem eigenen Markt befürchteten.