Selenskyj warnt vor Euphorie: "Jeder Sieg bedeutet den Verlust von Leben"

Ungeachtet des von Moskau angekündigten Abzugs aus der südukrainischen Stadt Cherson und vom gesamten rechten Dnipro-Ufer mahnt der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zur Zurückhaltung.

Wolodymyr Selenskyj, ukrainischer Präsident, sagte: "Der Feind macht uns keine Geschenke, er macht keine 'Gesten des guten Willens'."

Wir kämpfen um alles. Und wenn man kämpft, heißt das, dass jeder Schritt einer gegen den Widerstand des Feindes ist. Es geht immer um den Verlust von Leben, unserer Kämpfer. Deshalb bewegen wir uns sehr vorsichtig, ohne Emotionen, ohne unnötiges Risiko.

Präsidentenberater Mykhailo Podolyak erklärte in einem Tweet, "Taten sprechen lauter als Worte" und dass es bisher keine Anzeichen gebe, dass Russland kampflos aufgeben werde.

Dritter militärischer "Gesichtsverlust" Russlands

Der russische Präsident Putin überließ es seinem Verteidigungsminister Sergej Schoigu, die russische Öffentlichkeit über die Rückzugsentscheidung zu informieren.

Begründet wurde der Rückzug logistisch - die Versorgung der russischen Truppen sei unter dem Druck ständiger ukrainischer Angriffe unmöglich.

Cherson ist die einzige ukrainische Regionalhauptstadt, die Russland in mehr als 8 Monaten Krieg hat erobern können. Nach dem Scheitern des Vormarschs auf Kiew und dem Rückzug bei Charkiw gilt Cherson als dritte große militärische Niederlage Russlands.

Das Ausland und US-Präsident Joe Biden zeigten sich abwartend.

Erstens: Dies belegt die Tatsache, dass das russische Militär einige echte Probleme hat. Zweitens: Es wird darauf hinauslaufen, dass sich beide Seiten über den Winter neu positionieren werden.

Derweil gehen die Kämpfe an den Fronten in der Ukraine weiter. Selenskyj kündigte weitere Operationen an, ohne diese genauer zu beschreiben.

Selenskyj warnte Moskau davor, den Befehl zum Sprengen des Kachowka-Staudamms oberhalb von Cherson oder zur Beschädigung des Atomkraftwerk Saporischschja zu geben. "Dies würde bedeuten, dass sie der gesamten Welt den Krieg erklären."

Russische Angriffe auf Kriwyj Rih

Russische Angriffe trafen die südukrainische Stadt Kriwyj Rih. Nach Darstellung der ukrainischen Militärverwaltung kam dabei Streumunition zum Einsatz. Die Bevölkerung wurde zu besonderer Vorsicht aufgerufen, um die kleinen, zylinderförmigen Sprengsätze nicht auszulösen.

Kiew weist neues Gesprächsangebot Russlands zurück

Die ukrainische Führung hat ein erneutes Gesprächsangebot Moskaus als "neue Nebelkerze" zurückgewiesen. "Russische Beamte beginnen, Gesprächsangebote immer dann zu unterbreiten, wenn die russischen Truppen Niederlagen auf dem Schlachtfeld erleiden", so Außenamtssprecher Oleh Nikolenko. Mit dem neuen Dialogangebot spiele Russland wieder nur auf Zeit, um seine Truppen neu aufzustellen und zu verstärken.

In Moskau hatte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa die Bereitschaft Russlands zu Gesprächen "auf Grundlage der aktuellen Realitäten" angeboten. Damit war der aktuelle Stand an den Fronten gemeint. "Wir sind weiterhin zu Gesprächen bereit, wir haben sie nie verweigert", sagte sie.

Kiew hat bereits mehrere Verhandlungsangebote aus Moskau abgelehnt, fordert als Vorleistung den kompletten Rückzug russischer Truppen aus der Ukraine.