Nach Selbstmord für den Iran: Trauer um Mohammad Moradi

Ungefähr 40 Leute haben sich an einer Brücke in Lyon versammelt, um Mohammad Moradi Respekt zu zollen. Der Iraner hatte dort am Montag in der Rhone Selbstmord begangen, um auf die Lage in seinem Heimatland aufmerksam zu machen.

Die Anwesenden riefen den Slogan "Frau, Leben, Freiheit", der durch die Proteste im Iran, die auf den Tod von Mahsa Amini im September folgten, berühmt geworden ist. Vor seinem Tod veröffentlichte Moradi in den sozialen Netzwerken ein Video, in dem er seine Absichten erklärte:

"Wenn ihr dieses Video seht, bin ich schon im Fluss gestorben. Ich begehe nicht aus persönlichen Gründen Selbstmord. Mein Ziel ist es, die Aufmerksamkeit der Europäer, die Aufmerksamkeit der europäischen und westlichen Länder auf die Situation im Iran zu lenken. Lang lebe die Freiheit! Frau, Leben, Freiheit!"

Eine Plattform für die Stimme der Revolution

Ein Mitglied der lokalen iranischen Gemeinschaft sagte, Moradi habe mit seinem Selbstmord der Stimme der Revolution im Iran eine Plattform geben wollen. Während der Krieg in der Ukraine jeden Morgen in den Nachrichten stattfände, würde man kaum etwas über den Iran hören.

Seit über drei Monaten dauern die Proteste im Iran schon an. Nach Angaben der Organisation Iran Human Rights sind dabei bereits 476 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 14.000 Protestierende wurden festgenommen. Zwei junge Männer wurden hingerichtet.

Am Montag kündigte der iranische Präsident Ebrahim Raisi an, dass es „kein Mitleid“ für diejenigen gebe, die sich gegen die Islamische Republik Iran stellen würden. Er machte „Feinde der Nation“ für die Massenproteste gegen die Regierung verantwortlich.

Wenn Sie an Selbstmord denken oder unter Depressionen leiden, können Sie sich in Deutschland per Chat, Mail oder telefonisch kostenlos und anonym unter 0800/111 0 111 beraten lassen. Ein muslimisches Beratungstelefon gibt es rund um die Uhr unter 030 - 44 3509 821 (oder wenn nicht in Deutschland: 0049 - 30/44 35 09 821). In Österreich können Sie sich unter der Telefonnummer 142 beraten lassen oder im Internet. In der Schweiz hilft die Dargebotene Hand im Internet und unter der Telefonnummer 143.