Selbstgebaute Wasserkraftwerke: Wie Bosnier mit ihrem Wissen Ukrainern helfen

Die Turbinen am Ufer des Drina-Flusses in der bosnischen Stadt Gorazde sind schon lange nicht mehr in Betrieb gewesen. Sie haben aber vermutlich vielen Menschen das Leben gerettet.

Mit diesen Mini-Kraftwerken konnten die Stadtbewohner während des Bosnienkriegs und der Belagerung durch serbische Truppen vor 30 Jahren Strom erzeugen und das örtliche Krankenhaus versorgen.

Wie Archiv-Aufnahmen zeigen, baute damals ein Team von Ingenieuren und Elektrikern mithilfe von Autoteilen und Geräten aus zerbombten Fabriken diese kleinen Generatoren. Die kleinen, selbstgebastelten Mini-Wasserkraftwerken wurden in die Drina gebracht. Mit Kabeln schlossen die Ingenieure das Krankenhaus und andere Gebäude in Gorazde an die Generatoren.

Die Stadt war von 1992 bis 1995 von der Außenwelt abgeschnitten. Die Strominfrastruktur hatten die serbischen Truppen damals zerstört. Auch Nahrung und Medizinische Versorgung waren in Gorazde Mangelware.

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"Wir haben keine Zeichnungen angefertigt. Dafür hatten wir keine Zeit", erinnert sich Aziz Lepenica, einer der Ingenieure, die damals daran beteiligt waren. "Wir haben alle Berechnungen und Baupläne in unseren Köpfen gemacht. Später entwickelten wir einige Projektunterlagen und Listen mit geeigneten Baumaterialien."

Ein Wissen und eine Expertise, die für andere Städte in Kriegszeiten sehr nützlich sein können. Vor allem in der Ukraine, wo die russischen Raketen seit Monaten die Strom-Infrastruktur überall im Land zerstören und die Menschen ohne Strom oder Heizung im bitterkalten Winter ausharren müssen.

Deshalb hat die Delegation der Europäischen Union in Sarajevo bei der Stadt Gorazde angefragt, ob sie Materialien zu diesen selbst-gebauten Wasserkraftwerken hätte, die sie den Ukrainern zur Verfügung stellen könnte.

"In fünf oder sechs Tagen haben wir alles gesammelt, was wir finden konnten. Wir haben sogar im Radio die Leute darum gebeten, uns zu helfen. Wir haben alles an die EU geschickt und sie haben es bereits mit der Ukraine geteilt," sagt Edin Culov, Regional-Gouverneur von Gorazde

Murat Heto, auch einer der Ingenieure von damals, sagt, nach all dem, was Gorazde im Krieg durchmachen musste, würde man ein Herz aus Holz haben, wenn man nicht mit den Ukrainern sympathisieren würde. "Es würde uns sehr viel bedeuten, wenn es sich herausstellt, dass wir dem ukrainischen Volk helfen können, das vom Strom abgeschnitten sind, genauso wie wir damals. Das würde mich sehr freuen," fügt Heto hinzu.

Diese Wasserkraftwerke sind zum Symbol des Widerstands und der Entschlossenheit von Gorazde geworden. Die Stadt hielt stand und wurde die einzige Enklave in Ostbosnien, die nie von serbischen Truppen besetzt wurde.