Tödlicher Unfall von Uber-Auto facht Debatte über autonomes Fahren an

Der Leiter der Uber-Sparte für selbstfahrende Lastwagen verlässt laut einem Medienbericht den US-Fahrdienstleister

Der weltweit erste Todesfall einer Passantin bei einem Unfall mit einem selbstfahrenden Auto hat die Debatte über die Sicherheit des autonomen Fahrens angefacht. Der US-Fahrdienstvermittler Uber äußerte sich tief betroffen und legte den Betrieb seiner Roboterautos auf Eis. US-Verbraucherschützer kritisierten, der US-Bundesstaat Arizona sei zum "Wilden Westen" für die Selbstfahrversuche der Hightech-Konzerne verkommen; Digital-Staatsministerin Dorothee Bär (CSU) verteidigte die neue Technik.

Das Uber-Auto hatte am Sonntagabend in der Stadt Tempe in Arizona eine Fußgängerin angefahren. Dabei war das Fahrzeug nach Angaben des Unternehmens im "autonomen Modus" unterwegs, ein Insasse saß hinter dem Steuer. Die Passantin starb nach dem Zusammenstoß im Krankenhaus.

Die Kollision in Tempe ist der erste Unfall eines selbstfahrenden Autos, bei dem eine Fußgängerin getötet wurde. Der erste tödliche Unfall mit einem autonomen Fahrzeug hatte sich im Jahr 2016 in Florida ereignet - damals starb ein Tesla-Fahrer, nachdem der "Autopilot" seines Model S einen kreuzenden Sattelzug nicht vor dem blauen Himmel erkennen konnte. Eine Untersuchung durch die US-Verkehrsaufsichtsbehörde kam zu dem Schluss, dass bei dem Unfall kein technisches Versagen sondern "eine Reihe menschlicher Faktoren" eine Rolle spielten.

Uber kündigte an, das Unternehmen kooperiere "vollständig mit den lokalen Behörden", um den Unfall aufzuklären. Das Fahrzeug wurde der Polizei übergeben.

Zudem stoppte Uber vorübergehend den Betrieb seiner autonomen Fahrzeuge für Tests oder Kundenfahrten in Tempe, Pittsburgh, Toronto und San Francisco. Das Unternehmen, das via Smartphone-App Fahrten vermittelt, experimentiert bereits seit Jahren mit selbstfahrenden Autos, die Uber in der Zukunft durch den Verzicht auf Fahrer beträchtliche Kosteneinsparungen bescheren könnten.

Tempe ist neben Pittsburgh die einzige Stadt, in der Uber autonome Fahrzeuge bereits regulär nutzt, um seine Kunden zu befördern. In den USA sind die einzelnen Bundesstaaten für die Regulierung der öffentlichen Straßen zuständig, autonome Fahrzeuge sind bislang nur in einigen wenigen zugelassen. Als besonders technologiefreundlich tat sich dabei Arizona hervor - der Bundesstaat hofft, damit Hightech-Konzerne anlocken und so Arbeitsplätze in der zukunftsträchtigen Branche schaffen zu können.

Arizona sei damit "zum Wilden Westen für Tests mit Roboterautos ohne jegliche Regulierung" geworden, kritisierte die Verbraucherorganisation Consumer Watchdog. "Wenn kein Sheriff in der Stadt ist, werden Menschen getötet." Bis die Hintergründe aufgeklärt seien, müssten landesweit alle Fahrten mit autonomen Fahrzeugen ausgesetzt werden.

Auch in Deutschland schlug der Unfall hohe Wellen. Der TÜV-Verband forderte eine "lückenlose Aufklärung". In die Entwicklung autonomer Fahrzeuge müssten zudem von Anfang an unabhängige IT-Sicherheitsexperten eingebunden werden.

Digital-Staatsministerin Bär sagte, in Deutschland gebe es jedes Jahr 3000 Verkehrstote. 95 Prozent davon seien auf rein menschliches Versagen zurückzuführen, betonte die CSU-Politikerin im Inforadio des RBB. Jeder Unfall sei tragisch - "aber deshalb dürfen wir nicht sagen, deswegen sind wir jetzt komplett gegen die neue Technik". Sie würde sich jederzeit in ein selbstfahrendes Auto setzen und habe das auch schon mehrfach getan, sagte Bär.

Laut US-Roboter-Expertin Missy Cummings von der Duke University sind autonome Fahrzeuge dem Menschen bei Routineabläufen überlegen - menschliche Fahrer reagieren hingegen besser auf unvorhergesehene Situationen. Sie plädierte deshalb für eine behutsame Einführung der Technik - diese sei noch "sehr unerprobt und experimentell".