Selbstfahrende Autos haben jetzt eine Ethik

Sascha Koesch


Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastrukur hatte eine Ethik-Kommission damit beauftragt Regeln für selbstfahrende Autos zu erstellen, damit die nicht einfach tun und lassen, was dem jeweiligen Hersteller so gefällt. Das meiste der Ergebnisse, die nun in dem Bericht "Automatisiertes und vernetztes Fahren" vorgestellt wurden, versteht sich irgendwie fast von selbst. Interessant wird es natürlich bei den wirklich kritischen Fragen, nämlich dort, wo Leben gefährdet sind.

Dort wird in folgender Passage einiges Klargestellt, das wirklich geregelt sein muss:

Bei unausweichlichen Unfallsituationen ist jede Qualifizierung nach persönlichen Merkmalen (Alter, Geschlecht, körperliche oder geistige Konstitution) strikt untersagt. Eine Aufrechnung von Opfern ist untersagt. Eine allgemeine Programmierung auf eine Minderung der Zahl von Personenschäden kann vertretbar sein. Die an der Erzeugung von Mobilitätsrisiken Beteiligten dürfen Unbeteiligte nicht opfern.


Wir würden behaupten, es bedeutet im schlimmsten Fall für den Autofahrer, der Fahrer hat immer unrecht, sofern sein Auto Gefahr läuft Personen außerhalb des selbstfahrenden Verkehrs zu verletzen und das Risiko müsste dann zu seinen Ungunsten berechnet werden. Fussgänger und Radfahrer dürften das fair finden. Wir vermuten auch, alleinfahrende Autofahrer wären softwareseitig im Crash mit anderen eher bevorzugt.

Wichtiger aber jenseits solcher hoffentlich eher hypothetischen Überlegungen ist folgende Ethik-Regel:

Eine vollständige Vernetzung und zentrale Steuerung sämtlicher Fahrzeuge im Kontext einer digitalen Verkehrsinfrastruktur ist ethisch bedenklich, wenn und soweit sie Risiken einer totalen Überwachung der Verkehrsteilnehmer und der Manipulation der Fahrzeugsteuerung nicht sicher auszuschließen vermag.


Denn damit soll nicht nur verhindert werden, dass man in Zukunft jeden Autofahrer konstant überwacht, sondern auch, dass es für die Hersteller vorgeschrieben werden dürfte, ihre Autos wirklich mal sicher zu machen. Bislang sind sie ja eher offene Einflugstellen für Hacker. Das dies allerdings in der formulierten Ausschließlichkeit überhaupt je machbar wäre, halten wir für nicht sonderlich wahrscheinlich.

Beim derzeitigen Umgang der Regierung mit Autoherstellern haben wir allerdings große Bedenken, dass überhaupt sonderlich großer Wert auf eine strikte Umsetzung dieser Regeln gelegt wird. BMVI