Wann werden selbstfahrende Autos der Öffentlichkeit verfügbar sein?

Motley Fool beitragende Investmentanalysten

Wann sollten Autokäufer – und Investoren – erwarten, dass selbsfahrende Autos der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden?

Das ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Das ist keine Überraschung: Selbstfahrende Autos sind wahrscheinlich eine transformative Technologie, und wir Fools lieben es, schon früh dabei zu sein.

Aber es stellt sich heraus, dass die Antwort auf die Frage davon abhängt, was man mit „selbstfahrend“ – und mit „verfügbar“ – meint.

Was wir unter „selbstfahrenden“ Autos verstehen

Zuerst wollen wir einige Begriffe definieren. „Selbstfahrend”, „autonom“, „fahrerlos“ – das alles bedeutet so ziemlich dasselbe: ein Fahrzeug, das sich selbst fahren kann, ohne dass ein menschliches Eingreifen erforderlich ist, zumindest unter bestimmten Umständen.

So etwas gibt es auf dem Markt noch nicht. Während Systeme wie Teslas (WKN:A1CX3T) Autopilot und General Motors (WKN:A1C9CM) Super Cruise unter eingeschränkten Bedingungen freihändiges Fahren erlauben, erfordern beide die Anwesenheit eines menschlichen Fahrers, der zumindest aufmerksam und bereit ist, die Kontrolle zu übernehmen.

SAE International, der Berufsverband der Automobilingenieure, definiert die Fahrzeugautomatisierung in sechs Schritten, von Level 0 (keine Automatisierung) bis Level 5 (Vollautomatisierung).

Was ist der Unterschied? Level 4 ist innerhalb von gewissen Grenzen voll selbstfahrend: Die meisten Selbstfahrsysteme, die in naher Zukunft auf den Markt kommen dürften, sind auf hochdetaillierte 3D-Karten angewiesen; wer irgendwo hin will, was nicht auf der Autokarte steht, muss selbst fahren. Es kann auch noch andere Grenzen geben: Ein Level 4 System kann z. B. im Schnee nicht funktionieren.

Level 5 ist ein System, das überall dort fahren kann, wo ein menschlicher Fahrer es könnte. Diese selbstfahrenden Systeme, die in naher Zukunft auf den Markt kommen werden, sind Level 4, beschränkt auf kartierte Gebiete. Wenn sich die Karten im Laufe der Zeit erweitern, werden diese Fahrzeuge immer näher an Level 5 herankommen. Aber die meisten Experten sind der Meinung, dass ein ausgewachsenes Level-5-System noch mindestens mehrere Jahre entfernt ist.

Fazit: Zumindest für die nächsten Jahre werden selbstfahrende Autos „geographisch eingeschränkt“, also auf sorgfältig kartierte Gebiete beschränkt sein. Sie könnten auch durch Witterungseinflüsse und andere Bedingungen eingeschränkt sein.

Aber Level-4-Fahrzeuge kommen bald.

Beim Rennen um die Entwicklung eines selbstfahrenden Autos gibt es viele Konkurrenten

Es gibt eine Reihe von Bestrebungen, ein Level-4-System in naher Zukunft auf den Markt zu bringen. Hier die prominentesten:

  • Delphi Automotive (WKN:A1JPLB), Intel (WKN:855681) und die Intel-Tochter Mobileye haben versprochen, den Automobilherstellern bis Ende 2019 ein Level-4-System zur Verfügung zu stellen. Fahrzeuge, die dieses System nutzen, könnten bis 2021 oder so auf den Markt kommen.
  • Diese Partner sind in einem Projekt mit der BMW AG, Magna International und Fiat Chrysler Automobiles involviert, das darauf abzielt, bis 2021 eine selbstfahrende Technologieplattform auf den Markt zu bringen.
  • Der schwedische Autohersteller Volvo Cars und der Automobilzulieferer Autoliv haben ein Joint Venture gegründet, das ebenfalls darauf abzielt, bis 2021 ein System auf den Markt zu bringen. Es wird von Volvo in seinen eigenen Autos verwendet und von Autoliv an andere Autohersteller vermarktet.
  • Eine Reihe von Autoherstellern und Technologie-Unternehmen haben ihre eigenen Anstrengungen unternommen, einschließlich Alphabets (WKN:A14Y6H) Waymo Tochtergesellschaft, GM, Tesla, die Volkswagen AG und Ford Motor Company.

Aber Achtung: Die Antwort auf die Frage in der Überschrift muss nicht zwangsläufig „2021“ lauten. Obwohl viele Entwicklungsbemühungen im Gange sind, werden die ersten Level-4-Autos wahrscheinlich nicht direkt an die Verbraucher verkauft. Stattdessen werden sie bei Unternehmen wie Uber Technologies und Lyft zum Einsatz kommen: Es handelt sich dabei um automatisierte Taxis, die (zumindest auf den ersten Blick) auf Städte beschränkt sind.

Mehrere US-Städte wurden bereits gut kartiert, darunter Pittsburgh (Heimat von Ubers eigenem Technologieprogramm) und San Francisco, Heimat von GMs selbstfahrender Tochtergesellschaft Cruise Automation. GM sagte vor kurzem, dass es derzeit daran arbeitet, New York City zu kartografieren, und andere Kartierungsbemühungen im Gange wären.

Wann wird das geschehen? GM geht davon aus, dass die Fahrzeuge der Stufe 4 bis 2019 in dichten städtischen Gebieten in großem Maßstab im Einsatz sein werden. Waymo denkt vielleicht ähnlich: Es hat vor kurzem einen großen Schritt in diese Richtung gemacht und verkündet, dass einige seiner Testfahrzeuge in Arizona bald mit den Tests ohne menschlichen Fahrer beginnen werden.

Wann werden also selbstfahrende Autos bei den Autohäusern auftauchen?

Wann werden wir also in der Lage sein, einen zu kaufen? Das kann sich als eine Frage für die Regulierungsbehörden herausstellen, und die Antwort kann davon abhängen, wie gut die ersten Level-4-Fahrzeuge im Bereich des Fahrdienstes abschneiden. Wenn sie viele Probleme haben, dauert es länger.

Es kann auch von der Reaktion der Öffentlichkeit abhängen: Wie viele Menschen wollen die Technologie in ihren privaten Fahrzeugen, und wie viel werden sie bereit sein, dafür zu bezahlen? (Natürlich, ein paar Unternehmen – ich denke an Tesla hier – können es nicht erwarten, herauszufinden, was die Behörden oder die Öffentlichkeit denkt.

Kurz gesagt: Unter der Annahme, dass es keine rechtlichen Hindernisse gibt, könnten die ersten Autos mit Level-4-Systemen innerhalb weniger Jahre bei den Händlern auftauchen, aber es kann länger dauern. So oder so, es ist wahrscheinlich, dass wir in einem selbstfahrenden Taxi werden fahren können, bevor wir eines kaufen können. Es wird wohl 2019. Und es ist auch wahrscheinlich, dass ausgewachsene Level-5-Fahrzeuge noch viele Jahre entfernt sind.

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Suzanne Frey, Führungskraft bei Alphabet, ist Mitglied des Vorstandes von The Motley Fool.

The Motley Fool hält und empfiehlt Aktien von Alphabet (A- und C-Aktien), Ford und Tesla. The Motley Fool empfiehlt Autoliv und Intel.

Dieser Artikel wurde von John Rosevear auf Englisch verfasst und am 30.11.2017 auf Fool.com veröffentlicht. Er wurde übersetzt, damit unsere deutschen Leser an der Diskussion teilnehmen können.

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