Seit über einem Monat: Syrer sitzt auf Flughafen fest

Der 36-jährige Syrer Hassan al-Kontar lädt täglich Videos bei Twitter hoch. (Bild: Hassan al-Kontar/Twitter)

„Das ist nicht mein Krieg“, sagt Hassan al-Kontar, der seit mehr als 30 Tagen am Flughafen von Kuala Lumpur festsitzt, da ihm kein Land Visa gewährt. Über Twitter hält er Kontakt zur Außenwelt.

Der 36-Jährige lebt seit 37 Tagen im Flughafen der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur. Von hier aus wollte er nach Ecuador weiterfliegen, mit der Hoffnung, ohne Visum einreisen zu können. Doch daraus wurde nichts. Ihm wurde der Zutritt zu der gebuchten Turkish-Airlines-Maschine verwehrt.

Seitdem hat er versucht, in Kambodscha und auch in Malaysia einzureisen. Beide Länder wollen ihm kein Visum ausstellen. Nun sitzt er fest. Al-Kontar war im Januar 2017 nach Malaysia gekommen und hielt sich nach einer dreimonatigen Aufenthaltsgenehmigung illegal dort auf. Zuvor hatte er in den Vereinigten Arabischen Emiraten im Bereich Marketing- und Energiewirtschaft gearbeitet. Nach Beginn des syrischen Bürgerkrieges verlor er jedoch seine Aufenthaltserlaubnis und wurde deportiert.

Mit der britische Tageszeitung „The Guardian“ sprach er über seine Situation. Für das Interview unterhielt er sich durch eine Glasscheibe mit den Journalisten, weil er den Ankunftskorridor des Flughafens nicht verlassen darf.

Nach Syrien zurück kann und will Hassan al-Kontar nicht. Dafür gibt es auch einen ganz konkreten Grund: Der Syrer befürchtet, in die Armee und als Soldat in die anhaltenden Kriegshandlungen mit einbezogen zu werden. „Ich bin keine Tötungsmaschine und ich möchte Syrien nicht zerstören. Ich will kein Blut an meinen Händen. Krieg ist niemals die Lösung”, so der junge Mann gegenüber “BBC News”.

„Ich weiß nicht, was ich sagen oder was ich tun soll. Ich brauche eine Lösung, ich brauche einen sicheren Ort, an dem ich legal arbeiten kann“, sagte er dem „Guardian“. In sein Heimatland könne er jedoch nicht zurück: „Syrien kommt nicht infrage, auch wenn ich für immer hierbleiben muss. Ich möchte nicht Teil dieses Krieges sein. Ich möchte niemanden töten und auch nicht getötet werden. Es ist nicht mein Krieg.“


„The Guardian. Das ist nicht unser Krieg. Das ist die Geschichte von Hunderten Syrern. Turkish Airlines weigert sich, ein Statement abzugeben.“

Al-Kontar kann seine Wäsche hier nicht richtig waschen, duscht selbst in einer Flughafentoilette für Beeinträchtigte. Meist nach Mitternacht, wie er sagt, denn dann seien weniger Leute hier. Er ernährt sich fast ausschließlich von Reis und Hühnchen, einem abgepackten Gericht, das am Flughafen bereitgestellt wird. Geld hat er fast keines mehr.

Manchmal gönnt er sich etwas bei „McDonald’s“ oder lässt sich vom Flughafenpersonal einen Kaffee aus einem ihm verbotenen Bereich der Anlage holen. Dafür berechnen ihm die Mitarbeiter eine Servicegebühr von zehn malaysischen Ringgit (umgerechnet etwa 2 Euro).

Al-Kontar lädt täglich Videos auf Twitter hoch, berichtet von seiner Situation und seinen Sorgen. „Man sorgt sich um die Familie und spürt einen ständigen Druck. Doch meistens ist man damit beschäftigt, die drängendsten Probleme anzugehen“, beschrieb er seine Situation weiter.


In der Vergangenheit gab es immer wieder ganz ähnliche Fälle, in denen Palästinenser – und seit dem Bürgerkrieg auch Syrer – an Flughäfen in Kuala Lumpur, Bangkok und Istanbul strandeten. „Es ist nicht nur mein Problem“, so al-Kontar. „Es ist das Problem von Hunderten von syrischen Männern, die sich gehasst, zurückgewiesen, unerwünscht, schwach und einsam fühlen.”

Wie es mit ihm weitergeht, ob er nach Ecuador weiterreisen darf oder in Malaysia bleiben kann, ist weiterhin ungewiss.