Ich bin seit 30 Jahren Pilot und das Chaos auf den Flughäfen ist das schlimmste, das ich je erlebt habe

Schon als habe Patrick Smith Pilot werden wollen. Das vergangene mit chaotischen Zuständen an Flughäfen habe er als schlimmstes seiner gesamten Karriere wahrgenommen. - Copyright: Patrick Smith
Schon als habe Patrick Smith Pilot werden wollen. Das vergangene mit chaotischen Zuständen an Flughäfen habe er als schlimmstes seiner gesamten Karriere wahrgenommen. - Copyright: Patrick Smith

Der folgende Text basiert auf einem Gespräch mit Patrick Smith, einem Piloten einer kommerziellen Fluggesellschaft, Gründer von „Ask The Pilot“, einer Plattform rund ums Fliegen, und Autor von „Cockpit Confidential“. Der Inhalt der Erzählungen wurde hinsichtlich Länge und Klarheit bearbeitet.

Ich bin Pilot einer Boeing 767, die ich durch die Vereinigten Staaten sowie nach Westeuropa, Afrika und Südamerika fliege. Schon als Kind war es mein Traum, eines Tages ein Flugzeug zu steuern.

Früher verbrachte ich meine Wochenenden damit, von der Aussichtsplattform am Flughafen aus Flugzeuge zu beobachten, die landeten und abhoben. Heute kann ich auf knapp 30 Jahre als Berufspilot zurückblicken.

An jedem Flughafen herrscht derzeit ein gewisser Grad an Chaos

Flughäfen sind bekannt für ihre langen Warteschlangen. Derzeit handelt es sich dabei jedoch um Größenordnungen, die ich noch nie zuvor gesehen habe – egal, ob vor dem Zoll, dem Sicherheitscheck, der Passkontrolle oder dem Café.

Als ich vor Kurzem von Dublin aus geflogen bin, habe ich gesehen, dass sich die Schlange an der Vorabkontrolle der US-Einwanderungsbehörde über zwei komplette Stockwerke erstreckte. Es scheint also ein Personalproblem auf ganzer Linie zu geben.

In meiner gesamten Zeit als Pilot habe ich so etwas noch nie gesehen

Als zu Beginn der Pandemie die Fluggesellschaften entschieden, Personal abzubauen, wusste niemand so genau, was das für Folgen haben würde.

Die gesamte Branche – von den Fluggesellschaften bis hin zu Sicherheit und Flugsicherung – versuchte, sich während einer völligen Katastrophe über Wasser zu halten. Wie die Lage in ein paar Wochen oder Monaten aussehen würde, konnten wir damals nur erahnen.

Als Konsequenz für den Personalmangel haben Fluggesellschaften dann präventiv Flüge storniert und ihre Flugpläne an bestimmten Flughäfen gekürzt, die zu Verspätungen neigen.

British Airways stellte im August 2022 für einige Tage den Verkauf von Kurzstreckentickets für Flüge ab London Heathrow ein. American Airlines hingegen reduzierte die Flüge ab Philadelphia im September und Oktober 2022 um zwei Prozent. Das mag zunächst nicht nach viel klingen, ist jedoch für eine Fluggesellschaft eine große Zahl.

Ich habe mitbekommen, wie Mitarbeiter an anderer Stelle aushalfen und improvisierten

Es sind seltsame Zeiten, in denen wir mehr denn je auf die Hilfe anderer angewiesen sind.

In diesem Sommer waren meine Flüge stark durch Verspätungen beeinträchtigt. Wenn wir im Voraus von einer Verspätung wissen, bleibt die Crew im Hotel. Manchmal erfahren wir davon jedoch erst, wenn wir am Flughafen ankommen.

Für mich ist eine gute Kommunikation zwischen den Fluggesellschaften und ihren Kunden derzeit wichtiger denn je – sei es, um die Menschen über Annullierungen zu informieren oder ihnen bei einer unerwarteten Stornierung zu helfen.

In der Regel bin ich zwischen zwölf und 16 Tagen im Monat unterwegs. Während der Pandemie waren es nicht immer ganz so viele Tage, jetzt sind es dafür wieder mehr. Es gibt zur Zeit Prämien und Boni für Piloten, die viele Überstunden machen.

Außerdem stellen die Fluggesellschaften derzeit viele neue Piloten ein. Es ist also der ideale Zeitpunkt, um in die Branche einzusteigen.

Die Airline-Schulungsabteilung ist überlastet – es kann Monate dauern, wieder fliegen zu dürfen

Zwar wurden nur sehr wenige Piloten während der Pandemie entlassen, allerdings setzten viele Fluggesellschaften ihre Piloten neu ein oder gaben ihnen ein Flugverbot. Viele Piloten gingen vorzeitig in den Ruhestand. Jetzt muss das Personal wieder neu strukturiert werden, um der aktuellen Nachfrage gerecht zu werden.

Als Pilot kann man nicht einfach das Flugzeug wechseln. Wer für das Fliegen eines Airbus ausgebildet ist, kann sich nicht einfach in das Cockpit einer Boeing setzen. Dafür braucht es Umschulungen – und das mehr denn je.

Da sind die Piloten, die für ein bestimmtes Flugzeug umgeschult werden müssen, die Mitarbeiter, die vom Ersten Offizier zum Kapitän aufsteigen, und die Piloten, die nach einem temporären Flugverbot wieder in die Luft steigen möchten.

Die Stellen, die diese Umschulungen anbieten, sind daher völlig überlastet. Ich kenne einen Piloten, der seine Ausbildung im Januar begonnen und erst im Mai abgeschlossen hat.

Reisenden empfehle ich, geduldig zu sein und nicht zu erwarten, dass alles reibungslos verlaufen wird

Sollte dennoch alles ohne Komplikationen verlaufen, ist das super. Ich war in den vergangenen Monaten auf etlichen Flügen im Einsatz, die pünktlich waren. Erst kürzlich bin ich von Los Angeles nach New York geflogen. Wir sind früh abgereist und früh angekommen. Es war genauso wie vor der Pandemie.

Was mich diesen Sommer am Laufen gehalten hat, ist meine Passion für das Fliegen generell. Versteht mich nicht falsch, ich mag auch keine langen Schlangen und verspätete Flüge, aber es gibt etwas an Flugreisen, das mich immer noch begeistert – trotz des Chaos.

Fachkräfte Flughafen
Fachkräfte Flughafen

Dieser Text wurde von Anika Faber aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.