In seinem Brief an die Aktionäre kritisiert der Star-Investor die hohen Unternehmensbewertungen. Er profitiert jedoch von der US-Steuerreform.

Warren Buffetts Brief an die Aktionäre hat Kultstatus. Vor allem, weil sich der 87-jährige Star-Investor gern mit den großen Themen befasst und Anlagetipps für seine Aktionäre gibt. Die Zahlen fürs vierte Quartal, die er stets zeitgleich veröffentlicht, spielen da fast eine Nebenrolle. Schließlich ist Buffett für seinen langen Investitionshorizont bekannt. Wie sich die Daten seines Konglomerats Berkshire Hathaway alle drei Monate verändern, hält er selbst nicht für besonders wichtig.

Es war ein gutes Jahr für den Konzern aus Omaha, im Bundesstaat Nebraska. Der Nettogewinn hat sich im vierten Quartal fast verfünffacht auf 32,6 Milliarden Dollar. Das liegt jedoch vor allem an den Effekten der US-Steuerreform, die Ende 2017 verabschiedet wurde. Die Reform begünstigt vor allem Unternehmen, die wie Berkshire einen Großteil ihres Gewinns in den USA erwirtschaften. Buffett zufolge sorgte das für ein Plus von rund 21 Milliarden Dollar.

Aufs Jahr gesehen kletterte der Berkshire-Gewinn damit von 24 Milliarden Dollar auf 45 Milliarden Dollar. Ohne diesen Sondereffekt sieht es jedoch etwas weniger rosig aus. Die Naturkatastrophen haben Berkshires Versicherungsgeschäft zu schaffen gemacht. Der operative Gewinn im vierten Quartal ging um 24 Prozent auf 3,3 Milliarden Dollar zurück.


Vor allem die Eisenbahn-Sparte BNSF und Berkshires Industriesparte schnitten im vergangenen Jahr jedoch gut ab. BNSF machte vier Milliarden Dollar Gewinn, ein Plus von elf Prozent. Die Industriesparte trug 6,2 Milliarden Dollar zum Gesamtgewinn bei, etwas mehr als die 5,6 Milliarden Dollar ein Jahr zuvor.

Die Berkshire-Aktie der Klasse A legte 2017 in einem insgesamt starken Aktienmarkt ebenfalls deutlich zu. Sie legte 22 Prozent zu und durchbrach Ende 2017 zum ersten Mal die Rekordmarke von 300.000 Dollar. In seinem Brief konzentrierte sich Buffett vor allem auf folgende Punkte:

Übernahmen
Buffett ist seit Jahren auf Einkaufstour. Berkshires Cash-Reserven lagen Ende 2017 bei 116 Milliarden Dollar, knapp 30 Milliarden Dollar mehr als ein Jahr zuvor. Damit könnte er sich fast jedes Unternehmen leisten. Doch der Berkshire-Chef ist kniepig. Die hohen Preise, die derzeit vorherrschen „waren ein Hindernis bei praktisch allen Deals, die wir 2017 angeschaut haben“, moniert Buffett. „Preise für Unternehmen, die zwar attraktiv aber keineswegs spektakulär sind, waren auf einem Allzeithoch. Es scheint, als seien Preise fast irrelevant für die Armee von optimistischen Käufern da draußen.“

Buffett wollte im Sommer den texanischen Stromanbieter Oncor für neuen Milliarden Dollar kaufen, wurde dann aber in letzter Minute von Hedgefonds-Manager Paul Singer überboten. Buffett ist bekannt dafür, nicht in Bieterkämpfe einzusteigen, also zog er sich zurück.


Der derzeitige Kaufrausch sei angetrieben von niedrigen Zinsen und Wall-Street-Analysten, die von ambitionierten Vorstandschefs Übernahmen forderten, so Buffett. Die Lage macht ihn zynisch: „Wenn Analysten so einen CEO drängen, über Übernahmen nachzudenken, dann ist es ein bisschen so, als wenn Sie ihrem Teenager zu Hause sagen, er oder sie solle auf jeden Fall ein normales Sex-Leben führen“.

Immerhin: Berkshire übernahm 2017 rund 39 Prozent am Raststättenbetreiber Pilot Flying J. und die vielen Tochterunternehmen haben ihrerseits wiederum einige Übernahmen vollzogen – auch in Deutschland. Berkshires Industrieunternehmen Precision Castparts übernahm die Wilhelm Schultz GmbH aus Krefeld.

Hohe Verschuldungsraten lehnt Buffett seit jeher ab. Je unvorsichtiger die anderen seien, desto vorsichtiger müsse er selbst handeln, stellt er klar.

Versicherungsgeschäft
Es ist eines der wichtigsten Standbeine für Berkshire. Doch 2017 war für die gesamte Branche ein schwieriges Jahr, mit drei großen Hurrikans in Florida, Texas und Puerto Rico. Buffett erwartet Verluste in Höhe von rund drei Milliarden Dollar vor Steuern oder zwei Milliarden Dollar nach Steuern. Insgesamt belaufen sich die Schäden laut Branchenschätzungen auf 100 Milliarden Dollar.
Die Naturkatastrophen sorgten auch dafür, dass das Versicherungsgeschäft den ersten Verlust seit 14 Jahren schrieb: ein Minus von 2,2 Milliarden Dollar.

Aktienpakete
Berkshire hält Aktienpakete von großen US-Konzernen. Die Anteile waren Ende 2017 rund 170 Milliarden Dollar schwer. Buffett investiert hier gemeinsam mit seinen beiden Investment-Chefs Ted Weschler und Todd Combs, die beide rund 12 Milliarden Dollar in Eigenregie verwalten. Die meisten Anteile hat Berkshire an Wells Fargo, Apple und der Bank of America. 2017 erhielt Berkshire 3,7 Milliarden Dollar an Dividenden. Der Star-Investor ist mit Blick auf Aktien weiter optimistisch: „Wer in Amerika in Aktien investiert, hat Rückenwind“, schreibt er.

Lob für mögliche Nachfolger
Buffett hat im Januar zwei langjährige Berkshire-Manager befördert und damit einen deutlichen Hinweis gegeben, wer eines Tages sein Nachfolger werden könnte. Ajit Jain, der die Versicherungssparte leitet, und Greg Abel, Chef von des Energie-Geschäfts, sind in den Verwaltungsrat berufen worden und sind nun zusätzlich stellvertretende Verwaltungsratsvorsitzende. Berkshire-Aktionäre könnten sich glücklich schätzen, dass Jain und Abel für Berkshire, schrieb Buffett. „Durch ihre Adern fließt Berkshire-Blut. Ihr Charakter ist genauso stark ausgeprägt wie ihr Talent. Und damit ist eigentlich alles gesagt.“