"Seelische Wunden!" Mkhitaryans doppelte Mission

Maximilian Lotz
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Die Erfolgsserie der AS Roma hielt auch im Spitzenspiel gegen Inter Mailand.

Und wieder hatte einer seinen Anteil daran, der im beginnenden Herbst seiner Karriere einen zweiten Frühling erlebt: der frühere Dortmunder Henrikh Mkhitaryan.

Mit seinem achten Assist in dieser Saison bereitete der 31 Jahre alte Armenier Lorenzo Pellegrinis (17.) Führungstor vor. Gianluca Mancini (86.) bewahrte mit seinem späten Ausgleich zum 2:2 die Roma vor der ersten Heimniederlage, nachdem Inter die Partie durch Milan Skriniar (56.) und Achraf Hakimi (63.) zwischenzeitlich gedreht hatte.

Die Mannschaft von Paulo Fonseca hat sich nach Jahren mit eher überschaubarem Erfolg wieder zu einem echten Spitzenteam in der Serie A gemausert und wird durchaus als Mitbewerber um den Scudetto gehandelt - zwanzig Jahre nach dem bislang letzten der drei Meistertitel.

Mkhitaryan ist Topvorbereiter der Serie A

Großen Anteil daran hat Mkhitaryan. Der Mittelfeldstratege ist nicht nur Topvorbereiter der gesamten Liga, sondern mit acht Treffern auch bester Torjäger der Roma - noch vor Edin Dzeko.

Als der Bosnier im November wegen einer Corona-Infektion ausfiel, schlüpfte Mkhitaryan in die Rolle des Torjägers. Beim 3:0-Sieg gegen Parma Calcio schnürte er gleich einen Doppelpack.

Aktuell ist er nur noch ein Tor von seiner Ausbeute in der Vorsaison entfernt. Zweistellig traf Mkhitaryan zuletzt in Diensten von Borussia Dortmund, als er sich nach seiner Saison 2015/16 mit elf Toren und 20 Assists Richtung England verabschiedete. Die hohen Erwartungen konnte er aber weder bei Manchester United, noch später beim FC Arsenal erfüllen.

Trainer Fonseca schwärmt von Mkhitaryan

Seit Sommer 2019 spielt er in der italienischen Hauptstadt, zunächst auf Leihbasis und seit dieser Saison fest bei der Roma. Und das so stark wie lange nicht.

"Er ist einer der cleversten Spieler, die ich je trainiert habe. Er sucht den Raum, wie es nur wenige andere tun", sagte Trainer Fonseca kürzlich bei Sky Sports über seinen Mittelfeld-Star.

Dabei gibt es für den armenischen Nationalspieler aktuell Wichtigeres als Fußball. Als UNESCO-Botschafter macht er seit Jahren auf das Leid der Kinder im blutigen Konflikt um die Region Bergkarabach in seiner Heimat aufmerksam.

Auch am Orthodoxen Weihnachtsfest am 6. Januar war er mit seinen Gedanken bei seinen Landsleuten. "Dieses Jahr begehen wir das Fest der Heiligen Geburt mit schwerem Herzen", schrieb Mkhitaryan auf Facebook. "Armenien und Artsakh stehen vor der Herausforderung, sich sowohl von den physischen als auch von den psychischen Wunden des Krieges zu erholen. Meine Landsleute wurden schwer getroffen. Schwere Traumata müssen unbedingt verarbeitet werden. Und wir müssen unsere seelischen Wunden heilen."

Krieg in Armenien beschäftigt Mkhitaryan

Der Konflikt um die Region Bergkarabach erlebte im vergangenen Jahr die härtesten und blutigsten Kämpfe seit den 90er-Jahren, seit Aufflammen der Auseinandersetzung Ende September starben mindestens 245 Menschen. Aktuell überwachen russische Friedenstruppen die vor zwei Monaten vereinbarte Waffenruhe.

Mkhitaryan rief schon im Oktober die internationale Gemeinschaft zu einem Eingreifen auf, "um einen weiteren Völkermord zu verhindern".

Aufgrund seiner Popularität als bekanntester Fußballer des Landes sieht er sich in der Pflicht, für weitere Aufmerksamkeit zu sorgen. "Menschen, die einen Krieg erlitten haben, verdienen es, unterstützt zu werden, um neu beginnen zu können", schrieb er nun. "Wir müssen über diese Dunkelheit siegen."

Auch sein Klub unterstützt Mkhitaryan bei dessen Einsatz. Er ist sich sicher, dass sich seine Heimat von den Folgen des Krieges erholen wird. "Wir werden weiterhin Kirchen erbauen, Opern komponieren, Meisterwerke malen, Impfstoffe entdecken, Tore schießen … kreieren, erschaffen, performen und mit der Welt teilen."

In puncto sportlicher Leistung geht Mkhitaryan bei der Roma mit bestem Beispiel voran.