Seehofer versus Söder: Nach Umfragetief brodelt es in der CSU

Söder sieht den Grund für schlechte Umfragewerte bei „Berliner Entscheidungen“. Seehofer sieht hingegen eine Kampagne gegen sich und seine Partei. (Bild: AP Photo/Matthias Schrader)

Die CSU steckt in einem Umfragetief. Die Partei ist, mit Blick auf die Landtagswahlen in Bayern im Herbst, von einer absoluten Mehrheit weit entfernt. Über die Schuldfrage gibt es Unstimmigkeiten zwischen Ministerpräsident Markus Söder und Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Der Asylstreit in der Bundesregierung, der in den letzten Wochen die deutsche Innenpolitik dominiert hat, hatte für die CSU mehrheitlich negative Folgen. Das suggeriert nicht nur eine neue BayernTrend-Umfrage des BR-Politikmagazins “Kontrovers”, sondern wird auch von Markus Söder so gesehen. Gegenüber dem “Münchner Merkur” sagte der bayerische Ministerpräsident, die schlechten Umfragewerte seiner Partei seien auf “Berliner Entscheidungen” zurückzuführen.

Das durfte durchaus als Spitze in Richtung Bundesinnenminister Horst Seehofer verstanden werden – der den Vorwurf umgehend zurückwies. Zur “Augsburger Allgemeinen” sagte Seehofer: “Bayern steht blendend da und Markus Söder stützt sich auf eine absolute Mehrheit, die wir 2013 unter meiner Führung geholt haben. Bayern kann also handeln, die Staatsregierung ist auf keinen Koalitionspartner angewiesen, das ist ein großer Vorteil für den Wahlkampf.”

Doch die besagte absolute Mehrheit ist laut Umfragen mittlerweile in weite Ferne gerückt. Das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap hat im Auftrag des BR-Politikmagazins “Kontrovers” erhoben, dass die CSU bei Wahlen derzeit nur noch auf 38 Prozent käme. Das entspricht einem historischen Tiefstand.

Asylstreit hat der CSU geschadet

Die Umfrage hatte auch ganz konkret nachgefragt, wie die bayerischen Wähler den Asylstreit bewerten. Hierzu gaben 78 Prozent der Befragten an, dass die Kontroverse der CSU geschadet habe. Auch unter Anhängern der Partei fällt das Urteil klar negativ aus: 68 Prozent sind der Meinung, die Auseinandersetzung habe sich für die CSU letzten Endes nicht gelohnt.

Lächeln für die Kameras: Zwischen Söder (l.) und Seehofer knirscht es derzeit gewaltig. (Bild: AP Photo/Matthias Schrader)

Historisch niedrige Zustimmung für Seehofer

Die konfliktreichen letzten Wochen drückten auch die persönlichen Zustimmungswerte der beiden in den Keller: Noch im Mai war Markus Söder für 56 Prozent der Bayern ein guter Inhaber des Amts des bayrischen Ministerpräsidenten. Mittlerweile sehen dies nur noch 44 Prozent so. Und Horst Seehofer selbst bekam die schlechteste Bewertung, die jemals für ihn im BayernTrend gemessen wurde: Auf einer Schulnotenskala von 1 bis 6 steht er derzeit bei einer 3,9.

Zur “Augsburger Allgemeinen” sagte Seehofer dazu: “Jeder, der es sehen will, sieht, dass hier eine Kampagne gefahren wird, die geht gegen mich und meine Partei.” Auch Spekulationen, wonach er zurücktreten könnte, sollte es im Herbst zu einem Wahldebakel für die CSU kommen, bezeichnete er als “Märchen”.

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