Seehofer fordert weniger Zuschauer in EM-Stadien

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Das Londoner Wembley-Stadion

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat an die britische Regierung und den europäischen Fußballverband Uefa appelliert, die Zuschauerzahlen bei den verbleibenden Spielen der seit zweieinhalb Wochen laufenden Europameisterschaft zu reduzieren. "Ich halte es für unverantwortlich, wenn in Ländern, die als Virusvariantengebiet der hoch ansteckenden Delta-Mutation gelten, zigtausende Menschen auf engem Raum zusammenkommen", sagte Seehofer der "Augsburger Allgemeinen" vom Dienstag. Das sei auch die Auffassung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), mit der er sich dazu abgestimmt habe.

Seehofer verwies darauf, dass bei den EM-Spielen in München eine Auslastung von 20 Prozent der Stadionplätze erlaubt ist. Dies sei "ein Maßstab, der auch für die anderen Austragungsorte gelten könnte, denn man muss in den Konzepten auch die An- und Abreise berücksichtigen". Als Innenminister ist der CSU-Politiker auch für den Sport zuständig.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) sagte, die Entscheidungen der Uefa mit einer Erhöhung der Zuschauerkapazitäten seien "null nachzuvollziehen". "Das, was die Uefa jetzt macht, ist für mich nicht akzeptabel." Es widerspreche auch dem Grundcharakter der Europameisterschaft, die als Turnier mit Freude und Vorsicht begonnen habe.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte dem Fernsehsender Phoenix, er halte die großen Zuschauerzahlen für "nicht vertretbar". "Wir haben einen Supersommer, der steht auch nicht zur Disposition - die Frage ist: Wie wird der Herbst?", sagte Lauterbach. Große Menschenansammlungen müssten vermieden werden, insbesondere dort, wo die Delta-Virusvariante grassiere. Einen neuerlichen Lockdown im Herbst erwarte er dank der Impffortschritte aber nicht.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) warnte vor weiteren Lockerungen bei der EM. "Die Uefa und der DFB müssen dringend dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden - der Plan, jetzt noch mehr Leute in die Stadien zu lassen, wie in Wembley, ist unverfroren", sagte Kretschmann dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

Schon die bisherigen Bilder von der Fußball-EM vermittelten den Eindruck, dass die Pandemie vorbei sei. "Das ist ein absolut falsches Signal", sagte Kretschmann. Bei den Spielen in Ungarn und Dänemark seinen die Stadien "knallvoll" gewesen, jedes der Spiele könne zum Superspreaderevent werden. "Dieser Leichtsinn macht mich fassungslos."

Die deutsche Nationalmannschaft trifft am Dienstagabend im EM-Achtelfinale in London auf England. Im Wembley-Stadion sollen dann rund 40.000 Zuschauer erlaubt sein. Auch das EM-Halbfinalspiele und das Finale sollen im Wembley-Stadion stattfinden. Für diese Spiele ließ die britische Regierung sogar jeweils bis zu 60.000 Zuschauer im Stadion zu.

In Großbritannien grassiert die als besonders ansteckend geltende Delta-Variante des Coronavirus. Deutschland stufte Großbritannien deshalb als Virusvariantengebiet ein, für Einreisen aus dem Vereinigten Königreich gelten somit strenge Quarantänevorschriften. Die Einstufung gilt bereits seit dem 23. Mai und damit seit deutlich vor Beginn der EM.

ran/cfm

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