Section Control: Auch Polizei Köln plädiert für neue Form der Tempomessung

Eine Überwachung im Rheinufer- und Herkulestunnel wird diskutiert.

„Noch ganz am Anfang ihrer Überlegungen“ stehe die Stadt, was den Einsatz von so genannten Abschnittskontrollen zur Überwachung der Höchstgeschwindigkeit auf Kölns Straßen angeht. „Die Technik kann grundsätzlich sinnvoll sein“, sagt Stephan Keller. „Es muss aber genau geprüft werden, wo sie in der Stadt eingesetzt werden könnte.“

Damit reagiert der Stadtdirektor dämpfend auf den Vorstoß von Ordnungsamtsleiter Engelbert Rummel, der öffentlich geäußert hatte, er wolle das „Section Control“-Verfahren auf zwei Strecken testen lassen, auf denen oft Raser unterwegs seien: im Rheinufertunnel in der Innenstadt und im Herkulestunnel in Neuehrenfeld. Die Statistik der Polizei aus den vergangenen Jahren belegt, dass die Zahl der Unfälle im Rheinufertunnel im vergangenen Jahr zwar auf 28 stieg, im Herkulestunnel dafür aber in den vergangenen Jahren dramatisch gesunken ist.

Section Control misst Durchschnitssgeschwindigkeit in einem Kontrollbereich

Bei Section Control wird die Zeit am Anfang und am Ende eines Kontrollabschnitts gemessen, um daraus die durchschnittliche Geschwindigkeit der Fahrer zu ermitteln. Wer zu schnell fährt, wird beim Herausfahren aus der Zone geblitzt. Im Gegensatz zur Section Control blitzen die herkömmlichen „Starenkästen“ nur bei der punktuellen Überschreitung der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit, und derjenige, der weiß, wo sie stehen, kann nach dem Drosseln des Tempos beim Passieren des Standorts gleich wieder unkontrolliert beschleunigen.

„Ich halte die Geschwindigkeitsüberwachung durch Abschnittskontrollen für eine geeignete und wirkungsvolle Alternative zu der Messtechnik, die bereits im Einsatz ist“, sagt deshalb Martin Lotz, Leiter der Verkehrsdirektion bei der Kölner Polizei. „Dem bekannten Verhalten von Kraftfahrzeugführern, an einer Messstelle abzubremsen und dahinter mit überhöhter Geschwindigkeit weiterzufahren, könnte so entgegen gewirkt werden. Zunächst müssen aber die rechtlichen Voraussetzungen für Abschnittskontrollen geschaffen werden.“

Zulässigkeit muss mit Bundesinnenministerium abgestimmt werden

Über die Möglichkeit, sie in Köln einzurichten, könne „zu diesem Zeitpunkt noch keine Auskunft gegeben werden“, teilt die Stadt mit. Unter anderem müsse die Zulässigkeit mit dem Bundesinnenministerium abgestimmt werden. Das betreffe vor allem den Datenschutz. Weil diese Frage nicht abschließend geklärt ist, hat die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig noch immer nicht den Testbetrieb auf einem Teil der Bundesstraße 6 bei Hannover genehmigt. Vom Ergebnis des Versuchs in Niedersachsen, für den die Anlagen längst aufgebaut sind, hängt ab, ob das neue Verfahren zur Messung der Geschwindigkeit auch anderswo in der Bundesrepublik eingeführt werden kann. In Österreich wird es bereits eingesetzt.

Vor dem Hintergrund der jüngeren Geschichte habe der Datenschutz in Deutschland besonderes Gewicht, sagt Roman Suthold vom Verkehrsverein ADAC Nordrhein. Die Schranke vor „verdachtsunabhängigen Kontrollen“ sei hoch, um jeglichem „Schindluder“ vorzubeugen. Das System funktioniere jedenfalls nur, wenn am Anfang der Strecke die Daten sämtlicher Fahrzeuge erfasst würden; damit würden die Fahrer gleichsam unter Generalverdacht gestellt. Die Daten dürften keinesfalls auf Vorrat erhoben und müssten verschlüsselt und vor dem Zugriff Dritter geschützt werden. Erst wenn die Ergebnisse des Modellprojekts, in das der ADAC Niedersachsen eingebunden sei, vorliegen würden, „kann man gern darüber diskutieren , die Technik in Köln einzuführen“, findet Suthold.

Nicht nur rechtliche, sondern auch praktische Fragen gilt es zu klären. Zu prüfen sei, „ob es überhaupt Strecken im Stadtgebiet gibt, auf denen Abschnittskontrollen technisch realisierbar sind“, heißt es bei der Stadt, ohne dass von den beiden Tunneln die Rede wäre. An solchen Strecken müssten „entsprechende Anschlüsse und Aufhängevorrichtungen geschaffen werden“.

Die Zahlen zu Unfällen in Kölner Tunneln

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Rheinufertunnel: 9 (2010), 14 (2011), 13 (2012), zehn (2013), 16 (2014), 13 (2015), 28 (2016) und sieben (2017). Die Zahlen für den Herkulestunnel: 88 (2010), 93 (2011), 75 (2012), 67 (2013), 60 (2014), 40 (2015), 60 (2016) und 35 (2017)....Lesen Sie den ganzen Artikel bei ksta