Sechs Tote bei Selbstmordanschlag vor Geheimdienst-Gelände in Kabul

Afghanische Sicherheitskräfte sperren eine Straße unweit des Anschlagsorts

Bei einem Selbstmordanschlag vor einem Gelände des afghanischen Geheimdienstes NDS in Kabul sind mindestens sechs Menschen getötet worden. Wie ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichtete, sprengte sich der Attentäter am Montagmorgen vor dem Haupteingang des Gebäudekomplexes in die Luft, als die Angestellten auf dem Weg in ihre Büros waren. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich.

Wie ein Sprecher des Innenministeriums sagte, traf der Sprengsatz einen Wagen, der gerade an dem Gelände vorbeifuhr. Bei den sechs Toten handelte es sich demnach um Zivilisten, die in dem Auto gesessen hatten. Drei weitere Menschen seien verletzt worden. Was genau das Ziel des Attentäters war, sei unklar, sagte der Sprecher. Das Gesundheitsministerium bestätigte die Zahl der Todesopfer, sprach jedoch nur von einem Verletzten.

Die IS-Miliz nahm den Anschlag über ihr Sprachrohr Amaq für sich in Anspruch. Nach Angaben der Dschihadisten richtete sich der Selbstmordanschlag gegen den Geheimdienstkomplex.

Erst vor einer Woche hatten bewaffnete Angreifer ein Ausbildungszentrum des NDS in der afghanischen Hauptstadt gestürmt. Auch für diesen Angriff hatte die IS-Miliz die Verantwortung übernommen.

Die IS-Miliz und die radikalislamischen Taliban hatten ihre Angriffe auf Sicherheitskräfte und Moscheen in der afghanischen Hauptstadt in den vergangenen Monaten intensiviert. Kabul gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in dem Land.

Bei einem Anschlag im Kabuler Diplomatenviertel Ende Mai waren etwa 150 Menschen getötet und 400 weitere verletzt worden. Im November wurden bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt, zu dem sich der IS bekannte, 14 Menschen getötet. Im Oktober waren bei mehreren Taliban-Angriffen insgesamt rund 150 Menschen getötet worden.

Eine US-Beobachtungsstelle sprach zuletzt von "schockierend hohen" Opferzahlen unter den afghanischen Sicherheitskräften. Erst am Freitag waren bei einem Autobombenanschlag in der südlichen Provinz Kandahar sechs Polizisten getötet worden. Zu dem Anschlag bekannten sich die Taliban.