Palästinensischen Terroristen gelingt Flucht aus israelischem Hochsicherheitsgefängnis

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Sechs palästinensischen Häftlingen ist ein spektakulärer Ausbruch aus einem israelischen Hochsicherheitsgefängnis gelungen. Die Inhaftierten, darunter ein prominenter Ex-Anführer einer militanten Organisation, flüchteten nach Angaben der israelischen Gefängnisbehörde am frühen Montagmorgen durch einen Tunnel. Die radikalislamische Hamas im Gazastreifen feierte den Gefängnisausbruch als "heroischen Akt". Israels Regierungschef Naftali Bennett bezeichnete das Geschehen als "sehr ernsten" Zwischenfall.

Nach Angaben der israelischen Gefängnisbehörde alarmierten Anwohner am frühen Montagmorgen die Behörden, nachdem sie "verdächtige Personen" nahe der Gilboa-Haftanstalt im Norden des Landes beobachtet hatten. In einem von der Gefängnisbehörde veröffentlichten Video waren Polizisten zu sehen, die einen schmalen Tunnel unter einem Waschbecken begutachteten. In einer weiteren Aufnahme war ein außerhalb der Gefängnismauern gelegenes Loch im Boden zu sehen.

Tunneleingang unter einem Waschbecken (AFP/-)
Tunneleingang unter einem Waschbecken (AFP/-)

Unter den Ausbrechern ist der frühere Anführer der militanten Al-Aksa-Brigaden in Dschenin, Sakaria Subeidi. Er war im Jahr 2019 wegen Terrorvorwürfen festgenommen worden. Die anderen fünf Ausbrecher saßen wegen geplanter oder verübter Angriffe auf Israelis in Haft. Zu ihnen zählt auch Mahmud Abdullah Ardah, ein bekanntes Mitglied der militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad.

Israels Regierungschef Bennett ließ sich nach eigenen Angaben fortlaufend über den Stand der Fahndung nach den Ausbrechern auf dem Laufenden halten. Polizei, Armee und Agenten des Inlandsgeheimdienstes Shin Bet waren im Einsatz, unterstützt wurde die Suche durch Drohnen aus der Luft und durch Spürhunde. Rund um Gilboa wurden Straßensperren eingerichtet.

Sicherheitskräfte zeigen Journalisten den Tunnel-Ausgang (Bild: AFP / Jalaa MAREY)
Sicherheitskräfte zeigen Journalisten den Tunnel-Ausgang (Bild: AFP / Jalaa MAREY)

Das Hochsicherheitsgefängnis Gilboa war während der zweiten Intifada 2004 eröffnet worden. Unter den Insassen des Gefängnisses sind hunderte Palästinenser. Die Gefängnisbehörde erklärte, alle Insassen der Anstalt, die wegen "sicherheitsrelevanter" Vergehen inhaftiert seien, seien vorsorglich verlegt worden.

Militante Palästinenser brachen angesichts der Nachricht über den Gefängnisausbruch in Jubel aus. In Dschenin wurden Freudenschüsse in die Luft abgefeuert, wie ein AFP-Reporter berichtete. Zahlreiche israelische Sicherheitskräfte waren in der im Norden des besetzten Westjordanlands gelegenen Region im Einsatz. Der Gouverneur von Dschenin, Akram Radschub, sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Situation sei derzeit ruhig. "Aber die Überwachung ist beispiellos", fügte er hinzu.

Palästinenser feiern in Dschenin den Ausbruch (Bild: AFP / JAAFAR ASHTIYEH)
Palästinenser feiern in Dschenin den Ausbruch (Bild: AFP / JAAFAR ASHTIYEH)

In Dschenin hatte es in den vergangenen Wochen Spannungen gegeben. Im August waren im neben der Stadt Dschenin gelegenen gleichnamigen Flüchtlingslager vier Palästinenser bei Auseinandersetzungen mit israelischen Sicherheitskräften getötet worden.

Militante Palästinenserorganisationen feierten den Gefängnisausbruch. Der Ausbruch zeige "den Willen und die Entschlossenheit unserer heroischen Gefangenen", erklärte die Hamas. Anhänger des Islamischen Dschihad verteilten angesichts der Nachricht Geschenke im Gazastreifen, wie AFP-Reporter beichteten. Die libanesische Hisbollah bezeichnete den Ausbruch als "schweren Schlag" gegen die israelischen Sicherheitskräfte.

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