Sechs Lektionen von Game of Thrones

1 / 4

Sechs Lektionen von Game of Thrones

Die Intrigen der Erfolgsserie Game of Thrones sind nicht weit weg von der Realität. Was man von den Familien aus Westeros für das Berufsleben lernen kann.


Was soll man schon mitnehmen aus einer Welt, die von untoten Eismonstern bedroht wird, in der feuerspeiende Drachen ganze Städte zerstören und gerade noch tote Hauptdarsteller dank Magie wieder auferstehen?

Mit ein wenig Fantasie: viel. Denn die Intrigen und Machtspiele der Protagonisten von Game of Thrones sind nicht nur realistisch, sondern auch allzu menschlich. Höchste Zeit also, daraus ein paar Lektionen für den Geschäftsalltag zu ziehen. Denn wer genau hinschaut, findet auch in der Welt des Autors George R. R. Martin Beispiele für schlechte Mitarbeiterführung, die Macht des Bankensektors oder die Kraft der Disruption. Sechs Protagonisten – und was man von ihnen lernen kann:

Ned Stark

Der Herr von Winterfell hat gerade einen Verräter zum Tode verurteilt – und dieses Urteil vollstreckt er selbst: „Der Mann, der ein Urteil fällt, soll auch das Schwert führen.“ Seinen Söhnen will er damit eine Lehre vermitteln: Wer eine Entscheidung trifft, muss dafür auch Verantwortung übernehmen.

Für Stark geht es vor allem darum, ehrbare Entscheidungen zu treffen. Er steht zu seinem Wort, auch wenn er im Verlauf der Staffel zunehmend von Lügnern und Betrügern umgeben ist. Am Ende zahlt er für seine Prinzipientreue mit seinem eigenen Kopf.
Führungskräfte können von diesem Satz aber trotzdem etwas lernen. Entlassungen zum Beispiel unterschreibt man nicht einfach und lässt sie dann von der Sekretärin zustellen. Auch bei weniger dramatischen Entscheidungen gilt: Wer sie einmal trifft, sollte auch dazu stehen.

Tywin Lannister

„Ein König, der sagen muss: "Ich bin der König", ist kein richtiger König.” Der Familienpatriarch Tywin Lannister maßregelt mit diesem Satz seinen Enkel und Jungkönig Joffrey Baratheon. Wer die Serie kennt, der weiß: Während der wasserstoffblonde Sadist auf dem Thron mehr den König simuliert als wirklich zu herrschen, ist es eigentlich Tywin, der die Fäden zieht. Er ist übrigens auch der einzige, der sich einen solchen Satz erlauben kann, ohne gleich auf dem Schafott zu landen.

Die Botschaft ist klar: Wer seinen Untergebenen erst sagen muss, dass er der Chef ist, der hat schon jede Autorität verloren. Nur wer von seinen Mitarbeitern als Führungsperson anerkannt wird, kann sich auch wirklich so nennen.



Lord Varys

Der oberste Geheimniskrämer der Serie philosophiert des Öfteren über Macht. Seine eigene zum Beispiel beruht darauf, Dinge über die Lords und Ladys von Westeros zu wissen, die sonst niemand weiß. „Macht liegt dort, wo Menschen denken, dass sie liegt. Sie ist ein Trick, ein Schatten an der Wand. Und ein sehr kleiner Mann kann einen sehr großen Schatten werfen.“ Sein Ratschlag gilt in diesem Fall dem kleinwüchsigen Tyrion Lannister, dem er eine größere Rolle im Spiel um den Thron zugedenkt, als der selbst für möglich hält. Macht, so Varys' Theorie, ist eine Illusion, es müssen nur genügend Menschen daran glauben, damit sie wahr wird.

Wer sich lange genug so verhält wie ein Anführer, wird früher oder später auch als einer gesehen.


Daenerys Targaryen, Tyrion Lannister und Tycho Nestoris


Daenerys Targaryen

Die vermeintlich rechtmäßige Thronerbin befindet sich sechs Staffeln lang auf einem Selbstfindungs- und Emanzipationstrip, ehe sie zu Beginn der siebten endlich in Richtung des Kontinents aufbricht, auf den sie ihren Hoheitsanspruch erhebt. Zu Beginn ihrer Heldenreise steckt sie aber in einer passiven Rolle fest. Ihr Bruder nutzt sie als Wetteinsatz, um für seine Eroberungspläne eine Armee zu erkaufen – und sie mit einem Stammesführer zu vermählen. Im Verlauf der Geschichte entwickelt sie sich immer mehr zur Anführerin, verschafft sich selbst eine gewaltige Armee inklusive dreier Drachen - und befreit mehrere Städte von ihren sklavenhaltenden Herrschern.

„Ich werde das Rad nicht stoppen, ich werde es zerbrechen.“ Daenerys' unwahrscheinlicher Aufstieg zeigt die Macht der Disruption. Sie hat erkannt, dass für sie im ewig gleichen Rad der Geschichte kein Platz ist. Anstatt es anzuhalten, zerbricht sie es. Die klassische Definition der Disruption in der Wirtschaft klingt ähnlich: Ein kleineres Unternehmen mit wenigen Ressourcen schafft es, einem mächtigen Platzhirsch erfolgreich Konkurrenz zu machen. Das geht aber eben nicht, indem man das gleiche Spiel spielt wie die größeren Mitbewerber. Man braucht ein neues.



Tyrion Lannister

Die Ereignisse von Game of Thrones geraten erst ins Rollen, als der "Irre König" Aerys II. Targaryen seinem Namen alle Ehre macht und versucht, sein Reich und seine Untertanen niederzubrennen. Er wird gestoppt, bevor er seinen Plan in die Tat umsetzen kann. Doch das Machtvakuum, das er hinterlässt, führt zu den Ränkespielen, die mittlerweile in der siebten Staffel auf den Fernsehbildschirmen zu beobachten sind.

Tyrion Lannister empfiehlt der Erbin des Irren Königs, Daenerys, immer darüber nachzudenken, dass auch sie scheitern kann. „Nur Wahnsinnige haben keine Angst vor dem Scheitern.“ Wer keine Angst davor hat, überschätzt sich schnell selbst und landet im Größenwahn. Dieser sogenannte "overconfidence bias" gilt in Westeros genauso wie in der realen Welt. In der jüngeren Vergangenheit gab es einige Beispiele, die sich mit einem möglichen Scheitern lieber vertraut gemacht hätten, bevor sie ihre ambitionierten Projekte umgesetzt hätten - etwa Air-Berlin-Chef Joachim Hunold, Drogerie-König Anton Schlecker oder VW-Patriarch Ferdinand Piech.



Tycho Nestoris

Ja, selbst in einer mittelalterlichen Fantasiewelt ist es für aufstrebende Unternehmer schwer, an Kredite zu kommen. Tycho Nestoris lehnt ein Darlehen der Eisernen Bank von Braavos für den Möchtegern-König Stannis ab. Er sieht in dem auf Blutrecht, Rache und Rechthaberei aufgebauten Feldzug des Antragsstellers kein gutes Investment. Warum? Die Zahlen geben es nicht her. „Hier sind unsere Bücher voll von Zahlen. Wir bevorzugen deren Geschichten. Sie sind einfacher, bieten weniger Spielraum für Interpretationen.“

Investmententscheidungen sollten nicht von Emotionen beeinflusst werden. Das gilt sowohl für positive als auch für vermeintlich negative Gefühle. Ignorieren sollte man seine Emotionen zwar nicht. Beobachtet man sie, geben sie Aufschluss darüber, dass einem eine Entscheidung wirklich wichtig ist. Die Fakten sollten sie aber nicht überwiegen.