Sechs Dinge, die Gründer wissen sollten

Unternehmer und solche, die es werden wollen, müssen aus der Konkurrenz herausragen, wenn sie erfolgreich sein wollen. Was Existenzgründer unbedingt beachten sollten, verrät Gastautor und Start-up-Coach Felix Thönnessen.


Seit dem 5. September ist es wieder soweit – in der vierten Staffel von „Die Höhle der Löwen“ stellen sich jeden Dienstag mehrere Startups fünf Investoren, von denen sie sich finanzielle und fachliche Unterstützung erhoffen. Ansprechpartner und Coach für die Kandidaten ist seit der ersten Staffel Felix Thönnessen. Er selbst ist Unternehmer und Start-up-Coach aus Leidenschaft. Außerdem ist er als Keynote-Speaker und Dozent seit vielen Jahren unterwegs und überzeugt, dass ein gutes Maß an Selbstreflexion und das aktive Arbeiten am Image essentiell sind. Über 1.500 Startups hat Felix Thönnessen schon betreut – hier seine wichtigsten Tipps:


1. Realistische finanzielle Einschätzung

Wie viel Geld brauche ich wirklich, um mein Vorhaben nach vorne zu bringen? Genau diese Frage sollten Gründer richtig beantworten können und dann mit den richtigen Zahlen die Investoren überzeugen. Dabei geht es nicht nur darum, wie viel Kapital zum Start notwendig ist, sondern auch wie viel, um wirklich in die schwarzen Zahlen zu kommen – und im Idealfall eben auch ein kleiner Puffer.

2. Ein außergewöhnlicher Antrieb

Motivation ist das A und O einer Selbstständigkeit. Damit ist nicht die Motivation gemeint, die zwei Wochen andauert, sondern im Idealfall für ein Leben lang. Natürlich ist das leicht gesagt und es wird immer auch Phasen geben, in denen man vielleicht sein eigenes Projekt am liebsten beendet. Aber das Feuer sollte schon brennen und nicht nur ein kleines Lodern sein.


3. Der Wille zu verkaufen

Ein erfolgreicher Vertrieb ist mindestens ebenso wichtig wie die eigene Motivation. Das Ganze kann nur funktionieren, wenn ich trotz aller erfolgreicher Ideen auch genügend Kunden gewinne. Auf Kundenfang zu gehen ist eine Eigenschaft, die man lernen kann und muss, um sein Business zum Laufen zu bringen. Früher sind unsere Großväter von Haus zu Haus gegangen und haben ihre Produkte angepriesen. Diese Fähigkeit müssen wir uns aneignen.

4. Eine feste Überzeugung

Der Mut an die eigene Idee zu glauben und daran festzuhalten, auch wenn alle anderen daran zweifeln, kann ein starker Erfolgsmotor sein. Unsere Gesellschaft braucht Visionäre – denn oft genug führen auch gesellschaftliche Veränderungen zu neuen Geschäftsideen. „So wie es ist, ist es immer am einfachsten“ – diesen Leitsatz leben viele Menschen und das ist auch völlig ok. Der Leitsatz eines erfolgreichen Unternehmers ist dies aber nicht.


5. Der Glaube an sich selbst

Gründer sollten sich bewusst sein, dass man es zwangsläufig nicht jedem recht machen kann. Es wird immer Leute geben, denen die beste Innovation oder die coolste Dienstleistung nicht gefällt. Kritik sollte immer reflektiert werden, ob man sie dann annimmt, ist eine andere Sache. So kann im Idealfall daraus gelernt werden und das Produkt oder die eigenen Eigenschaften als Gründer verbessert werden.

6. Kundenfeedback als Image-Booster und Qualitätsbarometer

Für Startups und Gründer ist es immens wichtig, in irgendeiner Form objektive Reputation zu erzeugen. Start-ups sind häufig nur ganz kurz am Markt und sie brauchen ein Siegel, um Vertrauen potenzieller Kunden zu gewinnen. Tools und Plattformen sind eine gute Möglichkeit, aktiv Kundenfeedback einzuholen, Bewertungen aus allen Quellen zu sammeln und werbewirksam zu präsentieren.

Über den Autor:

Mit seinem Diplom „Internationales Marketing“ in der Tasche macht sich der Wahl-Düsseldorfer schnell mit einer Beratungsfirma selbständig. Der Beratermarkt ist hart umkämpft, daher entschließt er sich für eine Spezialisierung im Bereich Existenzgründungen. Mit seiner Expertise wird er mehr und mehr auch als Keynote-Speaker gebucht. Mit der Vox-Reihe „Die Höhle der Löwen“ beginnt der nächste Abschnitt seiner Karriere. Seit der ersten Staffel 2014 ist Thönnessen Coach für die in der Sendung teilnehmenden Startups.

KONTEXT

Gründer: Diese Fallstricke sollten Sie meiden!

Herdentrieb als Bremse

Möchte kein Teammitglied von der gemeinsamen Meinung abweichen, weil die persönliche Bindung zueinander besonders hoch ist, kommt es laut Thorsten Reiter zum gefährlichen Herdentrieb; dieser führt zu äußerst schlechten Entscheidungsfindungen, da Ideen nicht mehr hinterfragt und keine Vorschläge gemacht werden, die den Status quo gefährden. Als Lösung rät der Experte, dessen Buch "Start up - Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen" gerade im Campus-Verlag erschienen ist, eine Person zu bestimmen. Deren Aufgabe ist es dann, die Vorschläge der anderen auseinander zu nehmen. Reiter: "Wenn diese Person oder Gruppe regelmäßig ausgetauscht wird, kann sich das Team so langsam aus dem Herdensumpf herausbewegen."

Start up - Jetzt! Endlich loslegen und es richtig machen

Die richtigen Leute zur falschen Zeit

Thorsten Reiter empfiehlt, besonders erfahrene Personen nicht unbedingt schon in der Gründungsphase ins Boot zu holen. Sie sind nicht nur teurer, aufgrund ihres großen Erfahrungsschatzes, sondern bedeuten auch eine Verschwendung von Potential. Warum? "Oft sind sie es gewohnt, bereits existierende Strukturen zu verbessern, Prozesse zu optimieren oder in neue Märkte zu expandieren, so Reiter. "Demotivation und Produktivitäsverlust können die Folge sein."

Soziale Hierarchien

Werden Ideen und Ansätze nicht nach objektiven Kriterien beurteilt, sondern basierend auf der sozialen Stellung des Vorschlagenden im Team, kann das unterm Strich genauso schädlich sein wie der Herdentrieb. Der Experte rät, die in "Aussätzigen" und in Ungnade gefallenen Personen im Team gezielt zu reintegrieren. Reiter: "Am besten ist dies möglich, indem du dir die Unterstützung des Hierachieobersten im sozialen Gefüge sicherst und diesen die soziale Rehabilitation des Aussätzigen übernehmen lässt."

Unausgeglichene Kompetenzen

Konzentrieren sich Gründer beim Besetzen ihrer Teamrollen zu sehr auf die eigenen Kompetenzen und den eigenen fachlichen Hintergrund, kommt es laut Reiter zu "Gründerteams voller Techie-Geeks oder Banden von Sales-Haien, deren Unternehmen und Produkte es niemals auf den Markt schaffen werden, geschweige denn im Markt bestehen können." Helfen könnten hier vor allem Mentoren, die tote Winkel in der Wahrnehmung von Kompetenzlücken aufdecken und eventuell sogar bei der Einschätzung vielversprechender Kandidaten helfen.

Schnäppchen auf dem Arbeitsmarkt

Eine weniger gut ausgebildete Arbeitskraft wird doch die simple Aufgabe ausreichend erledigen können? Falsch gedacht, sagt Thorsten Reiter. "Egal ob es sich um ein Unternehmen der Serviceindustrie, Gastronomie oder um die Herstellung eines Produkts handelt: Gerade die ersten Mitarbeiter können zwischen Wachstum und damit Erfolg auf der einen sowie Insolvenz und damit Misserfolg auf der anderen Seite entscheiden." Machen Sie also zu Beginn keine Schnäppchen beim Humankapital - es zahlt sich einfach nicht aus.

Fazit

Sie wollen nicht eines Tages einer Meuterei zum Opfer fallen? Dann setzen Sie sich frühzeitig mit diesen Komponenten im eigenen Team, aber auch bei Kunden und Partnern auseinander. Reiter: "Immer wenn es um die menschliche Komponente des Business geht, lernen auch erfahrenste Geschäftsleute nie aus."