Die sechs beeindruckendsten wissenschaftlichen Errungenschaften im Jahr 2021 – fernab der Pandemie

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2021 ist es Wissenschaftlern zum Beispiel gelungen, im Labor künstlich Muttermilch zu züchten. (Symbolbild)
2021 ist es Wissenschaftlern zum Beispiel gelungen, im Labor künstlich Muttermilch zu züchten. (Symbolbild)

2021 war ein weiteres wichtiges Jahr für die Coronavirus-Forschung, denn es wurden Impfstoffe zugelassen und neue Behandlungsmethoden entwickelt. Doch der Umfang der wissenschaftlichen Entdeckungen reichte über die Pandemie hinaus in andere Gesundheitsbereiche. In diesem Jahr gab es Fortschritte bei der Behandlung anderer großer und kleiner Krankheiten, von bahnbrechend bis skurril. Hier sind sechs der bemerkenswertesten Gesundheitsentdeckungen des Jahres.

Medizinische Psychedelika

Psychedelische Drogen haben sich in den vergangenen Jahren als vielversprechend für die Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen erwiesen. Im Jahr 2021 bestätigten zwei Studien den Erfolg bewusstseinsverändernder Substanzen in Kombination mit einer Therapie. Für Menschen mit posttraumatischer Belastungsstörung könnte die Partydroge MDMA demzufolge eine gewisse Linderung bringen. In einer klinischen Phase-3-Studie, deren Ergebnisse in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" veröffentlicht wurden, zeigte sich bei 67 Prozent der Patienten, die MDMA zusammen mit einer Gesprächstherapie erhielten, eine so deutliche Verbesserung, dass sie zwei Monate nach der Behandlung nicht mehr für die Diagnose infrage kamen.

Unabhängig davon ergab die größte kontrollierte Studie zu Psilocybin, dem Wirkstoff von "Zauberpilzen", dass die halluzinogene Therapie die Symptome von Depressionen lindern kann. In einer früheren Studie über Psilocybin zur Behandlung von Depressionen (April vs. November) wirkten zwei Sitzungen mit dem Psychedelikum "mindestens so gut" wie eine tägliche Dosis des Antidepressivums Escitalopram, das auch als Lexapro bekannt ist.

Ein Bluttest, der 50 Arten von Krebs erkennt

Eine neue Technologie könnte mit einer einzigen Blutabnahme frühe Anzeichen von mehr als 50 Krebsarten aufdecken. Der Galleri-Test des Biotech-Riesen "Illumina" sucht nach DNA-Fragmenten im Blut, die auf Krebs hinweisen. Diese Fragmente können auch die Lage eines Tumors mit "hoher Genauigkeit" anzeigen, was den Patienten einen Vorsprung bei der Diagnose und Behandlung verschafft.

In klinischen Studien mit Menschen, bei denen bereits Krebs diagnostiziert worden war, erkannte der Galleri-Test 51,9 Prozent der Krebsarten in jedem Entwicklungsstadium. Der Test könnte sich jedoch auch als nützlich erweisen, wenn es darum geht, Krebsarten zu erkennen, die bei regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen nicht diagnostiziert werden. Ärzte erklärten, dass der Galleri-Test und ähnliche Diagnosemethoden zwar ihre Erfolgsquote noch verbessern müssten, dass sie aber für einzelne Patienten einen echten Unterschied machen könnten. Denn es ist erwiesen, dass eine frühzeitige Diagnose die Heilungschancen bei Krebs verbessert und es den Patienten ermöglicht, die körperlichen Belastungen einer Chemotherapie zu umgehen.

Die "Flüssigbiopsie" soll innerhalb von zehn Arbeitstagen Ergebnisse liefern und soll von Gesundheitsdienstleistern zusammen mit anderen Screening-Tools bestellt werden. Obwohl die Zulassung durch die US-Gesundheitsbehörde FDA noch nicht erteilt wurde, kann man einen Galleri-Test mit einem ärztlichen Rezept in den USA für 949 US-Dollar bereits erhalten.

Die erste Behandlung für Progerie

Progerie ist eine genetisch bedingte Krankheit, die bei etwa 400 Kindern weltweit vorzeitige Alterungserscheinungen hervorruft. Bis vor Kurzem gab es keine Behandlung, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamt hätte. Die Krankheit endet im Durchschnitt nach 13 Jahren tödlich. Zokinvy, ein neues, in diesem Jahr von dem pharmazeutischen Unternehmen "Eiger Pharmaceuticals" entwickeltes Medikament, kann diese Lebensspanne um etwa 2,5 Jahre verlängern. Zokivny ist die erste und einzige von der FDA zugelassene Behandlung für das Hutchinson-Gilford-Progerie-Syndrom und wirkt, indem es die Ansammlung defekter Proteine verhindert.

Diese defekten Proteine, Progerin genannt, führen in der Regel zum Absterben von Zellen und schädigen das Herz und die Knochen. Kinder mit Progerie sterben in der Regel an Herzversagen oder Schlaganfall, so die Non-Profit-Organisation "Mayo Clinic". In klinischen Studien verlängerte Zokivny die Lebenserwartung um durchschnittlich 2,5 Jahre und reduzierte oder verzögerte das Auftreten der mit der Krankheit verbundenen Symptome. Je früher das Medikament verabreicht wurde, desto größer war der Nutzen.

Ein Implantat zur Heilung des ACL

Am vorderen Kreuzband (ACL) treten statistisch gesehen am häufigsten Knieverletzungen auf, laut einem Bericht aus dem Jahr 2016 des Gesundheitsmagazins "Journal of Clinical Orthopedics and Trauma". Die Verletzung kommt sehr häufig vor und ist für die Betroffenen sehr belastend. Die Reparatur eines gerissenen Kreuzbandes kann mehrere Operationen oder sogar eine vollständige Rekonstruktion erfordern, bei der eine gesunde Sehne für die Transplantation entfernt und an Stelle des verletzten Kreuzbandes eingesetzt werden muss.

Ein neues Knieimplantat, das vor kurzem von der FDA zugelassen wurde, kann "das Kreuzband im Grunde dazu anregen, sich selbst zu heilen", wird Martha Murray, leitende orthopädische Chirurgin am Boston Children's Hospital und Entwicklerin des BEAR-Implantats, in einer Pressemitteilung zitiert. Das Implantat, das aus Rinderkollagen und einem Tropfen Blut des Patienten besteht, überbrückt die Lücke zwischen den gerissenen Enden des Kreuzbandes. Nach einem minimalinvasiven Eingriff zum Einsetzen des Implantats könne es das Kreuzband schneller und mit besserer Patientenzufriedenheit heilen als eine Rekonstruktion, heißt es.

Eine neue Pille gegen Hefepilzinfektionen

Wissenschaftler haben vor kurzem das erste neue Antimykotikum seit mehr als 20 Jahren entwickelt, das das Wachstum von Candida, dem Pilz, der für vaginale Hefeinfektionen verantwortlich ist, hemmt. Rezeptfreie Behandlungen für Hefeinfektionen wirken in den meisten Fällen, doch hartnäckige Fälle bleiben manchmal bestehen. Eine neue Behandlung mit dem Namen Brexafemme bietet eine Abwechslung zu den bisherigen Antimykotika.

Brexafemme wirkt, indem es die Bildung einer Schutzschicht um den Pilz herum blockiert, sodass der Pilz abstirbt. Das Medikament bleibt bis zu zwei Wochen im Körper und verhindert so, dass die Infektion zurückkehrt, heißt es in einer Pressemitteilung des Herstellers. Das Medikament ist jetzt in Form von zwei Tabletten erhältlich, die von Ärzten verschrieben werden können.

Eine neue Muttermilchformel

Zwei Wissenschaftlerinnen haben in diesem Jahr eine gezüchtete Muttermilch hergestellt, die möglicherweise eine Lösung für Eltern bietet, die nicht stillen können oder wollen. Biomilq ist die erste zellgezüchtete Milch mit den Nährstoffkomponenten und der Komplexität von Muttermilch. Biomilq wird aus im Labor gezüchteten Brustzellen hergestellt, wodurch sie der echten Muttermilch sehr ähnelt. Auch wenn Biomilq einen umfangreicheren Nährstoffgehalt als Muttermilch hat, meinen die Forscherinnen nicht, dass es ein perfekter Ersatz für Muttermilch sei. Es könne weder die Ernährung der Mutter widerspiegeln noch wichtige Immunschutzfaktoren von der Mutter an das Kind weitergeben. Trotzdem könne es eine Alternative zur Milchnahrung bieten.

Die Forscherinnen haben auch erklärt, dass sie davon ausgehen, dass Biomilq in etwa drei Jahren für die Verbraucher verfügbar sein werde. Nach weiteren Forschungen und der Genehmigung durch die Regulierungsbehörden hofften sie auch, die Kosten senken zu können, um das Muttermilchprodukt finanziell erschwinglich zu machen.

Dieser Text wurde von Lisa Ramos-Doce aus dem Englischen übersetzt. Das Original findet ihr hier.

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