Sechs Anklagen wegen Massenpanik im Hillsborough-Stadion im Jahr 1989

Mehr als 28 Jahre nach der Massenpanik im englischen Hillsborough-Stadion mit 96 Toten sind sechs Verdächtige angeklagt worden. Es gebe "genügend Beweise, um sechs Personen wegen Straftaten anzuklagen", teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit

Mehr als 28 Jahre nach der Massenpanik im englischen Hillsborough-Stadion mit 96 Toten sind sechs Verdächtige angeklagt worden. Es gebe "genügend Beweise, um sechs Personen wegen Straftaten anzuklagen", teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Unter den Angeklagten sind auch vier Polizisten. Angehörige der Opfer begrüßten die Entscheidung, Premierministerin Theresa May sprach von "einem wichtigen Schritt nach vorn".

Der ehemalige Polizist David Duckenfield, der bei dem Fußballspiel im April 1989 für die Sicherheit im Stadion verantwortlich war, wurde wegen "Totschlags durch grobe Fahrlässigkeit" angeklagt. Das Fehlverhalten des Beamten habe "entscheidend zum Tod jedes einzelnen der 96 Menschen beigetragen, die so tragisch und unnötig ihr Leben verloren", hieß es von der Staatsanwaltschaft. Für den Tod des 96. Opfers könne er aber nicht wegen Totschlags verantwortlich gemacht werden, da der Mann erst knapp vier Jahre später starb.

Die anderen damaligen Beamten wurden unter anderem wegen Verletzung der Dienstpflichten und Behinderung der Justiz in der Folge des Unglücks angeklagt. Gegen den Ex-Geschäftsführer des Fußballclubs Sheffield Wednesday wurde Anklage wegen Sicherheitsmängeln im Stadion erhoben.

Vor Beginn des Halbfinalspiels des FA Cups zwischen Liverpool und Nottingham Forest im Hillsborough-Stadion im nordenglischen Sheffield hatte es am 15. April 1989 ein tödliches Gedränge gegeben. Kurz vor dem Anpfiff warteten vor dem Stadion noch tausende Liverpool-Fans auf Einlass, der Druck an den Eingangstoren stieg. Schließlich traf der Polizei-Einsatzleiter die verhängnisvolle Entscheidung, das Eingangstor zum Westblock zu öffnen. Innerhalb von Minuten strömten rund 2000 weitere Fans auf die bereits überfüllten Ränge.

Hunderte Liverpool-Fans wurden in ihrem Block durch die von außen nachdrängenden Massen gegen die Zäune am Spielfeldrand gedrückt. 96 Menschen starben, hunderte weitere wurden verletzt. Das Spiel wurde trotz des Gedränges angepfiffen und erst nach sechs Minuten gestoppt. Nur ein einziger Krankenwagen wurde dann aufs Spielfeld gelassen - Symbol für die vielen Fehlentscheidungen der Polizei an diesem Tag.

Im vergangenen Jahr hatte ein britisches Gericht geurteilt, dass es sich nicht um einen Unfall, sondern eine Folge von Fehlentscheidungen der Polizei handelte.

Premierministerin May begrüßte die Anklageerhebungen vom Mittwoch, sagte aber im Parlament, es sei "ein Tag mit gemischten Gefühlen" für die Opferfamilien. Dennoch handele es sich um "einen wichtigen Schritt nach vorn".

Barry Devonside, dessen 18-jähriger Sohn bei dem Unglück ums Leben kam, nahm gemeinsam mit anderen Angehörigen an der Anklageerhebung teil. "Alle haben geklatscht, als bekannt wurde, dass der ranghöchste Polizist an diesem einen Tag angeklagt wird", sagte er.