Sebastian Vettel über Ferrari-Jahre: "Entweder man zerbricht daran oder ..."

Ruben Zimmermann
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2015 wechselte Sebastian Vettel mit dem großen Ziel zu Ferrari, eines Tages Weltmeister mit der Scuderia zu werden. Anfang 2021 ist nach sechs gemeinsamen Jahren klar, dass Vettel dieses Ziel in seiner Zeit in Maranello nicht erreicht hat. Zweimal wurde er in diesem Zeitraum Vizeweltmeister, holte 14 Siege - aber nie den WM-Titel.

"Natürlich ist man erst mal enttäuscht, weil man das Ziel, das man sich selbst gesteckt hat, nicht erreichen konnte", gesteht Vettel im Gespräch mit 'SPORTBUZZER'. "Aber man hat am Ende nur zwei Möglichkeiten, damit umzugehen: Entweder man zerbricht daran oder man kommt stärker zurück. Die erste Option kommt für mich nicht infrage", betont er.

"Ich schaue immer nach vorne und glaube fest daran, dass es irgendwie immer weitergeht", so Vettel, der 2021 in ein neues Abenteuer bei Aston Martin startet. Geprägt sei dieses Projekt von "Neugier und der Freude auf das Neue", verrät er und erklärt: "Die Zielsetzung ist eine ganz andere, nämlich das Team nach vorne zu bringen."

Vettel bei Aston Martin: "Keine Garantien auf Erfolg"

"Ich baue da auf meine Erfahrung und auf das, was ich hinter dem Lenkrad leisten kann", erklärt Vettel im Hinblick auf seine neue Aufgabe und erinnert: "Vor allem, weil ich heute an einem anderen Punkt [in meiner Karriere] bin. An einem besseren Punkt, mit mehr Erfahrung, mit einer klareren Sicht als zum Beispiel zu meiner Zeit bei Red Bull."

"Ich erwarte für die Zukunft aber keine Garantien auf Erfolg, sondern viel harte Arbeit", ist er sich der schwierigen Aufgabe bewusst und ergänzt: "Wir müssen die Aufbruchstimmung im Team nutzen, gleichzeitig Schritt für Schritt versuchen, dem Erfolg näherzukommen. Realistisch gesehen bleibt Mercedes auch 2021 der große Favorit."

Für Vettel selbst wird es nach der schwierigen Saison 2020 auch darum gehen, neues Selbstvertrauen aufzubauen. "Wenn man selbstkritisch ist, hat man immer Zweifel", gesteht er. "Aber ich habe das Fahren nicht verlernt, sondern analysiere eher, woran es liegt, dass ich meine Fähigkeiten nicht zu hundert Prozent abrufen konnte", so Vettel.

"Natürlich steht man sich manchmal selbst im Weg. Es gibt sicher auch Dinge, die ich falsch gemacht habe. Manchmal der Zugang, manchmal die Art und Weise, wie man mit den Leuten spricht, manchmal die Dinge, die man als Priorität ansieht. So frustrierend das im Moment sein mag, gehört das meiner Meinung nach alles zum Leben dazu", verrät er.

Vettel hat bei Ferrari "viel gelernt"

Ausgerechnet seine Abschiedssaison bei Ferrari war sein mit Abstand schlechtestes Jahr in Rot. In 17 Rennen stand er lediglich einmal auf dem Podium, die WM beendete er auf einem enttäuschenden 13. Platz. Trotzdem blickt der viermalige Weltmeister auch mit einem lachenden Auge auf seine Zeit bei der Scuderia zurück.

"Was in erster Linie bleibt, sind die Beziehungen zu den Menschen", erklärt der 33-Jährige und ergänzt: "Das steht immer im Vordergrund, egal, was man im Leben macht. Diese Erfahrungen haben mich geprägt. Natürlich ist der ganz große Erfolg ausgeblieben, es gab Höhen und Tiefen. Aber beide gehören zusammen."

"Es gibt keine Höhen ohne Tiefen und keine Tiefen ohne Höhen. Gründe für das eine oder das andere gibt es genug, aber ich würde nicht sagen, dass ich irgendetwas aus dieser Zeit bereue. Im Gegenteil: Ich denke, dass ich viel gelernt habe. Nicht nur für das nächste Projekt, auch für das Leben insgesamt. Den Umgang mit Menschen vor allem", so Vettel.

"Es ist ja nicht nur auf, sondern auch neben der Strecke sehr viel passiert. Ich bin nicht mehr in den Zwanzigern, sondern in den Dreißigern, und die letzten fünf, sechs Jahre haben mich sehr geprägt", verrät er.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.