Schwundgeld, WIR und Credito

Alternativen zu den gesetzlichen Zahlungsmitteln gibt es für nahezu alle Währungen - sogar für den Schweizer Franken. Ein paar Beispiele aus dem vergangenen Jahrhundert.


Je mehr Menschen eine Geldsorte akzeptieren, desto größer ist der Nutzen für den Einzelnen, denn dann findet er viele Tauschpartner. Unter Effizienzgesichtspunkten wäre daher eine einzige Währung am besten. Dennoch hat es in fast allen Währungsräumen immer wieder Parallelwährungen gegeben. Der Grund dafür waren meist Krisen, Inflation und die Erosion des Vertrauens in das vorherrschende Staatsgeld.

Die österreichische Stadt Wörgl etwa brachte in der Weltwirtschaftskrise Anfang der Dreißigerjahre das sogenannte Schwundgeld in Umlauf. Die Scheine mussten monatlich mit einer selbst finanzierten Marke im Wert von einem Prozent des Nennwerts versehen werden, um die Kaufkraft zu erhalten. Das sollte die Menschen bewegen, das Geld schnell auszugeben und die Wirtschaft anzukurbeln.

In der Schweiz gründeten Unternehmen in der Weltwirtschaftskrise die Wirtschaftsring-Genossenschaft, die ein eigenes WIR-Geld ausgab. Es handelte sich um ein Giralgeld, das im Verhältnis 1:1 in Franken umgetauscht werden konnte. Die WIR-Konten waren zinslos und anfangs zusätzlich mit einer Gebühr belastet. Das sollte die Teilnehmer bewegen, das WIR-Geld in Umlauf zu bringen, anstatt es zu horten. Aus der Initiative entstand später die WIR-Bank, die heute als Genossenschaft firmiert und WIR-Geld durch Kredite in Umlauf bringt. An dem Geldsystem sind vor allem Gastronomen und Einzelhändler beteiligt. Den Franken konnte das WIR-Geld freilich nicht verdrängen.


In Argentinien bildeten sich Ende der Neunzigerjahre als Reaktion auf die Wirtschaftskrise Tausch-Clubs, die eine eigene Währung, den Credito, druckten, mit dem sie Transaktionen finanzierten. Weil der Credito leicht gefälscht werden konnte, kam es zu Hyperinflation. Das System scheiterte.