Schwule und Lesben wollen Segen der katholischen Kirche

Schwule und Lesben wollen Segen der katholischen Kirche

Homosexuelle haben anlässlich der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz eine Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften gefordert. Der Lesben- und Schwulenverband sei überzeugt davon, "dass auch diesen Paaren der Segen Gottes zugesprochen ist und sie um diesen Segen auch in entsprechenden Gottesdiensten der römisch-katholischen Kirche öffentlich bitten können sollten", teilte der Verband am Dienstag in Berlin mit. Die Gruppe Wir sind Kirche unterstützte die Forderung.

In einem Brief an den Vorsitzenden der Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, habe der LSVD darum gebeten, bei der Vollversammlung entsprechende Schritte für solch eine Segnung in die Wege zu leiten, erklärte Bundesvorstand Henny Engels. "Dies wäre auch ein deutliches Signal in die kirchliche und nichtkirchliche Öffentlichkeit, dass eine Diskriminierung homosexueller Menschen, ihrer Partnerschaften und ihrer Familien für die römisch-katholische Kirche inakzeptabel ist."

Innerhalb der Bischofskonferenz wird eine Segnung homosexueller Paare sehr kontrovers diskutiert. Ein entsprechender Vorstoß des Osnabrücker Bischofs Franz-Josef Bode erhielt zuletzt Widerspruch aus den baden-württembergischen Bistümern.

Die der Amtskirche kritisch gegenüber stehende Gruppe Wir sind Kirche nannte es "unchristlich und unverantwortlich", dass sich einzelne Bischöfe dem Vorstoß Bodes von vornherein verweigerten. Solch eine Haltung sei theologisch unhaltbar und werde die Entfremdung der Bischöfe von ihren Gläubigen noch weiter beschleunigen. Wir sind Kirche forderte zudem, die prinzipielle Bewertung der Homosexualität als schwere Sünde aufzuheben.

Derweil bezeichnete der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, einen Abgrenzungsbeschluss der katholischen Kirche zur AfD als sinnvoll. Sternberg begründete dies in der "Neuen Westfälischen" aus Bielefeld mit dem seiner Meinung nach unerträglich gewordenen Ausmaß rassistischer Ausfälle von AfD-Politikern. "Die AfD vollzieht eine Häutung zum Rechtsradikalismus, ihre Parolen erinnern zunehmend an den Nationalsozialismus", sagte er der Zeitung.

Wenn diese fremdenfeindlichen Töne und menschenverachtenden Äußerungen nicht aufhörten, müssten das ZdK und die Deutsche Bischofskonferenz einen klaren Abgrenzungsbeschluss zur AfD fassen, sagte Sternberg. Christlicher Glaube und rechtsextremer Rassismus seien nicht vereinbar.

Sternberg verteidigte allerdings die Entscheidung, einen AfD-Vertreter zu einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Katholikentags im Mai in Münster eingeladen zu haben. "Wir haben die kirchenpolitischen Sprecher aller Fraktionen im Bundestag eingeladen, dazu gehört nun leider auch die AfD." Noch 2016 hatte das ZdK die Einladung der damaligen AfD-Chefin Frauke Petry zum Katholikentag in Leipzig abgelehnt.