Schwimm-Bundestrainer Lambertz bekommt auch aus Wissenschaft Gegenwind

SID
Lambertz trotz schlechtester WM-Bilanz zufrieden: "Mut für die Zukunft"

Auch aus der Wissenschaft bekommt der in die Kritik geratene Schwimm-Bundestrainer Henning Lambertz Gegenwind. "Man bekommt ein hübsches Dankeschön, wenn man ihn auf Probleme hinweist, aber es gibt keine inhaltliche Diskussion", sagte Jürgen Küchler, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Angewandte Trainingswissenschaften (IAT), dem SID: "Wenn es um Dinge geht, die seinen Vorstellungen nicht zu 100 Prozent entsprechen, ist er beratungsresistent."
Küchler hatte seine Sorgen bereits im November 2016 in einem Brief an die Spitze des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) zum Ausdruck gebraucht. Laut Süddeutscher Zeitung schrieb er: "Herr Lambertz ist dabei, den Leistungssport/Schwimmen im DSV noch tiefer in die Grube zu fahren." Lambertz treffe Aussagen "nach Gefühl" statt wissenschaftlich basiert, in seinem Team versammle er "Seher" und "innovative Macher".
Auch wenn vor allem Lambertz' Kraftkonzept seitdem modifiziert und angepasst wurde, will Küchler nichts von seiner Kritik zurücknehmen. "Ich stehe auch heute noch uneingeschränkt dahinter", sagte der wissenschaftliche Mitarbeiter der Fachgruppe Schwimmen am IAT. Küchler bemängelte vor allem die fehlende Zusammenarbeit mit dem Institut: "Er hat das IAT mehr oder weniger aus dem Rennen genommen."
Trotz des zunehmenden Gegenwinds will Lambertz nicht einknicken. "Es gibt Kritik an den Dingen, die ich mache. Es gibt aber keine Gegenvorschläge, wie es besser geht. So lange ich die nicht auf dem Tisch habe, kann ich die Kritik - sorry, wenn ich das sage - nicht ernst nehmen", sagte der 46-Jährige im ARD-Radio.
Bei der WM in Budapest war es trotz der Silbermedaille für Europameisterin Franziska Hentke über 200 m Schmetterling zum Krach im deutschen Schwimmteam gekommen. Der Olympiasechste Philip Heintz lieferte sich nach seinem enttäuschenden siebten Platz über 200 m Lagen einen öffentlichen Schlagabtausch mit Lambertz. Hentke kritisierte nach ihrem größten Triumph die Nicht-Nominierung ihres Heimtrainers ins WM-Team.