"Eine der schwierigsten Aufgaben, die es gibt": Cem Özdemir über seinen neuen Posten als Landwirtschaftsminister

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Im ARD-Morgenmagazin sprach Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) über die besonderen Anforderungen seines neuen Postens. (Bild: ARD)
Im ARD-Morgenmagazin sprach Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) über die besonderen Anforderungen seines neuen Postens. (Bild: ARD)

Seit knapp zwei Wochen kleidet Cem Özdemir das Amt des Bundesministers für Ernährung und Landwirtschaft der Ampelkoalition aus. Im Morgenmagazin der ARD sprach der 55-Jährige nun über die besonderen Herausforderungen, die der Job in Zeiten von Pandemie und Klimawandel mit sich bringt.

Es war ein Akt von großer Wirkung: Als Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen) am 8. Dezember als neuer Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft vereidigt wurde, feierte er damit eine gleich doppelte Premiere. Nicht nur handelt es sich bei dem 55-Jährigen um den ersten Politiker, der es als Sohn türkischer Gastarbeiter auf einen Ministerposten geschafft hatte, sondern gleichzeitig kümmert sich nun erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik ein bekennender Vegetarier um das Wohl von Nutztieren und die Belange von Landwirten. Im ARD-Morgenmagazin am Montag sprach Özdemir nun offen über seine Pläne, aber auch über die hohen Erwartungen, die seither auf ihm lasten.

Der Posten als Landwirtschaftsminister sei "eine der schwierigsten Aufgaben, die es gibt", bestätigte Özdemir im Gespräch mit Michael Strempel: Man müsse die Interessen der Bäuerinnen und Landwirte auf der einen Seite und Ansprüche des Natur- und des Tierschutzes auf der anderen Seite zusammenzubringen. Durch ein offenes Ohr und viel Respekt gegenüber den Menschen und dem Thema will er dies nun schaffen. Im Gegensatz zu manch einem seiner Vorgänger hat Özdemir einen entscheidenden Vorteil: "Jeder weiß von mir: Ich komme nicht aus irgendeiner Lobby. Ich bin nicht vorbelastet, sondern ich kann wirklich offen auf alle zugehen."

"Die Leute sollen essen, was sie essen wollen"

Im Vorfeld hatten viele den bayerischen Politiker Anton Hofreiter (Bündnis 90/Die Grüne) als zukünftigen Landwirtschaftsminister gesehen. "Gab es inzwischen eine Möglichkeit, sich auszusprechen?", wollte Strempel von seinem Gast wissen: Hofreiter habe ihm gratuliert, erklärte Özdemir, was er "hochanständig" fände: "Wir kommen gut miteinander klar".

Die Tatsache, dass Özdemir überzeugter Vegetarier ist, verursachte im Zuge der Ernennung manche Sorge: Würde sich der Ernährungsminister nun in den privaten Speiseplan der Bürgerinnen und Bürger einmischen? "Ich habe da keinen religiösen Eifer", beruhigte der gebürtige Uracher im "MOMA": "Die Leute sollen essen, was sie essen wollen, aber sie sollen es so essen, dass wir die Natur dabei nicht zu Schaden kommen lassen." In Deutschland gebe es tolle Produkte und engagierte Landwirte, die diese herstellten: "Wir müssen aber die Bedingungen so ändern, dass dabei der Tierschutz nicht zu kurz kommt und dass wir nicht Kosten externalisieren ans Grundwasser, ans Klima, an die nächste Generation oder an die dritte Welt." Dies sei auch im Interesse der meisten Landwirte.

"Es geht, wenn alle mithelfen"

Bis 2030 sollen 30 Prozent der Landwirtschaft biologisch sein. Dies sei ein sehr ambitioniertes Ziel, wie Özdemir einräumte: "Da müssen wir an der Nachfrageseite was machen, aber dann bleibt immer noch 70 Prozent übrig. Und die 70 Prozent konventionelle Bauern, die lieben die Erde genauso wie alle anderen. Die lieben ihre Tiere genauso wie alle anderen. Auch die wollen eine gute Arbeit machen und machen das." Auch sie müssten einen Weg finden, wie ihre Landwirtschaft nachhaltig ist, wie sie von ihrer Arbeit menschenwürdig leben können und gleichzeitig die Natur nicht zu Schaden komme, so Özdemir weiter. "Ich glaube, das geht, wenn alle mithelfen. Da sind auch wir Verbraucherinnen und Verbraucher gefragt: Wie viel ist uns das wert?"

Zuletzt sprach Özdemir über die Corona-Pandemie und die Frage, ob es einen weiteren Lockdown brauche: "Wenn Sie ins Archiv schauen, dann werden Sie viele Politikeraussagen finden, die sich als falsch herausgestellt haben", sagte er zu Strempel. Am Ende hänge es an uns selbst: "Wie diszipliniert wir uns verhalten, ob wir uns vor allem impfen lassen. Ganz wichtig ist die Booster-Impfung für diejenigen, die eben können." Und alle anderen müssten darauf achten, "dass wir die anderen Regeln einhalten, also möglichst Abstand halten, schauen, dass wir große Versammlungen meiden". Dies sei natürlich "nicht so ganz einfach mit Blick auf Weihnachten", aber: "Wir können schon alle mithelfen."

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