Schwierige Verkaufsaufgabe für Olaf Scholz

Die Commerzbank kommt zwar mit dem Umbau voran, macht aber wenig Gewinn. Auch die Kosten dürften vorerst hoch bleiben. Das macht einen Verkauf der Bund-Anteile für Olaf Scholz nicht leicht.

Es gibt eine Management-Disziplin, darin ist die Commerzbank wirklich gut: Erwartungsmanagement. Die Aktie der Bank war am Donnerstag trotz durchwachsener Zahlen und einem gegenüber dem Vorjahr geschrumpften Gewinn zwischenzeitlich größter Dax-Gewinner. Über drei Prozent sprang das Papier zeitweise ins Plus, nachdem die Bank verkündet hatte, dass ihr Gewinn 2017 um 44 Prozent geschrumpft ist und nur noch bei 156 Millionen Euro liegt.

Das hat vor allem zwei Gründe: zum einen hatten Analysten einen noch kleineren Überschuss erwartet. Auch die Commerzbank selbst dämpfte im Hinblick auf ihren laufenden Umbauprozess zur "Commerzbank 4.0" immer wieder die Erwartungen. Zum anderen wird an der Börse nun mal die Zukunft gehandelt. Und da hatte die Bank ein kleines Ass im Ärmel: sie will für das Jahr 2018 wieder eine Dividende zahlen. Wie hoch die am Ende ausfallen könnte, dazu sagt Commerzbank-Chef Martin Zielke freilich nichts. "Wir sind zuversichtlich und streben an, wieder eine Dividende zu zahlen". So geht eben Erwartungsmanagement.

Was auf einem Börsenchart schön aussieht, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Commerzbank nichts anderes ist als ein Konzern im Umbau, der von einem Übergangsjahr zum nächsten wandert. Vor allem operativ läuft es in den wichtigsten Segmenten mehr schlecht als recht, noch wartet die Bank darauf, dass ihre Wachstumsstrategie auch die Erträge sprudeln lässt. Auch die Kostenquote ist noch weit von dem für 2020 ausgegebenen Zielwert entfernt.




Mit all dem wird sich in Kürze auch der neue Finanzminister Olaf Scholz (SPD) befassen müssen. Denn der Bund hält weiterhin rund 15 Prozent an der Bank und will sich langfristig von seinem Anteil trennen. Nachdem im Herbst über eine Übernahme der Bank spekuliert wurde, ist die Diskussion im Zuge der langwierigen Regierungsbildung in Berlin verebbt.

Es wäre wohl vor allem die FDP gewesen, die auf einen zügigen Verkauf der Anteile gedrängt hätte. Nun zieht mit Olaf Scholz ein Politiker mit anderem Parteibuch ein ins Finanzministerium an der Wilhelmstraße. Aber auch er wird sich über kurz oder lang mit dem möglichen Verkauf der Anteile beschäftigen müssen.




Da trifft es sich gut, dass Scholz aus seiner Zeit als Hamburger Bürgermeister über einen großen Berg an Erfahrungen in Sachen Bankenverkauf verfügt. Schließlich privatisiert er gerade zusammen mit seinem Kollegen Daniel Günther aus Schleswig-Holstein die HSH Nordbank. Aus den Verkaufsverhandlungen dürfte ihm auch US-Investor Cerberus schon bestens vertraut sein. Der bietet nicht nur für die HSH, sondern ist auch mit rund fünf Prozent an der Commerzbank beteiligt.

Bis Scholz auf seine Verkäufer-Expertise zurückgreifen kann, muss in der Commerzbank allerdings noch kräftig aufgeräumt werden. Eine To-Do-Liste für den neuen Finanzminister:



Die To-Do-Liste für den Bundesfinanzminister


1. Privatkundengeschäft

Hier feiert die Bank unter Privatkundenvorstand Michael Mandel Wachstumserfolge. 500.000 neue Kunden hat sie allein 2017 hinzugewonnen. Auch in den Vorjahren wurden mit zahlreichen Offensiven ("Neukundenbonus") Kunden gewonnen. Will Scholz die Commerzbank-Anteile aber verkaufen, müssen die auch unterm Strich Geld einbringen. Bisher allerdings liegen die Erträge auf dem Niveau des Vorjahres. Das operative Ergebnis dagegen liegt sogar 19 Prozent unter Vorjahr. Grund sind unter anderem die hohen Kosten, welche die Commerzbank für die Neukundengewinnung ausgibt. Hinzu kommen Belastungen durch die niedrigen Zinsen. Diese liegen laut Commerzbank-Finanzvorstand Stephan Engels bei rund 130 Millionen Euro. "Wir erwarten, dass diese Belastung im laufenden Jahr auf unter 100 Millionen Euro sinkt", sagt Engels.

2. Firmenkunden

Auf diesen Bereich sollte Olaf Scholz viel Wert legen, denn für viele Investoren ist die Bank vor allem aufgrund ihres Mittelstandsgeschäfts interessant. Das hat auch die alte Bundesregierung schon gemerkt. Da die Commerzbank einer der wichtigsten Exportfinanzierer in Deutschland ist, galt es zuletzt in Finanzkreisen als wenig wahrscheinlich, dass der Bund seine Anteile an einen ausländischen Investor verkaufen könnte. Auch Martin Zielke stellte das heraus. "Deutschland ist Mittelstand. Und wir sind die Mittelstandsbank", sagt der Commerzbankchef. Allerdings ist das operative Ergebnis auch im Firmenkundengeschäft 2017 deutlich gesunken. Scholz sollte also darauf achten, dass die Bank ihr Wachstumsziel von 10.000 neuen Firmenkunden bis 2020 einhält.




3. Effizienz

Wird die Bank nicht auf Kosteneffizienz getrimmt, wird kein Investor zuschlagen wollen. Zuletzt ist die Kostenquote im Vergleich zum Vorjahr sogar gestiegen. Klar, die Investitionen in Kundenwachstum und Digitalisierung kosten Geld, auch der Stellenabbau belastet die Kostenseite. Bis 2020 will die Commerzbank nur noch maximal 66 Cent ausgeben, um einen Euro zu verdienen. Noch liegt der Kostenanteil bei 77 Cent. Für dieses Jahr erwartet Finanzchef Engels "eine stabile Kostenquote mit der Tendenz zur Besserung". Als Guidance will er das aber nicht verstanden wissen. So geht Erwartungsmanagement á la Commerzbank. Scholz muss das trotzdem im Auge behalten. Investor Cerberus legt viel Wert auf Effizienz und dürfte zu gegebener Zeit den Kosten-Daumen senken.




4. Rendite

Bis 2020 peilt die Bank eine Rendite aufs Eigenkapital von netto sechs Prozent an. Davon ist sie allerdings bisher weit entfernt, aktuell liegt der Wert bei 0,6 Prozent. Als größter Aktionär sollte Scholz dringend nachhaken.

Ach ja, und natürlich das Erwartungsmanagement: hier kann Scholz viel von der Bank lernen. Wer wenig ankündigt, kann am Ende positiv überraschen. Ein erster Schritt dazu ist gemacht: im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD findet sich kein Absatz zur Beteiligung des Bundes und einem möglichen Commerzbank-Verkauf.