Schweizer Verbraucherschützer reichen für 6000 Autobesitzer Klage gegen VW ein

Im VW-Dieselskandal haben Schweizer Verbraucherschützer kurz vor Verjährung möglicher Ansprüche Schadenersatzklage für 6000 Autobesitzer eingereicht

Im VW-Dieselskandal haben Schweizer Verbraucherschützer kurz vor der Verjährung möglicher Ansprüche eine Schadenersatzklage für 6000 Autobesitzer eingereicht. Die Stiftung Konsumentenschutz (SKS) erklärte am Freitag, sie gehe von einem durchschnittlichen Schaden von 15 Prozent des Neuwertes der betroffenen Autos aus. Sie reichte daher beim Handelsgericht Zürich Klage gegen Volkswagen und gegen den VW-Händler-Verband Amag ein.

"Die beim Verkauf als umweltfreundlich gepriesenen Autos waren von vornherein überteuert", erklärte die SKS. Wegen der von VW eingeräumten Manipulationen der Abgasvorrichtungen hätten die Wagen zudem an Wiederverkaufswert eingebüßt.

VW hatte vor rund zwei Jahren nach US-Ermittlungen zugegeben, in Millionen von Fahrzeugen eine Manipulationssoftware eingebaut zu haben. Diese sorgte dafür, dass der Schadstoffausstoß bei Tests durch die Behörden zum Schein niedriger ausfiel als später auf der Straße. VW hatte sich deshalb bereiterklärt, auf eine Verjährung möglicher Gewährleistungs- und Schadenersatzansprüche zu verzichten - allerdings nur bis Ende dieses Jahres.

Die Stiftung für Konsumentenschutz eröffnet mit ihrer Klage ein "neues rechtshistorisches Kapitel", wie sie betonte. Das Kostenrisiko für eine Einzelklage gegen VW oder einen Händler sei unverhältnismäßig groß. Deshalb würden die Konsumenten auf den Rechtsweg meist verzichten - und den Schaden hinnehmen.

In der Schweiz gebe es leider keine effizienten Instrumente für kollektiven Rechtsschutz. Doch dürfe "die VW-Strategie der Verzögerung" nicht aufgehen, "daher wird geklagt", erklärte der Rechtsanwalt Alexander Amann, der das Klagekonzept für die SKS entwickelt hat.

Auch in Deutschland bemängeln Verbraucherschützer, dass eine Klage für alle vom Dieselskandal betroffenen Verbraucher nicht möglich ist. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) fordert daher die Einführung der sogenannten Musterfeststellungsklage, mit der dies möglich wäre.