Schweizer Investor will den Borsalino wieder zum Erfolg führen


Es gibt Hüte – und es gibt den Borsalino. Der kleine Hutmacher aus dem italienischen Alessandria produziert Legenden. Einst war der Borsalino der Hut von Mafia-Bossen wie Al Capone, Politikern wie Winston Churchill und Schauspielern wie Marlon Brando. Als sich Humphrey Bogart in „Casablanca“ am nebelverhangenen Flughafen von Ingrid Bergman verabschiedete, trug er dabei natürlich einen Borsalino.

Später komplettierten die Filzhüte die Outfits von Harrison Ford, Michael Jackson oder Johnny Depp.

Angesichts der prominenten Kundschaft könnte man meinen, dass sich die italienischen Hüte von selbst verkaufen. Doch der Hersteller kämpft seit Jahren mit Problemen. Der vorläufige Tiefpunkt war im Jahr 2015 erreicht, als der ehemalige Borsalino-Chef Marco Marenco wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verhaftet wurde. Nun will der Schweizer Investor Philippe Camperio die Traditionsmarke zu neuem Erfolg führen.

Der 47-jährige Genfer versuchte schon seit Längerem, sich Einfluss bei der Firma zu sichern. Bereits im vergangenen Mai hatte Camperios Fondsgesellschaft Haeres Equita für rund 18 Millionen Euro die Markenrechte erworben.

Wie italienische Medien berichten, sicherte er sich bei der Versteigerung durch das Gericht nun auch die Vermögenswerte: Rund 6,4 Millionen Euro zahlte er für Maschinenpark, die Verträge mit den Mitarbeitern und die Rechte an den Borsalino-Geschäften.

Die berühmten Hüte werden meist aus der Unterwolle von Hasen und Bibern gefertigt. An dem Prozess hat sich nur wenig geändert, seit Giuseppe Borsalino 1857 den Grundstein für die Firma legte.

Borsalino hatte sein Elternhaus bereits als Jugendlicher mit 13 Jahren verlassen und die Kunst des Hutmachens in Frankreich gelernt. Als 24-Jähriger eröffnete er eine Hinterhofwerkstatt in der Via Schiavina von Alessandria. Bei seinem Tode im Jahre 1900 hinterließ er ein florierendes Unternehmen, auch weil er sehr früh schon Maschinen einsetzte. Doch seine Nachfahren taten sich mit dem Erhalt der Familientradition schwer.


Auch geschicktes Marketing konnte den Niedergang nicht abwenden: Im Jahr 1920 verkaufte Borsalino rund zwei Millionen Hüte, zuletzt waren es nur noch rund 150.000. Der Umsatz soll im vergangenen Jahr bei lediglich 17 Millionen Euro gelegen haben. Nun will der Genfer Investor Camperio die Traditionsfirma wieder zum Erfolg führen und denkt offenbar sogar über einen Börsengang nach.

Noch verkauft Borsalino jeden zweiten Hut in Italien, in Zukunft soll das Ausland kräftig an Bedeutung gewinnen. Camperio setzt auf kaufkräftige Kundschaft in Japan, den USA und China. Auch das Onlinegeschäft will Camperio forcieren. Die Erwartungen sind offenbar groß. Andererseits: Ob Humphrey Bogart seinen Borsalino heute wohl im Netz bestellen würde?