Schweizer Gletscher gibt zwei Leichen frei - Paar wurde seit 75 Jahren vermisst

Die beiden Leichen waren vollständig konserviert

In den Schweizer Gletscheralpen sind die mumifizierten Leichen eines seit 75 Jahren vermissten Ehepaars gefunden worden. Wie am Dienstag bekannt wurde, lagen die beiden vollständig konservierten Toten dicht beieinander - neben ihnen Rucksäcke, eine Flasche, ein Buch und eine Uhr. Die Kinder des Paares können nun endlich Abschied nehmen.

Ein Angestellter des Skigebiets Glacier 3000 entdeckte die Leichen am Donnerstagabend bei einer Kontrollfahrt mit dem Pistenbully in mehr als 2600 Meter Höhe in der Nähe eines Skilifts auf dem Tsanfleuron-Gletscher. Dieser gehört zum Diablerets-Massiv im Süden des Landes. Nach Angaben des Geschäftsführers von Glacier 3000, Bernard Tschannen, trugen der Mann und die Frau Kleidung aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Tschannen vermutete, dass das Paar in einen Gletscherspalt fiel - erst Jahrzehnte später gab der Gletscher die beiden Leichen infolge der Klimaerwärmung frei. Die Polizei will die Toten nun mithilfe einer DNA-Analyse identifizieren.

Die 86-jährige Marceline Gautschy ist allerdings auch ohne endgültigen Beweis der festen Überzeugung, dass es sich um die sterblichen Überreste ihrer Eltern handelt. Marcelin Dumoulin, ein Schuhmacher, war damals 40 Jahre alt, seine Frau Francine, eine Lehrerin, 37. Sie seien am 15. August 1942 von ihrem Dorf Chandolin im Kanton Wallis zu einer Bergwanderung aufgebrochen, sagte die damals elfjährige Tochter der beiden der Nachrichtenagentur AFP.

Das Paar hatte am selben Abend zurückkehren wollen, tauchte aber nie wieder auf. Nach zweieinhalb Monaten vergeblicher Suche wurden die sieben Kinder des Paares - zwei Töchter und fünf Söhne - in Pflegefamilien gegeben.

Die Geschwister hätten ihr Leben damit verbracht, ihre Eltern zu suchen, sagte die zweite Tochter, Marceline Udry-Dumoulin der Zeitung "Le Matin" - sie war zum Zeitpunkt des Verschwindens ihrer Eltern vier Jahre alt. Sie habe nicht mehr daran geglaubt, dass ihre Eltern eines Tages doch noch bestattet werden könnten.