Schweizer backen deutsche Brötchen

Rund 190 Millionen Euro lässt sich der Schweizer Kioskbetreiber Valora die Übernahme der Lebensmittelkette BackWerk kosten. Wenn die Kartellbehörde zustimmt, soll der Deal im vierten Quartal über die Bühne gehen.


Die Schweiz ist ein kaltes Land – jedenfalls dann, wenn es ums Gebackene geht: „In Deutschland haben sie einen größeren Anteil an wärmeren Snacks“, sagt Valora-Manager Thomas Eisele. Und doch wagt sich der schweizerische Handelskonzern ans deutsche Brötchen-Business. Er übernimmt die Essener Bäckereikette Backwerk für rund 190 Millionen Euro vom schwedischen Finanzinvestor EQT.

Die Backwerk-Selbstbedienungsfilialen gehören inzwischen zu vielen deutschen Fußgängerzonen wie Deichmann und H&M. Im Jahr 2001 gegründet, betreibt Backwerk in Deutschland inzwischen rund 300 Filialen mit 220 Franchise-Unternehmern. In den vergangenen Jahren ist das Filialnetz kräftig gewachsen. Backwerk will dabei weg vom Image des Billigheimers. Früher waren die Aufbackbrötchen gefragt, heute ist es „Feel Good Food“: Inzwischen werden 75 Prozent der Umsätze mit höherwertigen Snackprodukten, aber auch mit Kaffee erzielt.

Hoffen auf Synergien

Der Verkauf von Schrippen, belegten Brötchen und Kaffee lohnt sich: Backwerk rechnet in diesem Jahr mit einer operativen Umsatzrendite (Ebitda-Marge) von 26 Prozent. Mit seinen insgesamt rund 3 000 Beschäftigten erlöste Backwerk im vergangenen Jahr rund 200 Millionen Euro. Dem Unternehmen hilft dabei, dass sich immer mehr Menschen unterwegs mit Snacks eindecken.


Von diesem Trend wollen auch die Schweizer profitieren. Dabei setzt Valora auf Synergien in einstelliger Millionenhöhe. „Die Akquisition macht uns zum führenden Snackanbieter in Deutschland“, sagt Valora-Chef Michael Müller. Das bisherige Backwerk-Management soll dabei an Bord bleiben. Wenn das Bundeskartellamt zustimmt, soll der Zukauf im vierten Quartal vollzogen werden.

Finanzieren wollen die Schweizer die Expansion mit einer Mischung aus Eigen- und Fremdmitteln. Dazu ist eine Kapitalerhöhung über rund 150 Millionen Franken (131 Millionen Euro) geplant, der die Aktionäre der Valora auf einer außerordentlichen Hauptversammlung im November ihren Segen geben sollen.

An der Börse wurde die Übernahme positiv aufgenommen. Der Zukauf sei „ein sehr positiver Schritt“, urteilt Analyst René Weber vom Bankhaus Vontobel. Valora hat eine mehrjährige Konsolidierungsphase hinter sich. Im Jahr 2012 hatten die Schweizer die Snack-Ketten Ditsch und Brezelkönig übernommen. Anfang des Jahres griffen die Schweizer nach dem amerikanischen Brezelhersteller „Prezel Baron“.


Die Backwerk-Übernahme soll dem Konzern nun einen weiteren Schub verschaffen – und das nicht nur in Deutschland, sondern auch in den Niederlanden, Österreich und Slowenien. Auch in der Schweiz will Backwerk expandieren. Ein erster Versuch, dort Fuß zu fassen, war bislang nicht von Erfolg gekrönt – doch diesmal soll es mit Hilfe des neuen Eigentümers klappen.

Valora-Manager Eisele gibt sich jedenfalls optimistisch: „Wir werden das Konzept und das Sortiment anpassen.“ Mögen die Geschmäcker in Deutschland und der Schweiz auch verschieden sein, gegessen wird überall.