Schweizer Börse will Tafelsilber verkaufen


Ihren Freitagmorgen dürften sich die Mitarbeiter der Schweizer Börse Six anders ausgemalt haben: Um 9 Uhr lud Verwaltungsratschef Romeo Lacher zum Townhall-Meeting, um die Belegschaft über einen drastischen Umbau zu informieren.

Das Kartengeschäft, das bei den Schweizern den größten Teil zum Umsatz beiträgt, soll aus dem Konzern herausgelöst und in eine strategische Partnerschaft eingebracht werden. Ab dem kommenden Jahr soll zudem der Niederländer Jos Dijsselhof den Chefposten bei der Börse übernehmen. Auch die Struktur des Konzerns wird verändert. In Zukunft wolle sich die Börse „konsequent auf Dienstleistungen für ihre Aktionäre und den Finanzplatz Schweiz in den Bereichen Wertschriftengeschäft, Zahlungsverkehr und Finanzinformationen konzentrieren“, teilte Six am Freitag mit.

Für die Börse ist es der größte Umbau seit ihrer Gründung im Jahr 2008. In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters erklärte Lacher, es gehe darum „Six dynamischer und beweglicher zu machen“. Der Verwaltungsrat habe sich einstimmig für den Vorschlag ausgesprochen. Die Börse gehört 130 Schweizer Banken. Die vertreten zwar teils unterschiedliche Interessen, haben aber einer Gemeinsamkeit: Sie freuen sich über Dividenden von dem Börsenbetreiber.


Die wohl größte Veränderung betrifft das Kartengeschäft. Das so genannte „Merchant Acquiring“ und die internationale Kartenverarbeitung werden aus der Kernorganistion herausgelöst. Die Börse will nun Gespräche mit möglichen Interessenten aufnehmen. „Wir sind bereit, die Mehrheit am Kartengeschäft abzugeben“, sagte Verwaltungsratschef Lacher.

Damit trennt sich die Six von einem Teil ihrer bislang umsatzstärksten und lukrativsten Sparte. Der Bereich „Payment Services“ kam im vergangenen Jahr insgesamt auf 880 Millionen Franken Umsatz und knapp 92 Millionen Franken Gewinn vor Steuern (EBIT).


Doch das ist nicht die einzige Änderung: Der Wertpapierhandel und die Wertpapierabwicklung, die bislang organisatorisch getrennt waren, sollen zusammengelegt werden. Außerdem will die Six ein „Kompetenzzentrum“ für den Zahlungsverkehr aufbauen, das Datengeschäft forcieren und Innovationen mit einem Venture-Fonds vorantreiben.

Mit dem Niederländer Jos Dijsselhof hat die Börse zudem endlich einen neuen CEO gefunden, nachdem der bisherige Chef Urs Rüegsegger im Mai 2017 seinen Rücktritt verkündet hatte. Dijsselhof war früher als operativer Chef für die Mehrländerbörse Euronext tätig und soll im Januar seine neue Stelle in Zürich antreten.