Schweden leitet Abkehr von lockerer Geldpolitik ein


So richtig festlegen wollte sich Stefan Ingves nicht und wählte am Mittwoch einen Mittelweg: Der schwedische Zentralbankchef kündigte wie erwartet zwar an, dass das Wertpapierkaufprogramm nicht über das Jahresende hin verlängert wird. Allerdings will er die quantitative Lockerung der Geldpolitik (QE) nicht vollends aufgeben. Denn die Beträge aus auslaufenden Anleihen und die Zinseinnahmen aus bestehenden Verträgen sollen reinvestiert werden. Bereits im Januar 2018 will Ingves mit den Reinvestitionen beginnen.

Dieses Programm soll bis ins erste Halbjahr 2019 fortgesetzt werden, erklärte die Zentralbank in Stockholm. „Das bedeutet, dass die Zentralbank 2018 und Anfang 2019 zeitweise ihren Besitz von Staatsobligationen steigern wird“, erklärte Ingves. Der Beschluss fiel nicht einstimmig. Zwei Mitglieder des Direktoriums wollten die Reinvestitionen erst zu einem späteren Zeitpunkt einleiten. In einer schriftlichen Stellungnahme teilte die Zentralbank mit, dass sie lockere Geldpolitik jederzeit wieder aufnehmen kann, sollte das Inflationsziel von zwei Prozent in Gefahr sein.

Während die Europäische Zentralbank (EZB) die Anleihekäufe bis September kommenden Jahres halbieren will, wählen die Schweden also den Weg der vorsichtigen Abkehr von ihrer bisherigen Politik. Die Zentralbank hatte die Anleihenkäufe 2015 begonnen. Mit einem negativen Leitzins von zunächst 0,25 Prozent und mittlerweile minus 0,5 Prozent sowie einem Anleihe-Kaufprogramm mit einem Volumen von damals rund zehn Milliarden Kronen (1,1 Milliarden Euro) sollte die Inflation angekurbelt werden.

Ingves wollte auch die Anleiherenditen senken und die Krone schwächen. Doch daraus wurde zunächst nichts: Die Anleihekäufe verschlechterten die Liquidität im Markt, und die Inflation lag weiterhin deutlich unter dem Zweiprozentziel der Zentralbank. Zuletzt allerdings kam die Zentralbank ihrem Ziel dennoch näher: Die Inflation liegt derzeit bei rund 1,9 Prozent und befindet sich damit im Zielbereich der Reichsbank. Auch die Krone verlor gegenüber dem Dollar und dem Euro deutlich an Wert. Nach der Entscheidung der Zentralbank legte die schwedische Währung um 0,5 Prozent auf 9,91 Kronen für einen Euro zu.

Die Ankündigung eines langsamen Ausstieg aus den Anleihekäufen kam nicht überraschend. Allerdings schlägt die älteste Zentralbank der Welt mit ihrer Entscheidung einen riskanten Weg ein. Denn sie muss angesichts einer auf Hochtouren laufenden Wirtschaft und einer Inflation nahe dem Zielbereich verhindern, dass die Krone zu stark wird. Das würde die exportorientierte Wirtschaft des Landes schwer treffen.

Die schwedische Währung hat gegenüber dem Euro und dem Dollar in den vergangenen drei Monaten deutlich an Wert verloren. Insofern könnte der Schritt der Zentralbank zum richtigen Zeitpunkt gekommen sein, meinen einige Analysten. Der Fall der Krone begann im Spätherbst, da die Furcht vor einer Korrektur des schwedischen Immobilienmarktes gewachsen war. Erstmals seit vielen Jahren sind die Preise für Wohnungen und Häuser in den Großstadtregionen leicht gefallen.

Die nordeuropäische Großbank Nordea ist skeptisch, ob das der Plan der Zentralbank aufgeht. Analysten der Bank fürchten, dass die Inflation wieder unter den Zielbereich von rund zwei Prozent fallen könnte. Auch sehen sie die Gefahr, dass die Furcht vor weiter fallenden Immobilienpreisen den schnellen Rückzug aus der lockeren Geldpolitik erschweren könnte.

Mit der Entscheidung der Notenbank verlagert sich der Fokus wieder auf die künftige Zinspolitik. Zentralbankchef Ingves kündigte am Mittwoch an, die Minuszinsen von 0,5 Prozent vorerst beizubehalten. Erst „Mitte 2018“ sei mit einer Anhebung des Leitzinses zu rechnen, teilte die Zentralbank mit. Analysten glaubten am Mittwoch allerdings nicht, dass die Zinsanhebungen bereits Mitte kommenden Jahres, sondern vielmehr erst im dritten Quartal 2018 beginnen werden. Die Zentralbank geht in den kommenden zwei Jahren von einer starken Konjunktur in Schweden aus. Die Inflation dürfte sich nach ihrer Prognose im kommenden Jahr bei rund zwei Prozent einpendeln. In diesem Bereich werde sie auch 2019 und 2020 liegen, urteilt die Bank.