Schwangeres Dienstmädchen wegen Diebstahl verurteilt – Jury zahlt die Strafe

Ohne Verurteilung kam Sandra Mendez Ortega zwar nicht davon, dennoch hatte sie Glück mit einer äußerst milden Jury. (Bild: Screenshot / Fairfax County Sheriff’s Office)

Ein 18-jähriges Dienstmädchen wurde im US-amerikanischen Virginia wegen schwerem Diebstahl verurteilt – mit ungewöhnlicher Wendung: Die Jury beschloss, ihre Strafe aus eigener Tasche zu bezahlen.

Wie unter anderem die „Washington Post“ berichtete, wurde Sandra Mendez Ortega wegen Diebstahls dreier Ringe im Wert von rund 5000 Dollar (ca. 4230 Euro) verurteilt. Die Ringe hatte sie einer Frau, deren Haus sie putzte, entwendet und diese zurückgegeben, nachdem sie von der Polizei befragt wurde.

Mendez Ortega wurde zu 60 Dollar Strafe verurteilt – der Summe, die ihrem Tageslohn als Dienstmädchen entspricht. Bemerkenswert ist der weitere Verlauf der Geschichte. Wie die US-amerikanische Zeitung berichtete, hatte die Jury Mitleid mit der schwangeren Frau. Der Konsens der Juroren: Die Frau habe einen dummen, jugendlichen Fehler begangen. Mendez Ortega kam um die bereits verhältnismäßig geringe Strafe herum – denn die Jury zahlte sie aus eigener Tasche.

„Das allgemeine Gefühl war, dass sie selbst ein Opfer war“, zitierte die „Washington Post“ den Sprecher der Geschworenen, Jeffrey Memmott. „Zwei der Frauen weinten, weil sie sich so schlecht fühlten. Eine Frau zog einen 20-Dollar-Schein aus ihrer Tasche – und alle anderen taten das auch.“ Memmott kontaktierte ihren Strafverteidiger und brachte ihr die Spende der Jury, insgesamt 80 Dollar, nach Hause. 20 Dollar mehr, als gefordert.

Eine andere Jurorin, Janice Woolridge, erklärte: „Wir mussten Gerechtigkeit walten lassen“. Deshalb musste man sich auf eine Verurteilung einigen. „Aber man muss auch Mitgefühl haben. Junge Leute treffen manchmal dumme Entscheidungen.“ Der Anwalt von Mendez Ortega, Michael C. Cash, hatte den Richter indes gebeten, von einer Verurteilung oder einer Strafe abzusehen.

Lesen Sie auch: Frau bekommt Baby auf der Straße und sucht ihre Geburtshelfer im Netz

Wenig begeistert von der Großzügigkeit der Jury zeigte sich allerdings die Bestohlene, eine Frau namens Lisa Copeland. „Ich hoffe, sie stecken niemals in meinen Schuhen“, sagte Copeland über die Jury – und gab an, dass Mendez Ortega niemals Verantwortung für den Diebstahl übernommen habe. „Wenn sie dafür Verantwortung übernommen hätte, wäre all das für mich in Ordnung. Dadurch, dass sie das aber nicht getan hat, fühlt es sich falsch an.“

Copeland hatte im September 2015 bemerkt, dass ihr Ehe- und ihr Verlobungsring – letzterer ist ein Familienerbstück – fehlten. Erst als die Ringe bei der Polizei abgegeben wurden, bemerkte sie, dass auch ein dritter Ring gefehlt hatte.

Schlechtes Gewissen kam spät

Die Polizei befragte drei Dienstmädchen, die bei Copeland arbeiteten. Alle drei stritten die Vorwürfe ab. Nach der Polizeibefragung aber, so die „Washington Post“, plagte Mendez Ortega das schlechte Gewissen. Sie gab gegenüber der Polizei den Diebstahl zu und gab die Ringe zurück.

Die Polizei verpflichtete sie zudem dazu, einen Entschuldigungsbrief zu schreiben. Diesen habe Copeland allerdings nie gesehen, so die Bestohlene.

Mendez Ortegas Anwalt zeigte sich begeistert: „Ich freue mich sehr, dass die Jury Mitleid für meine Klientin hatte und ihr halfen, obwohl sie sie für schuldig befunden hatten. Ich denke, die Jury konnte den Fall als das sehen, was er auch wirklich ist: Ein Teenager, der niemals davor Ärger gemacht hat und eine wirklich schlechte Entscheidung traf, aber es dann wieder gutzumachen versuchte, als ihr Gewissen mit ihr durchging.“

Klicken Sie sich durch die dümmsten Verbrecher der Welt.

Im Video: Dieb klaut Weihnachtsbaum – und alles andere