Die schwachen Goldmänner


Goldman Sachs Asset Management ist in diesem Jahr der größte Verlierer unter den Fondsgesellschaften. Nach Angaben der Financial Times beziffert die Ratingagentur Morningstar die Nettoabflüsse global auf 26,7 Milliarden Dollar. Deutlich dahinter mit etwa der Hälfte der Abflüsse rangiert die US-Gesellschaft Federated Investors.

Das kommt für Goldman Sachs zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Das Finanzhaus will seine Anlagesparte eigentlich voranbringen. Damit sollen die schlechter laufenden klassischen Sparten wie Investmentbanking und Handel abgefangen werden.


Im vergangenen Jahr hatte Goldman in der Anlagesparte die Kostenschraube bei den internen Ausgaben angezogen. Außerdem wurden Teile des Hedgefonds-Geschäftes in London geschlossen. Das beeinträchtigte laut Branchenbeobachtern das Ansehen der Goldman-Anlagesparte in Europa.

Laut den Morningstar-Daten ist der Minussaldo den Abgaben von Geldmarktfonds zuzuschreiben. Auch im Heimatmarkt USA ist die Fondssparte von Goldman einer der großen Anbieter dieser Produkte, die vor allem von institutionellen Investoren als Parkplatz für Liquidität genutzt werden. Seit vergangenem Jahr gelten auf diesem Feld neue Anlageregeln zur Stärkung des Anlegerschutzes.

Dessen ungeachtet müssen neben Goldman auch andere bekannte Asset-Manager mit Abflüssen kämpfen. Federated kommt auf Abzüge von 14 Milliarden Dollar. Ebenso zweistellig sind die Mittelabflüsse in diesem Jahr bei weiteren großen US-Häusern: Fidelity, Morgan Stanley und Franklin Templeton.

Die Verzerrung der Daten durch die für Liquiditätszwecke eingesetzten Geldmarktfonds verdeckt dennoch nicht die zugrunde liegende Schwäche der Branche. Die aktiven Verwalter, die mehr Ertrag liefern wollen als nur eine Marktrendite, leiden unter dem Wechsel von Anlegern in preiswerte Indexprodukte.


Zu diesen aktiven Verwaltern zählen ausdrücklich Goldman Sachs Asset Management mit einem verwalteten Kapital von 1,4 Billionen Dollar oder auch Franklin Templeton. Die steigenden Zinsen und die Hoffnung auf noch höhere Sätze in den USA beispielsweise locken manche Anleger in andere Produkte.

Neben dem Wechsel der Anleger in Indexprodukte leiden die aktiven Manager auch unter Gebührendruck bei ihren klassischen Produkten. Das bestätigt Kevin Clifford, Chef der großen Anlagefirma Capital Group: „Wir können das jeden Tag in den USA beobachten, und das werden wir in Europa auch erleben.“