Schwache Inflation dämpft Hoffnung auf baldige Zinserhöhung


Trotz massiver Geldspritzen der EZB hat sich die Inflation in der Euro-Zone zum Jahresstart leicht abgeschwächt. Die Teuerungsrate sank im Januar auf 1,3 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Mittwoch in einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten dies erwartet. Im Dezember waren es noch 1,4 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt als optimalen Wert für die Wirtschaft knapp zwei Prozent an.
Die schwache Preisentwicklung ist derzeit das größte Hindernis für einen rascheren Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der EZB. Die Euro-Wächter pumpen seit fast drei Jahren über den Kauf von Anleihen enorme Geldsummen in das Finanzsystem, um für mehr Inflation zu sorgen. Im Zuge der jüngsten Konjunkturerholung wurde das monatliche Kaufvolumen auf 30 Milliarden Euro halbiert. Die Käufe sollen noch bis mindestens Ende September laufen. Wie es danach weiter geht, hängt entscheidend davon ab, wie sich die Inflation entwickelt, hatte EZB-Chevolkswirt Peter Praet am Montag unterstrichen. Die Notenbank werde die Transaktionen erst beenden, wenn sie noch stärker von einem Anziehen der Inflation überzeugt sei.


Die aktuellen Zahlen nähren jedoch Zweifel. „Noch immer gibt es keine Anzeichen für einen stärkeren unterliegenden Preisauftrieb“, schreibt Commerzbank-Ökonom Christoph Weil in einer Analyse. Zwar sei die um besonders schwankungsanfällige Preise für Energie und Lebensmittel bereinigte Kerninflation leicht auf 1,0 Prozent gestiegen. Eine Trendwende sei dies angesichts des weiterhin schwachen Lohnauftriebs allerdings nicht.
EZB-Präsident Mario Draghi dämpfte jüngst Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Nullzinspolitik der Notenbank. „Auf Basis der heutigen Daten und Analysen sehe ich sehr wenig Chancen, dass die Zinsen in diesem Jahr steigen könnten.“ Energie verteuerte sich im Euro-Währungsraum zum Jahresstart weniger stark als im Dezember. Sie kostete 2,1 Prozent mehr als im Januar 2017. Im Dezember waren es noch 2,9 Prozent. Die Preise für Lebensmittel, Alkohol und Tabak zogen diesmal um 1,9 Prozent an. Dienstleistungen verteuerten sich um 1,2 Prozent.
Auch in Deutschland hatte sich der Anstieg der Verbraucherpreise zum Beginn des Jahres weiter verlangsamt. Im Januar lag die Jahresteuerungsrate bei 1,6 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag anhand vorläufiger Daten in Wiesbaden mitteilte. Im Dezember waren es noch 1,7 Prozent.