Schwache Inflation bremst Ausstieg der EZB

Die Preisentwicklung im Währungsraum bleibt schwach. Das dürfte innerhalb der EZB die Stimmen stärken, die für einen eher langsamen Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik eintreten.


Notenbanker brauchen derzeit viel Geduld. Seit Jahren versucht die Europäische Zentralbank (EZB) die Inflation im Euroraum mit fast allen Mitteln in den von ihr angestrebten Bereich von knapp zwei Prozent zu treiben. Bisher vergebens.
Auch im September bleibt die Inflation im Euroraum niedrig. Die Verbraucherpreise stiegen um 1,5 Prozent zum Vorjahresmonat, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Die Kerninflation, bei der die stark schwankenden Lebensmittel- und Energiepreise ausgeklammert werden, ist sogar auf 1,1 Prozent zurückgegangen.


Das dürfte innerhalb der EZB die Stimmen derjenigen stärken, die für eine nur langsame Anpassung des geldpolitischen Kurses der Notenbank eintreten. Derzeit kauft die EZB jeden Monat für 60 Milliarden Euro Anleihen der Euro-Länder, um die Inflation in Richtung des EZB-Ziels von knapp zwei Prozent zu treiben.

Auf ihrer nächsten Sitzung im Oktober will die Notenbank über die Zukunft der Anleihekäufe im kommenden Jahr entscheiden. Viele Experten rechnen damit, dass die Notenbank die Käufe ab 2018 reduziert. Hierfür spricht vor allem der bessere Wirtschaftsausblick für die Euro-Zone. EZB-Präsident Mario Draghi hatte diese Woche vor dem Europaparlament betont, dass der wirtschaftliche Aufschwung inzwischen eine sehr breite Basis in allen Mitgliederländern habe. Die Arbeitslosigkeit im Währungsraum sei auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren gefallen, und seit 2013 seien fast sieben Millionen neue Jobs geschaffen worden.


Allerdings wirkt sich der Aufschwung bislang kaum auf die Preisentwicklung aus. Draghi gab sich vor dem Europaparlament optimistisch, dass sich das ändert. „Insgesamt werden wir zuversichtlicher, dass die Teuerung letztlich im Einklang mit unserem Inflationsziel steigt“, sagte er.

Der EZB-Präsident hat aber seine Kommunikation zuletzt angepasst. Lange hatte er betont, die Notenbank müsse ihr Inflationsziel „ohne unangemessene Verzögerungen“ erreichen. Inzwischen verweist er darauf, dass hierfür „Ausdauer und Geduld“ nötig seien. Dahinter steht nicht zuletzt die Sorge, dass die Inflation gleich wieder sinkt, wenn die Notenbank zu früh den Fuß vom Gas nimmt.