Bayerns große Baustelle

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Bayerns große Baustelle
Bayerns große Baustelle

Mit dem 5:2-Sieg bei Union Berlin hat der FC Bayern zumindest ein Stück weit Wiedergutmachung betreiben für die 0:5-Klatsche im DFB-Pokal bei Borussia Mönchengladbach.

Doch auch dieser Erfolg in der Bundesliga täuschte nicht darüber hinweg, dass bei den Bayern derzeit nicht alles nach Wunsch läuft. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Thomas Müller fasste das Ergebnis nach dem Spiel ungewöhnlich, aber treffend als „ein hart umkämpftes 5:2″ zusammen.

Die Frage der Reporterin, was passiert wäre, wenn Union zu Beginn des Spiels nicht so unkonzentriert agiert hätte, bügelte der Bayern-Star zwar mit Verweis auf zu viele Konjunktive ab. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Doch so ungefährdet wie es das Resultat aussagt, war der Sieg tatsächlich nicht. Denn die Bayern mussten trotz mehrfacher, hoher Führung bis in die Schlussphase hinein um die drei Punkte zittern.

Union-Boss hadert mit „Millimetern“

Union war häufig drauf und dran, das Spiel noch einmal richtig spannend zu machen. Am ehesten kurz vor Pause, als Sheraldo Becker bei seinem vermeintlichen Tor zum 2:3 im Abseits stand. „Das war wirklich nur um Millimeter Abseits“, sagt Unions Geschäftsführer Profifußball Oliver Ruhnert im STAHLWERK Doppelpass auf SPORT1.

Auch nach der Pause ließen sich die Bayern viel zu häufig in die eigene Hälfte drängen und mussten sich bei Manuel Neuer bedanken, dass die Berliner sie nicht in noch größere Schwierigkeiten brachten. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Innerhalb von zehn Minuten musste der Nationaltorhüter viermal den drohenden Anschlusstreffer verhindern. Wäre den Unionern in dieser Phase zumindest ein Treffer gelungen, „wäre das noch mal interessant geworden“, findet Ruhnert.

Stanisic in der Kritik

Viele Szenen in dieser Phase, in denen die Bayern-Abwehr alles andere als sattelfest wirkte und den Gegner immer wieder zu Chancen kommen ließ, erinnerten an das Pokal-Debakel vom vergangenen Mittwoch.

Ein Unterschied: Gladbach schlug eiskalt zu. Und: War es in Gladbach noch Dayot Upamecano, der eine unterirdische Leistung bot, musste in Berlin Josip Stanisic viel Kritik einstecken.

Kurz vor der Pause war der 21-Jährige, der Benjamin Pavard in der Startelf ersetzt hatte, mit einem Stellungsfehler maßgeblich am ersten Gegentor der Bayern beteiligt.

Effenberg: Bayern fing an zu wackeln

„Stanisic muss in den Ball reingehen, dann kann er ihn mit der Brust zum Torwart zurücklegen“, monierte SPORT1-Experte Stefan Effenberg. „Durch diese Situation kam Union wieder und sie fingen an zu wackeln. Das darf Bayern München nicht passieren.“ Effenberg relativierte aber auch: „Sie hatten Schwächen drin, aber am Ende absolut verdient gewonnen.“

Für Stanisic selbst jedoch blieb der Fehler vor dem ersten Gegentor nicht der einzige. Kurz nach der Pause leitete er mit einem Fehlpass die fulminante Viertelstunde der Unioner ein, die erst mit dem 4:1 durch Kingsley Coman beendet wurde.

Doch auch dieses Tor brachte nicht die nötige Ruhe in die Defensive des Tabellenführers. Nach langem Pass auf Kevin Behrens kam Niklas Süle nicht hinterher, ließ ihn flanken – und der eingewechselte Julian Ryerson traf zum 2:4.

Bayern hinten anfällig

Dass die Bayern dann durch Müller noch zum Endstand trafen, spricht für die starke Offensive. Die steht zusammen mit Torwart Neuer für die Stärken des Teams von Julian Nagelsmann. Aber die Leistungen des Teams sind eben auch geprägt durch die immer wieder anfällige Verteidigung.

Das war schon unter Hansi Flick so, und auch Nagelsmann und dessen Assistenten um Dino Toppmöller - schließlich fehlte der Bayern-Trainer zuletzt coronabedingt an der Seitenlinie - können sie nicht immer ausmerzen.

Schon zum dritten Mal in dieser Bundesliga-Saison (nach Köln und Frankfurt) kassierten die Bayern zwei Gegentore, im Pokal kamen fünf gegen Gladbach dazu.

Das ist der Plan gegen die Bayern

Die meisten Tore fielen dabei, wenn der Gegner die Bayern aggressiv anläuft und entweder in die Schnittstellen oder hinter die aufgerückte Abwehrkette spielt.

Auch schnelle Kombinationen mit wenigen Kontakten bringen den Serienmeister ins Schwimmen. Das haben nach den Gladbachern auch die Berliner zumindest phasenweise demonstriert.

Deshalb bleibt für Nagelsmamn nach seiner für diese Woche angekündigten Rückkehr aus der Corona-Isolation mehr Arbeit zu tun, als er es sich vor seiner Zwangspause vor knapp zwei Wochen wohl vorgestellt hätte. Schon am Dienstag wartet mit der Partie gegen Benfica Lissabon in der Champions League (21.00 Uhr im LIVETICKER) die nächste knifflige Aufgabe.

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