Schutzmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten gefährlich statt sicher?

Schutzmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten gefährlich statt sicher?

Der erste Advent steht vor der Tür und schon jetzt haben zahlreiche Weihnachtsmärkte geöffnet. Verstärkte Schutzmaßnahmen sollen nach den Anschlägen im vergangenen Jahr dafür sorgen, dass sich die Tragödie von Berlin nicht wiederholt. Experten warnen jedoch, dass genau diese Maßnahmen für weitere Gefahren sorgen können.

In einem Test der "Bild"-Zeitung nahmen Experten gängige Schutzmaßnahmen genauer unter die Lupe. Dabei kam heraus, dass vor allem Betonpoller, die bei einigen der rund 1.500 Weihnachtsmärkten in Deutschland zum Einsatz kommen, keinen wirklichen Schutz vor Terroranschlägen mit Fahrzeugen, wie dem 2016 in Berlin, bieten. Das Blatt bezieht sich dabei auf die Aussage von Olaf Jastrob, Experte für Veranstaltungssicherheit, und zitiert: "Wenn ein 20-Tonner auf einen 500 Kilo Stein kracht, würde aus dem Stein eine weitere Waffe werden." Ein Test der Dekra zeige außerdem, dass ein Zehn-Tonnen-Laster, der mit 50 km/h auf 2,4 Tonnen schwere Betonblöcke auffuhr, das Hindernis einfach zur Seite schob.

Zu den favorisierten Schutzmaßnahmen auf Weihnachtsmärkten gehört auch die Videoüberwachung. Aber auch hier ist die Sicherheit der Besucher nicht zu 100 Prozent gewährleistet, so Jannis Jost, Terrorismus- und Radikalisierungsforscher an der Universität Kiel, im Interview mit der "Bild"-Zeitung: "Reine Videoüberwachung ist hilfreich, um begangene Straftaten aufzuklären." Aber für die Videoauswertung in Echtzeit würde nicht nur modernste Technik benötigt, sondern auch mehr Personal, das besonders geschult wurde. Eine rein computergestützte Auswertung des Materials sei bei den dicht gedrängten Menschenmassen schwierig. Straftaten könnten so nicht rechtzeitig erkannt und verhindert werden.

Jost erklärt weiter: "Ich denke, dass Polizisten ein unverzichtbares Element jeder Terror-Bekämpfung sind." Sinnvolle Schutzmaßnahmen sein deshalb laut "Bild" Taschen- sowie Zugangskontrollen vor den Weihnachtsmärkten und der Einsatz von patrouillierenden, mit Maschinenpistolen bewaffneten Polizisten plus Zivilbeamten. Weihnachtsstimmung dürfte so bei vielen allerdings nicht aufkommen.