Schumachers Woche: Auf der Suche nach der großen Freiheit

Hajo Schumacher

Wenn Sie diese Zeilen lesen, schwanke ich auf dem Atlantik irgendwo zwischen Europa und Amerika. Ich darf Lesern der Berliner Morgenpost auf unserer gemeinsamen Überfahrt mit Frühsport, Vorträgen und Diskussionen die Zeit vertreiben – welch ein Privileg gegenüber den Kollegen, die seit Wochen um taktikbeseelte Berliner Koalitionäre herumlungern.

Bitte sehen Sie spätestens an dieser Stelle all Ihre Vorurteile gegenüber nichtsnutzigen, vergnügungssüchtigen Journalisten bestätigt. Ja, als ich zusagte, im Frühjahr, war tatsächlich dieses wundersam nostalgische Kreuzfahrgefühl in mir aufgestiegen: Mahagoni, Schaumwein, weiter Horizont; die Bordkapelle spielt unerschütterlich Dvoraks 9. Symphonie oder Udo Jürgens, dazu ein Schuss David Foster Wallace und diese klitzekleine Prise Titanic-Panik.

Doch diese prächtige Genussreise ist nicht nur mit Nostalgie aufgeladen, sondern auch mit einem gesamtglobalen Unbehagen. Denn: Beim Start in Southampton befand ich mich womöglich zum letzten Mal auf einer europäischen Insel, bevor dieser mutwillig bescheuerte Brexit dann Wirklichkeit wird. Und das Annähern an die Neue Welt vom Wasser aus – Freiheitsstatue, Ellis Island, Skyline – fühlt sich auch nicht wie die große Freiheit an. Kaum hatten wir uns widerwillig an einen Präsidenten gewöhnt, der sicherheitshalber von drei Generälen umstellt ist, da liefert der irre Attentäter von Manhattan den nächsten Vorwand für Feuerwerkspolitik.

England und London, die USA und New York, das waren immer Zukunft...

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