Schumachers Woche : Wie Hofladen-Lyrik auch Texte gesünder macht

Hajo Schumacher

Ja ja, ich weiß, Zucker ist fast so etwas wie das neue Heroin, so wie Sitzen das neue Rauchen ist. Ist mir egal. Ich schmiere die Johannisbeermarmelade trotzdem extradick auf den Magerquark. Außerdem bin ich experimentierfreudig. Ich kaufe nicht seit Jahrzehnten ein und dieselbe Konfitüre, sondern teste gern neue Produkte. Der Wechselwähler lässt sich nun mal lieber von verschiedenen Anbietern veralbern.

Neulich stand ich vor den endlosen Weiten des Marmeladenregals und entdeckte ein bislang unbekanntes Glas Johannisbeermarmelade mit der scheinbar von Hand gefertigten Aufschrift "Hofladen". Mein Arm fuhr aus, als sich mein Hirn einschaltete.

Hofladen? Das sind doch diese Bretterbuden vor landwirtschaftlichen Betrieben, wo Eier und Kartoffeln direkt von Huhn und Feld feilgeboten werden, manchmal auch Inklusionsgemüse, also die nicht ganz perfekten Äpfel und Möhren, die häufig durch Nichtkauf diskriminiert werden, und natürlich Marmelade, die des Bauers Oma aus den Früchten des eigenen Hofgartens gekocht hat, im Weckglas, mit Bügeldeckel und Dichtungsgummi, das Etikett mit Gänsekiel getupft. Viel Frucht, viel Zucker und viel Liebe – der perfekte Aufstrich fürs Brot aus der Biolandbäckerei. Außerdem kleine Auflage, nur für mich, hat sonst keiner; da werden meine Freunde aus der Yoga-Gruppe neidisch.

Wie aber kommt Hofladenmarmelade zu meinem europaweit operierenden Discounter? Wie viele Bauernomas müssen da wie viele Tonnen Johannisbeeren ernten und wie viele Gläser beschriften?

Mei...

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