Schumachers Woche: Von großen und kleinen Gesten im Wahlkampf

Wahlplakate in Berlin

Wahlkampf ist wie Halloween, überall wird man erschreckt. Von den Laternenpfählen tausendfaches Horrorgrinsen, in jeder Fußgängerzone lauern gut gelaunte Menschen, um Kugelschreiber-Attentate zu begehen. Neulich klingelten wildfremde Halbwüchsige, um mich von den Vorzügen einer Partei zu überzeugen. Dabei habe ich längst briefgewählt.

In einer Studie meine ich neulich gelesen zu haben, dass sich der normale Bürger etwa eine Viertelstunde ernsthaft mit Parteien, Kandidaten und Unterschieden befasst, nein, nicht täglich, sondern insgesamt. Deswegen ist es so wichtig, möglichst superkutan, also bloß nicht zu tiefschürfend zu werben. Farben sind ganz gut: Rot, Blau, Grün, Gelb. Weil man die Kandidaten aber schlecht anmalen kann, brauchen sie unverwechselbare Merkmale. Das macht die Kanzlerin mustergültig vor mit ihrer Raute, die für ganz viel steht, den HSV etwa oder Caro-Kaffee als Zeichen dafür, dass sie es früher auch nicht immer leicht hatte.

Die Grünen zeigen den erhobenen Zeigefinger

Der talentierte Herr Lindner wiederum ist den ganzen Wahlkampf lang mit Ärmelaufkrempeln beschäftigt. Es begann beim Wahlparteitag, als er unentwegt weiterredete, während er sich die Manschettenknöpfe rauspulte, das blütenweiße Textil aufrollte und trotzdem immer weiterredete. Multitasking, denkt sich der Wähler, der Mann kann was, immer Aufkrempeln, man weiß nicht wofür, aber egal, er tut was.

Und was zeigen die Grünen? Klar: den erhobenen Zeigefinger, eine traditionsreiche deutsche Geste, die mor...

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