Schumacher: Das muss die Formel 1 besser machen

Holger Luhmann

Sechs Grand-Prix-Siege hat Ralf Schumacher als Formel-1-Pilot gefeiert, unter anderem 2001 auf dem Hockenheimring. Im selben Jahr wurde sein Sohn David geboren, der am Wochenende im Rahmenprogramm in der Nachwuchsserie Formel 4 startet und dort nach dem ersten Rennen die Führung in der Rookie-Wertung übernommen hat.

Im SPORT1-Interview spricht Schumacher vor dem Deutschland Grand-Prix am Sonntag (ab 15 Uhr im LIVETICKER) über die Karriere seines Sohnes, das enge Duell in der Formel 1 zwischen Sebastian Vettel und Lewis Hamilton sowie über Möglichkeiten, die Königsklasse noch interessanter zu machen.

SPORT1: Herr Schumacher, Ihr Sohn David war am Donnerstag im Formel-1-Fahrerlager, hat sich mit anderen Nachwuchsfahrern unter anderem die Box von Ferrari angeschaut und Tipps von Sebastian Vettel bekommen. Hat er Ihnen danach vorgeschwärmt?

Ralf Schumacher: Ehrlich gesagt, haben wir noch gar nicht so ausführlich darüber gesprochen. Aber man hat gemerkt, dass er sehr beeindruckt war. Es war toll von Sebastian, das zu ermöglichen.


SPORT1: Im Anschluss hat David - auch bei SPORT1 - gleich erklärt: Da will ich hin, Formel 1 will ich auch fahren...

Schumacher: Das ist ja auch in Ordnung, das ist das Ziel eines jeden Rennfahrers. Aber es liegt eben auch am Verlauf der Karriere. Jetzt fährt er erstmal sein erstes Jahr Formel 4. Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Er macht die Entwicklung, die wir uns vorgestellt haben. Wir sind im Karrierezeitplan. Mal sehen, was die Zukunft noch bringt.

SPORT1: Für Ihren Sohn ist die Formel 1 das Ziel, Sebastian Vettel und Lewis Hamilton bieten sich dort aktuell ein enges Duell um den Titel. Wie verfolgen Sie diesen Kampf?

Schumacher: Es ist gut, dass mit Ferrari endlich wieder eine Marke Mercedes Paroli bieten kann. Das liegt nicht daran, dass ich es Mercedes nicht gönne. Ganz im Gegenteil, ich bin ja lange genug für das Haus gefahren. Aber es macht die Formel 1 wieder spannender. Man sieht auch, dass sich die Zuschauerzahlen wieder in die richtige Richtung bewegen.

SPORT1: Trotzdem steht hinter der Formel 1 in Deutschland ein dickes Fragezeichen. Was muss sich ändern?

Schumacher: Zunächst einmal vermeldet Hockenheim dieses Jahr ein ausverkauftes Haus und die Atmosphäre ist auch wieder da. Die Formel 1 macht zur Zeit wieder vieles richtig, öffnet sich wieder mehr. Aber natürlich sind die Tickets nach wie vor sehr teuer, für viele Leute fast unerschwinglich. Persönlich sehe ich aber nicht, dass es das letzte Rennen in Hockenheim sein wird. Wir haben ja auch noch Hersteller und Sponsoren, die Interesse an diesem Rennen haben.


SPORT1: Sebastian Vettel hat moniert, dass die Formel 1 zu kompliziert geworden ist. Sehen Sie das auch so?

Schumacher: Ja. Dieser Prozess kam noch während meiner Zeit ins Rollen. Damals hieß es, wir müssen mit der Formel 1 Technologien entwickeln, federführend sein für die Hersteller. Wenn ich mir die auf den Straßen heute anschaue, ist in manchen sowieso alles an Technik vorhanden, was man sich vorstellen kann.

SPORT1: Also zurück zu den Wurzeln, weniger Technik?

Schumacher: Ein Zuschauer wird es nicht sehen, wenn ein Auto eine halbe Sekunde schneller um die Strecke fährt. Ihn interessiert, dass es eng zugeht, dass gefightet wird und überholt. Und dass sich Siege nicht voraussagen lassen. All das hat der Formel 1 lange gefehlt.