Schulz will mit einmonatiger Wahlkampftour das Blatt wenden

Hubertus Heil

Mit einer einmonatigen Wahlkampftour durch dutzende Städte in Deutschland hofft SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz die politische Stimmung zu seinen Gunsten zu drehen. Insgesamt werde Schulz bis zur Bundestagswahl am 24. September mehr als 20.000 Kilometer durch alle 16 Bundesländer zurücklegen, sagte SPD-Bundesgeschäftsführerin Juliane Seifert bei der Vorstellung der sozialdemokratischen Wahlkampagne am Dienstag in Berlin.

Den Auftakt der "Schulz Live Tour" macht am 21. August Bremen, zuvor wird der Kanzlerkandidat noch in einer Sommerreise durch Ostdeutschland unterwegs sein. Die große Abschlusskundgebung soll am 22. September in Berlin stattfinden, am Tag vor der Wahl wird Schulz dann noch einmal in Aachen nahe seiner Heimatstadt Würselen auftreten.

Ziel der Sozialdemokraten sei, "mit möglichst vielen potenziellen Wählerinnen und Wählern ins Gespräch zu kommen", sagte Seifert. Schulz wolle in Städten, aber auch auf dem Land "auf Augenhöhe" mit den Menschen in den Dialog treten.

Auch mit Plakaten zu den fünf Themen Lohngerechtigkeit, Bildung, Rente, Familie und Investitionen hoffen die Sozialdemokraten auf neuen Schwung im Bundestagswahlkampf. "Martin Schulz hat deutlich gemacht: Deutschland kann mehr", sagte SPD-Generalsekretär Hubertus Heil bei der Präsentation im Willy-Brandt-Haus. "Darum geht es auch in dieser Kampagne."

Die Motive sollen in den kommenden Tagen auf tausende Plakatwände in ganz Deutschland geklebt werden. In zwei bis drei Wochen wollen die Sozialdemokraten dann in einer zweiten Plakatwelle den Fokus auf Schulz richten. Ein Motiv, das Heil am Dienstag enthüllte, zeigt das Konterfei des Kanzlerkandidaten mit dem Schriftzug: "Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt." Für den Wahlkampfendspurt plant die Partei eine dritte Plakatwelle - die Details sind noch geheim.

Heil sagte, dass sich die SPD "intensiv" auf den Wahlkampf vorbereitet habe. Das Budget liege bei rund 24 Millionen Euro - etwas höher als bei der Bundestagswahl vor vier Jahren.

Weniger als acht Wochen vor der Wahl befinden sich die Sozialdemokraten allerdings in einer schwierigen Lage. Bei den drei Landtagswahlen im Frühjahr fuhren sie enttäuschende Ergebnisse ein, in bundesweiten Umfragen fielen sie nach der anfänglichen Euphorie um Schulz wieder deutlich hinter die Union von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zurück. Jüngsten Umfragen zufolge kommt die Partei auf etwa 23 bis 25 Prozent.

"Dieses Bundestagswahlrennen ist offen", gab sich Heil kämpferisch. Der Wahlkampf gehe jetzt erst richtig los. Viele Menschen seien noch unentschieden und würden in den kommenden Wochen anfangen, sich mit den politischen Angeboten zu befassen.

Ende Juni hatte der SPD-Parteitag das Programm für die Bundestagswahl am 24. September beschlossen. Mitte Juli präsentierte Schulz dann einen zugespitzten "Zukunftsplan" für ein "modernes Deutschland", der staatliche Investitionen insbesondere in Bildung und den digitalen Wandel, Gerechtigkeitsthemen sowie eine Stärkung der Europäischen Union in den Mittelpunkt stellt.