Schulz: Dieselfahrer in Deutschland dürfen nicht die Zeche zahlen

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz hat davor gewarnt, die Folgen des Dieselskandals auf die Autofahrer abzuwälzen. Dieselfahrer seien hauptsächlich Pendler, kleine Handwerker und Lieferanten, sagte Schulz am Sonntag im ZDF-Sommerinterview für die Sendung "Berlin direkt". Er sei "entschieden dagegen", dass sie nun "die Zeche zahlen sollen".

Die Verantwortung sieht Schulz bei den Managern der Automobilindustrie. In Deutschland hätten "millionenschwere Manager die Zukunft verpennt". "Wegen des kurzfristigen Effekts in ihren Bilanzen haben sie nichts investiert in den Bereichen, wo wir hätten investieren müssen", kritisierte der SPD-Chef.

Zuvor hatte Schulz eine verbindliche Quote für Elektroautos in Europa gefordert, um die Autoindustrie zu einer konsequenten Ausrichtung auf neue Antriebstechnologien zu bewegen. In einem Fünfpunkteplan zur Zukunft des Automobilstandorts Deutschland forderte er am Freitag auch den Aufbau einer eigenen Batteriezellenfertigung, um von ausländischen Herstellern unabhängig zu werden. Der Vorschlag einer Quote für Elektroautos stieß bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) allerdings auf Ablehnung.

Auf einem zweiten Dieselgipfel im Herbst will der SPD-Chef überprüfen lassen, ob die Autobauer ihre Zusagen bei der Umrüstung einhalten. Die deutschen Autohersteller hatten kürzlich bei einem ersten Diesel-Gipfel in Berlin zugesagt, insgesamt fünf Millionen Dieselwagen der Euronormen 5 und 6 mit einem Softwareupdate nachzurüsten, um den Schadstoffausstoß dieser Fahrzeuge zu senken. Zudem führten die Autobauer Umstiegsprämien für Besitzer älterer Dieselautos ein.

Den ersten Dieselgipfel hält Schulz indes für "gescheitert". "Da ist ja nichts bei rumgekommen", sagte er im ZDF-Interview.